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Das Interesse der Bürger an den Entwicklungen in ihrem Heimatort ist in Höhenkirchen-Siegertsbrunn groß.

Bürgerversammlung

Verkehr beschäftigt die Bürger am meisten

Höhenkirchen-Siegertsbrunn - Viel Verkehr, Raser, zu wenig Alternativen und Kinderbetreuung waren die Themen bei der Bürgerversammlung in Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Ein Höhenkirchner Student sei in den Semesterferien auf sie zugekommen, erzählt Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU). Er habe ihr gesagt, dass er sich gerade einen neuen Hochdruckreiniger gekauft habe, inzwischen aber schon alles zuhause gereinigt sei. Er fragte, ob er denn die gemeindliche Sitzbank vor seinem Wohnhaus reinigen dürfte. Die Bank war über Jahre Wind und Wetter ausgesetzt und hatte das durch ihre graue Farbe auch gezeigt. Der junge Mann reinigte die Bank. Heute strahlt sie wieder in einem hellen Braun. Und Ursula Mayer kann die Geschichte in der Bürgerversammlung erzählen, um vor ihren Bürgern zu bekräftigen: „Solche Leute brauchen wir!“ Denn alleine kann die Gemeinde nicht alles stemmen. Dabei tut sie einiges – immerhin stellt Ursula Mayer fast zwei Stunden die vergangenen und zukünftigen Projekte vor. „Ein Feuerwerk der Aktivitäten von Höhenkirchen-Siegertsbrunn“, nannte es Landrat Christoph Göbel (CSU) im Anschluss.

Eines der wichtigsten Themen ist der Verkehr in der Gemeinde. Insgesamt 7100 Autos sind im aktuellen Jahr sind dort gemeldet – bei 10800 Einwohnern. „Alle Kinder unter 18 haben kein Auto, sonst alle“, brachte es Ursula Mayer auf den Punkt. Deshalb versuche die Gemeinde verstärkt Radwege auszubauen. Alle Nachbargemeinden sind bereits erschlossen, am Grenzweg soll bis November 2018 auch die S-Bahnunterführung entstehen. Außerdem sollen die Nahversorger so verteilt werden, dass die Menschen dort zu Fuß oder mit dem Radl hinkommen. 500 Meter maximal, ist die Devise. Im Ortszentrum klappt das auch schon.

Damit der Verkehr weiter aus dem Ort herausgeleitet wird, soll die 90 Jahre alte Unterführung an der Luitpoldstraße erweitert werden, damit dort auch Lkw durchpassen. Siegertsbrunner müssten dann auf ihrem Heimweg nicht immer über den Bahnübergang an der Bahnhofsstraße fahren und dort eventuell warten.

Im kommenden Jahr soll außerdem die Tennisanlage saniert werden, die Feuerwehr Siegertsbrunn bekommt ein neues Gerätehaus, die Skateranlage an der „BlueBox“ eine neue Halfpipe. Auch die Erschließung des Gewerbegebiets Nord soll beginnen, wenn der Rechtsstreit dazu beendet werden kann. Das Gebiet verspricht eine spürbare Erhöhung der Gewerbesteuereinnahmen.

Ein umstrittenes Thema war die kommunale Verkehrsüberwachung, die Höhenkirchen-Siegertsbrunn in diesem Jahr gestartet hat. Erst einmal testweise für zwei Jahre. Erste Ergebnisse gibt es bereits: Es fahren in den großen Straßen im Ort sehr viele Autos (teilweise über 400 die Stunde) und sie fahren alle zu schnell (mindestens über 50 Stundenkilometer, teilweise über 70, bei vorgeschriebenen 50 km/h). Sogar in 30er-Zonen, wie in der Altlaufstraße.

Doch die Verkehrsüberwachung trifft nicht überall auf Zustimmung. Ein Bürger hatte gebeten, die Aktion abzubrechen: „Wieso sollte man etwas regeln, wenn gar nichts passiert?“ Bürgermeisterin Mayer aber ließ sich nicht beirren: Die Vereinbarung liefe jetzt für zwei Jahre, danach schaue man sich die Ergebnisse an. Ob die Überwachung auch tatsächlich die bisher eingeplanten 50 000 Euro kosten wird, ist nicht klar. Das war nur eine Schätzung.

Ein weiteres Thema war die Ortsentwicklung. Und vor allem die Kinderbetreuung. „Zwillinge schießen mir die ganze Statistik durcheinander“, klagte Ursula Mayer - denn die seien nicht planbar. Höhenkirchen-Siegertsbrunn erfüllt zwar das gesetzliche Mindestmaß für Kinderbetreuung, die Bürgermeisterin würde aber gerne noch mehr Plätze anbieten, vor allem für Krippen- und Kindergartenkinder. Dagegen sieht sie bei Hort und Mittagsbetreuung einen Trend zur Ganztagsschule. Doch die Gemeinde hat dasselbe Problem, wie alle Kommunen: Es fehlen Pfleger.

Benedict Witzenberger

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