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Bereit zur Abfahrt: Ein Bus wartet am Freitag an der Gemeinschaftsunterkunft in Höhenkirchen auf die Asylbewerber, die übergangsweise an anderen Standorten im Landkreis unterkommen sollen.

Brandschutzmängel

Zwangsumzug: Flüchtlinge müssen aus Unterkunft in Höhenkirchen raus

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Die Regierung von Oberbayern (RVO) hat am Freitag Teile ihrer Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber an der Bahnhofstraße in Höhenkirchen-Siegertsbrunn räumen lassen.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn –  Der Grund: Bei einer Feuerschau und Begehung durch Mitarbeiter des Landratsamtes wurden Anfang der Woche, wie RVO-Sprecherin Verena Gros bestätigt, Mängel im 3. Stock des Gebäudes hinsichtlich der Fluchtwegsituation festgestellt.

Darauf sollten die betroffenen Bewohner von einem Tag auf den anderen ihre Zimmer verlassen und auf andere Unterkünfte verteilt werden. Laut Gros sei von Anfang an geplant gewesen, die Betroffenen im Landkreis München unterzubringen. Gemeinderat Norbert Mayer und Asylhelferin Elisabeth Oehlen widersprechen.

Asylhelfer sprechen von „unverständlicher Hauruck-Aktion“

Ihren Informationen zufolge habe die RVO ursprünglich geplant, die Betroffenen unter anderem nach Ingolstadt und Garmisch zu schicken. Die, wie es Oehlen nennt, „unverständliche Hauruck-Aktion“ schockierte nicht nur die Betroffenen, sondern auch die zuständige Caritas-Mitarbeiterin. Mayer schaltete schließlich Landrats-Stellvertreter Otto Bußjäger ein. Daraufhin wurde die am Donnerstag geplante Aktion auf Freitag verschoben und passendere Unterkünfte für die 17 Betroffenen – drei Männer, sechs Frauen und acht Kinder – gesucht.

Flüchtlingsunterkunft geräumt: Betroffene bricht in Tränen aus

Als Norbert Mayer am Donnerstagmittag zur Gemeinschaftsunterkunft eilte, bot sich ihm ein chaotisches Bild. „In der Eingangshalle lagen Koffer und Müllsäcke, in denen die Bewohner ihre ganze Habe verstaut hatten“, erzählt er. Eine Betroffene sei in Tränen ausgebrochen. Der Bus, der die Asylbewerber in ihre neuen Unterkünfte bringen sollte, sei zudem nicht für den Transport von Kindern ausgerüstet gewesen. Auf seinen Hinweis hin, es müsse „ein schriftlicher Bescheid für so eine überstürzte Räumung“ vorliegen, habe der RVO-Vertreter vor Ort lediglich mitgeteilt, es sei wegen des Brandschutzes Gefahr in Verzug.

Einrichtung ist seit Jahren in Betrieb

Für Mayer ist rätselhaft, warum auf einmal „Gefahr in Verzug“ sein soll, wo doch die Einrichtung schon seit zehn Jahren in Betrieb ist und regelmäßig Brandschutzbegehungen durch die Feuerwehr durchgeführt werden. „Es hat sogar Evakuierungsübungen gegeben“, betont Mayer.

Entsetzt hat ihn zudem, dass die Regierung von Oberbayern die Flüchtlinge anfangs in Unterkünfte bringen wollte, ohne auf deren individuellen Bedürfnisse einzugehen. So sollte seiner Darstellung nach eine Frau, die in Altenheimen in Ottobrunn und Aying arbeitet, nach Unterhaching verlegt werden. Ein Asylbewerber, der wegen einer Erkrankung Anspruch auf ein Einzelzimmer hat, sollte in einem Doppelzimmer untergebracht werden, erzählt Mayer. Sorge machte sich der Gemeinderat aber vor allem um die betroffenen Kinder, die bereits in Höhenkirchen Kindertagesstätten besuchten oder dort zur Schule gehen würden.

Probleme bei der Unterbringung im Landkreis

Unter Mithilfe von Bußjäger verständigte man sich laut Mayer mit der Regierung von Oberbayern darauf, die Räumung auf Freitag zu verschieben und noch geeignetere Unterkünfte für die Betroffenen zu finden. So bekomme der Mann mit der Erkrankung nun ein Einzelzimmer in Aschheim, ein weiterer Asylbewerber, der in Unterhaching arbeite, werde auch in Unterhaching untergebracht.

Schwieriger gestaltete sich laut Oehlen die Suche nach einer geeigneten Unterkunft für zwei Mütter mit ihren Kindern sowie für die Frau, die als Altenpflegerin arbeitet. Die Idee, sie in den Wohncontainer des Obdachlosen-Parks in Höhenkirchen-Siegertsbrunn einzuquartieren, scheiterte am Widerstand der Betroffenen, die nicht allein so abgelegen wohnen wollten, wie Oehlen erläutert.

Erst im Laufe des Nachmittags zeichnete sich eine Lösung ab: Eine Familie kommt in den Feel-Home-Häusern in Höhenkirchen unter, die andere in Unterschleißheim. Die Frau kommt nach Unterhaching.

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