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Spaßrallye: Sämtliche Buchstaben des Wortes Notruf formen mit einem Feuerwehrschlauch Liv Porschen (8) und Paul Dukatz (9) von der Kinderfeuerwehr Höhenkirchen. 

Einzige Kinderfeuerwehr im Landkreis

Früh übt sich, wer ein Retter werden will

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Seit Juli dürfen Freiwillige Feuerwehren in Bayern auch offiziell Kindergruppen für Sechs- bis Zwölfjährige gründen. Einige haben sich nun zu einem Zeltlager in Höhenkirchen getroffen, wo die einzige Kinderfeuerwehr im Landkreis zu Hause ist.

Höhenkirchen– Eilig greift Jonas Heinze zum Feuerwehrschlauch, rückt ihn zurecht, tritt dann zwei Schritte zurück und blickt abwechselnd zu den anderen Kindern und auf das Gebilde am Boden, das nun deutlich an den Buchstaben „R“ erinnert. „Passt!“, ruft ein Betreuer, worauf sich der neunjährige Jonas und seine Kollegen von der Kinderfeuerwehr Höhenkirchen wieder auf den Schlauch stürzen. Das Ziel: Sie müssen damit binnen zwei Minuten alle Buchstaben des Wortes Notruf bilden.

Die Aufgabe ist Teil einer Spaßrallye durch den Ort, an der 60 Feuerwehrkinder aus ganz Oberbayern teilnehmen. Tags zuvor sind sie in Höhenkirchen angekommen und haben auf der Wiese hinter dem Feuerwehrhaus für zwei Tage ihre Zelte aufgeschlagen. Organisiert wird das Zeltlager von der Feuerwehr Höhenkirchen sowie dem Bezirksfeuerwehrverband Oberbayern. Sie wollen den Kindern drei unvergessliche Tage bescheren – und nebenbei für das Thema Kinderfeuerwehren werben.

Derlei Gruppen für Sechs- bis Zwölfjährige dürfen offiziell erst seit Juli eingerichtet werden – eine Änderung im Bayerischen Feuerwehrgesetz hat es möglich gemacht. Wobei es zuvor schon zahlreiche Kinderfeuerwehren gab, vor allem in Nordbayern, die über den Umweg des Feuerwehrvereins und einer Satzungsänderung gegründet wurden. Im Landkreis München existiert bis heute jedoch nur eine einzige Kinderfeuerwehr: die „Feuertiger“ in Höhenkirchen. In allen anderen Gemeinden muss der Nachwuchs warten, bis er zwölf oder mitunter gar 14 Jahre alt ist, ehe er der Jugendfeuerwehr beitreten darf.

„Wir hatten vor einigen Jahren massivste Nachwuchsprobleme“, erzählt Höhenkirchens Kommandantin Nikola Schwaiger. Der Grund: Hatten die Kinder das Alter erreicht, um bei der Jugendfeuerwehr einzusteigen, waren sie meist schon im Sportclub oder im Musikverein aktiv. Und dann auch noch Feuerwehr? Dafür fehlte angesichts von Schule, Ganztagesunterricht und G8 oft die Zeit. Also gründete man in Höhenkirchen die „Feuertiger“ für Kinder ab sieben Jahre. „Wir hatten damals das große Glück, zwei sehr engagierte Betreuerinnen zu finden“, sagt Nikola Schwaiger – nämlich Marina Vondrak und Britta Werhahn. Die beiden kümmern sich seit Anfang 2015 um die 26 Kinder, die an jedem zweiten Samstag ins Feuerwehrhaus kommen. Dort lernen die Jüngsten dann zwar auch, wie die Feuerwehr organisiert ist, welche Geräte und Fahrzeuge es gibt, und wie man sich im Brandfall verhält. Doch das Gros der Zeit entfällt auf „allgemeine Kinderarbeit“, also spielen, basteln und Unternehmungen.

Die Kinder für die Feuerwehr zu begeistern, sei dabei überhaupt kein Problem, sagt die Kommandantin: „Wir haben sogar eine Warteliste. Wenn ein Platz frei wird, hätte ich drei, die nachrücken wollen.“ Und dank hoher Übertrittsquoten in die Jugend- und später in die Erwachsenen-Wehr habe sich das Nachwuchsproblem mittlerweile erledigt, sagt Nikola Schwaiger. „Die Gründung der Kinderfeuerwehr war unsere beste Idee überhaupt.“

Und doch ist Höhenkirchen bei dem Thema im Landkreis allein auf weiter Flur – „allerdings wird sich das bald ändern“, ist Kreisbrandmeister Gerhard Bauer überzeugt. Der Aschheimer erinnert an die Gründung der ersten Jugendfeuerwehren in den 1970er-Jahren. „Da hat es auch nicht lange gedauert, bis sich das verbreitet hat.“ Fragt man bei den Feuertigern nach, dann ist der Tenor jedenfalls klar: „Wir spielen viel, und wir basteln, und wir machen Experimente. Das macht einfach Spaß“, sagt Jonas Heinze, der über seinen Vater zur Kinderfeuerwehr gekommen ist. „Der ist nämlich bei der Feuerwehr“, sagt der Neunjährige, worauf ihm sein Kollege Sebastian Kulisch (8), ins Wort fällt: „Ich gehe später auch zur Feuerwehr. Das ist doch total cool!“

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