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Der Wohnwagenpark in der Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn war vorübergehend die Rettung für die kleine Familie, die vor häuslicher Gewalt geflohen ist und nun eine neue Bleibe sucht.

Wohnung dringend gesucht

Junge Mutter hofft auf Neujahrs-Wunder

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Nur noch drei Monate kann eine Mutter, die bis vor kurzem in Höhenkirchen-Siegertsbrunn lebte, mit ihren Töchtern in einer Wohnung in Planegg wohnen. Denn das Haus soll abgerissen werden. Der jungen Familie droht die Obdachlosigkeit.

Planegg/ Höhenkirchen-Siegertsbrunn – S. wünscht sich einen Neustart. Ohne Streit, ohne Gewalt. Einfach nur in Ruhe mit ihren Kindern leben. In den vergangenen Jahren war das nicht möglich. „Hier geht es mir gut“, sagt die junge Frau und lächelt. Sie wohnt mit ihren beiden Töchtern, fünf und drei Jahre, in einem Häuschen in Planegg. Aber im März muss sie raus. Eine neue Bleibe hat sie noch nicht. Die Sorge, auf der Straße zu stehen, hängt wie ein Damoklesschwert über ihr.

S. kocht Kaffee und schneidet Kuchen auf. Die Mädchen hält es nicht auf dem Sofa, sie freuen sich über den Besuch und springen lebhaft durch die Zwei-Zimmer-Wohnung, klettern auf den Schoß ihrer Mutter und kuscheln mit ihr. Das war alles früher nicht möglich.

S. ist 28 Jahre. Die 63-Quadratmeter im ersten Stock sind seit September ihr Zuhause. Vor drei Monaten ist sie mit dem Lebensnotwendigen hier eingezogen. „Nur zur Zwischennutzung“, sagt S., „aber immerhin“. Den Schimmel an der Küchenwand nimmt S. in Kauf. „Besser als nichts.“ Ihre Töchter sind im Kindergarten glücklich. Oft wünscht sich die junge Mutter, sie könnte die Zeit anhalten, hierbleiben und eine Arbeit annehmen. Aber das sanierungsbedürftige Häuschen soll verkauft und dann abgerissen werden.

Vor einem halben Jahr war es die unerwartete Rettung. Damals wohnte S. noch bei ihren Eltern in Höhenkirchen-Siegertsbrunn in einer Drei-Zimmer-Wohnung. Auf engstem Raum gab es oft Streit. Schreien, Schlagen, Schimpfen bei jeder Kleinigkeit. Es fällt ihr schwer, über diese Zeit zu reden.

Irgendwann war die Situation nicht mehr auszuhalten. Eine Sozialwohnung erhielt S. nicht. Nach einigem Hin und Her tat sich dann doch ein Ausweg auf: Sie konnte in einen Wohnwagen im Trailerpark ziehen, wo die Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn Flüchtlinge und Obdachlose unterbringt.

Sie lächelt. „Es war wie ein Urlaub.“ Ihren Töchtern sagte sie: „Wir machen Ferien im Wohnwagen.“ Die Kleinen verlebten drei unbeschwerte Augustwochen. „Unsere Wohnwagentür stand den ganzen Tag offen. Die Kinder waren fast immer draußen.“ Die Nachbarn aus den anderen Wohnwagen, vier Flüchtlinge, waren sehr kinderfreundlich. „Es war ein gutes Miteinander.“

Für kurze Zeit konnte S. durchatmen. AWO-Mitarbeiterin Tanja Fees von der Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit (FOL) kam auf sie zu. In der schwierigen Lage war es für S. eine große Unterstützung, Hilfe an ihrer Seite zu wissen. „Und so liebe Hilfe“, sagt sie und lächelt. Auftrieb gab ihr auch, die bewilligte Hilfe vom Jobcenter und die Zusage, die Wohnung in Planegg für ein halbes Jahr zur Zwischennutzung zu bekommen.

Seither steht ihr eine AWO-Mitarbeiterin des Unterstützten Wohnens, Constanze von Reinhardstoettner, bei. Mit ihrer Hilfe ordnet S. ihre Unterlagen, sie will sich für eine Wohnung und einen Job bewerben. Denn im März droht ihr erneut die Wohnungslosigkeit. Die AWO-Mitarbeiterinnen machen ihr Mut in dieser verzweifelten Lage: „Ich bin so froh, dass die beiden da sind.“ Ihre moralische Unterstützung hilft ihr, die nächsten Schritte zu wagen. Auch wenn es schwierig ist. Von der Wohnungssuche berichtet Constanze von Reinhardstoettner: „Auf eine Anzeige im Internet haben sich neulich für eine 20-Quadratmeter-Wohnung für 600 Euro Miete 300 Interessenten beworben.“

Leute, die Leistungen vom Amt beziehen, hätten da noch schlechtere Karten. Zu Unrecht: „Über eine Abtretungserklärung ist gesichert, dass das Jobcenter die Miete direkt an den Vermieter überweist. Trotzdem gibt es viele Vorurteile.“ Vor allem den Vorwurf: „Du bist doch selber schuld“, bekommen Betroffene zu hören.

„Obdachlosigkeit kann jeden treffen“, sagt AWO-Mitarbeiterin Tanja Fees, „ein weiteres Kind, eine Trennung, eine Krankheit – und schon kann man die hohe Miete im Großraum München nicht mehr zahlen und rutscht ab.“

S. wünscht sich eine Zukunft in Sicherheit: „Mein Traum ist, ein unbefristetes Mietverhältnis, ein Zuhause für meine Kinder.“ Sie hofft, auf mehr Glück im neuen Jahr. Und dass ein Wunder passiert und Menschen, die von ihrer Situation erfahren, bereit sind, Obdachlosen oder Leistungsempfängern eine Wohnung zu geben und – eine neue Perspektive.

Kontakt zur AWO:

Kreisverband München-Land, München, Tel. 089/ 402 87 97 18 oder 0177/ 86 339 78.

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