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Es kann losgehen: Bürgermeisterin Ursula Mayer (5.v.l.) und Initiatorin Andrea Hanisch (6.v.l.) mit Helfern und künftigen Bewohnern des Wohnheims beim Spatenstich für das Projekt, das der Verein „Zukunft trotz Handicap“ realisiert.

Spatenstich

Wohnheim für junge Behinderte

Höhenkirchen-Siegertsbrunn - In Höhenkirchen-Siegertsbrunn entsteht ein Wohnheim für behinderte junge Menschen. Im Sommer 2017 werden die ersten Bewohner einziehen. Der Spatenstich ist bereits erfolgt.

Die Sorge um ein behindertes Kind belastet Eltern stark. Wie geht es mit unserem Kind weiter, wenn wir nicht mehr sind? Um diese Frage kreist das Leben; betroffene Eltern möchten ihr Kind gut betreut wissen, wenn sie einmal sterben.

Andrea Hanisch, CSU-Gemeinderätin in Höhenkirchen-Siegertsbrunn, hat ein Projekt ins Leben gerufen (wir berichteten), durch das diese Sorge abgemildert werden soll: In der Gemeinde entsteht derzeit ein Wohnheim für junge Erwachsene mit Behinderung – zum Beispiel Menschen mit Down-Syndrom und Autisten. „Die junge Leute sollen eine Heimat mit hohem Anspruch an selbstbestimmtes Leben in geschütztem Rahmen haben“, fasst Hanisch ihr Wunschziel zusammen. 2013 hatte sie den Verein „Zukunft trotz Handicap“ gemeinsam mit Hans-Jürgen Gerhardt aus Oberschleißheim gegründet. Jetzt, also nur drei Jahre später, setzte sie mit Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU) und zukünftigen Bewohnern den ersten Spatenstich.

Aus jedem Satz, den Andrea Hanisch ausspricht, ist herauszuhören: Dieses Vorhaben ist ihr eine Herzensangelegenheit. „Jede freie Minute“ widmet sie sich dem Wohnheim. Alle Beteiligten, von den Eltern bis zu den Architekten, gingen „sehr einfühlsam“ an die Sache heran, „es geht ein Geist um, das ist richtig toll“, sagt Hanisch erfreut.

Wie wird mein Kind betreut? Gibt es nachts Hilfe? Mit solchen Fragen treten Eltern der künftigen Bewohner an Hanisch heran. Und die nimmt sich Zeit für die Mütter und Väter, denen das Loslassen schwer fällt und deren oberster Herzenswunsch es ist, ihr Kind in kompetente und liebevolle Hände zu geben. In Hanischs eigener Familie gibt es eine Person mit Handicap, deshalb weiß sie ganz genau, welche Sorgen Eltern plagen und welche Bedürfnisse Behinderte haben. Das Haus in der Wächterhofstraße wird Platz für 26 Personen zwischen 18 und 35 Jahren bieten; in einer Art Wohngemeinschaft leben die jungen Frauen und Männer dann zusammen unter einem Dach. Betreiber wird das Heilpädagogische Centrum Augustinum aus München.

Das Wohnheim ist eine elternfinanzierte Einrichtung, das heißt, die Eltern kaufen für rund 100 000 Euro einen Platz im Heim, das Kind hat dort dann lebenslanges Wohnrecht. Die Miete zahlt der Bezirk ans Augustinum. Drei Plätze hat die Manfred-Hallbauer-Stiftung gekauft. „Sie stehen Menschen aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn zur Verfügung, deren Eltern sich einen Platz nur schwer leisten können“, sagt Hanisch.

Eine Besonderheit bietet das Wohnheim: „Ein Pärchen darf in ein Apartment zusammenziehen, das wäre auf dem freien Wohnungsmarkt kaum denkbar.“ Tagsüber werden die Bewohner außer Haus sein, zum Beispiel bei der Pfennigparade oder in der Lebenshilfe-Werkstatt. Ab 16 Uhr sind Betreuer im Haus, an die sich die Bewohner wenden können – aber nicht müssen. Die Grundsteinlegung findet Ende April statt. Im Sommer des kommenden Jahres werden die ersten Bewohner das Haus mit Leben füllen.

Veronika Jordan

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