Feier auf dem Friedhof - 1000 Jahre Kirche Mariä Geburt
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Gottesdienst in ungewöhnlichem Rahmen: Der 1000. Geburtstag von Mariä Geburt wurde auf dem Friedhof von Höhenkirchen gefeiert, und die Toten, wie Kardinal Marx meinte, feierten mit: „Sie sind in einer anderen Dimension mit Christus verbunden.“

Mariä Geburt in Höhenkirchen wird 1000 Jahr alt

Jubiläumsfeier zwischen den Grabsteinen

  • vonAndrea Kästle
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Ein besonderer Festgottesdienst fand am Sonntag zu Ehren von Mariä Geburt in Höhekirchen statt - zum 1000. Geburstag der Kirche.

  • Die Kirche Mariä Geburt gilt als älteste Kirche im Landkreis München
  • An diesem Sonntag wurde ihr 1000. Geburtstag gefeiert
  • Erzbischof Reinhard Marx feierte Festgottesdienst in ungewöhnlichem Rahmen

Eigentlich hatte Höhenkirchen den 1000. Geburtstag seiner Kirche Mariä Geburt drei Tage lang feiern wollen. Mit einer langen Nacht der Musik, mit verschiedensten Gesängen, Lesungen, Gebetskreisen und auch Kinderprogramm. Aber Corona hat von diesen Plänen nicht besonders viel übrig gelassen. Nur der Sonntag konnte letztlich begangen werden wie ursprünglich vorgesehen – mit einem Festgottesdienst, zelebriert von Kardinal Reinhard Marx, mit gemütlichem Beisammensitzen im Hof des Pfarrzentrums, mit ein paar Reden. Was alles zusammen den Beteiligten ziemlich gut gefiel.

Vorgezogener Abschied für Pfarrer Toni Wolf

Und was durchaus mehr als angebracht gewesen ist – denn die gelbe Pfarrkirche von Höhenkirchen ist vermutlich, wie Landrat Christoph Göbel später in seinem Grußwort meinte, die älteste Kirche im Landkreis überhaupt. Und gleichzeitig war dieser Festtag unter strahlend blauem Himmel gleich eine Art vorgezogener Abschied für Pfarrer Toni Wolf, der nach 24 Jahren in der Südostgemeinde Ende September in den Ruhestand geht. Er wirkte an dem Tag fröhlich und bewegt zugleich. Göbel überreichte ihm im Gemeindezentrum einen Keferloher und bezeichnete ihn als einen Mann, „der sein Herz auf der Zunge trägt“.

Nicht in der Vergangenheit verharren

Derweil hatte der Gottesdienst in Rücksicht auf die einzuhaltenden Hygiene-Vorgaben im Friedhof hinter der Kirche stattgefunden. Kardinal Marx ging darauf ein, wie wir in unserem Leben auch die Religion allzu oft quasi für unsere Zwecke einspannen wollten, er sagte: „Wir dürfen Gott nicht für unsere Ideologien und unsere persönliche Karriere benutzen.“ Man könne sich seinen Gott nicht selber basteln. Zum Kirchenjubiläum meinte er, es gelte, nicht in der Vergangenheit zu verharren, sondern in die Zukunft zu schauen. „Christus kommt von vorne auf uns zu.“

Festzug mit Anstand und Abstand

Die Leute saßen auf Bierbänken zwischen den Grabsteinen, musikalisch gestaltet wurde die feierliche Messe mit viel Gesang von der Blaskapelle Höhenkirchen. Rechts und links von der Bühne mit der Kanzel hatten sich Fahnenabordnungen der Vereine aufgestellt. Die führten dann auch den Festzug rüber in die Schulstraße an, die Höhenkirchner und Höhenkirchen-Besucher folgten ihnen „mit Anstand und dem nötigen Abstand“ - wozu Toni Wolf sie ermahnt hatte. Damit wirkten dann auch die Reihen derer, die mitgingen, ein wenig länger, meinte er schmunzelnd.

Entspannte Stimmung im Biergarten

Im Biergarten, in dem sich Marx sichtlich erfreut unter einem Schirm niederließ, folgten dann noch ein paar Grußworte. Der evangelische Pfarrer Thomas Lotz überreichte seinem katholischen Kollegen ein Apfelbäumchen, das zweierlei Apfelsorten tragen wird, Bürgermeisterin Mindy Konwitschny, SPD, erklärte, sie sei „so stolz“ auf ihre Gemeinde, die „in diesen Zeiten“ in der Lage sei, ein solches Fest zu organisieren. Dann trug sich der Erzbischof gut gelaunt in die Goldenen Bücher von Höhenkirchen und Brunnthal ein – und es gab Essen.

Der Geburtstag von Mariä Geburt lässt sich freilich nicht auf den Tag genau festlegen. Was gefeiert worden ist am Sonntag, ist die Tatsache, dass die urkundliche Erwähnung der Kirche etwa 1000 Jahre zurückliegt. In dem Schriftstück, in dem auch Höhenkirchen erstmals namentlich vorkommt, wird die Schenkung des Gotteshauses ans Kloster Schäftlarn bezeugt, sein Alter kann, weil das Dokument nicht datiert ist, aber eben nur geschätzt werden. Letztlich sind beide, Ort und Kirche, wohl mindestens 200 Jahre älter. Schon im 8. Jahrhundert hat an der Stelle, an der Mariä Geburt heute steht, ein sakraler Holzbau gestanden, der dann aber abbrannte. Und im 11. Jahrhundert als romanische Kirche wieder aufgebaut worden ist. Von der alten Bausubstanz ist in den Nord- und Südmauern des Gotteshauses noch heute viel vorhanden, ansonsten wurde das Gebäude freilich in den Jahrhunderten mehrfach an- und umgebaut. Aus den Archiven lässt sich übrigens auch rauslesen, dass Mariä Geburt eine besonders wichtige Kirche gewesen ist. Weil ihr zu Ehren der Ort, der ursprünglich Marchwartsbrunn geheißen hatte, überhaupt erst umbenannt worden ist in Höhenkirchen. So hat es Florian Sepp, zweiter Leiter des Referats Bavarica in der Staatsbibliothek, in der letzten Ausgabe der Pfarrverbandsnachrichten ausgeführt.

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