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Sanierungsfall: Das Kinderhaus Pfiffikus muss dringend renoviert und/oder neu gebaut werden.  

AWO und Ordinariat haben unterschiedliche Pläne

Kampf um Zukunft fürs Kinderhaus Pfiffikus

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Das Kinderhaus ist marode, darin sind sich AWO und Ordinariat einig. Nur bei der Zukunft gehen die Meinungen von Betreiber und Besitzer deutlich auseinander. 

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Angesichts des Betreuungsnotstandes im Ort müsste die Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn eigentlich über jede Kindertagesstätten-Erweiterung glücklich sein. Trotzdem hat der Bauausschuss der Kirche bezüglich des Neubaus einer Einrichtung eine Absage erteilt – vorerst.

Es geht um das Kinderhaus Pfiffikus an der Englwartinger Straße. Die Kirche hat in den 1950er Jahren die Gebäude an die Gemeinde verpachtet. Die Arbeiterwohlfahrt (AWO), die dort mittlerweile einen Kindergarten und einen Hort betreibt, will das Kinderhaus erneuern und erweitern. Doch bei der Planung hat das Erzbischöfliche Ordinariat München ein Wort mitzureden. Denn Grund und Gebäude gehören der katholischen Kirche, der Pfarrpfründestiftung Mariä Geburt. Was mit dem Bestand der Stiftung passiert, entscheidet zwar der Pfarrer – allerdings in Absprache mit der Stiftungsaufsichtbehörde, also dem Ordinariat. Und wie es aussieht, sind sich AWO und Ordinariat noch nicht einig darüber, wie ein Neubau aussehen soll.

Die AWO ist mit dem Zustand der Bestandsgebäude seit Längerem nicht mehr zufrieden. „Vor Jahren ist das Kinderhaus von der Kirche zwar renoviert worden, aber nur sehr notdürftig und oberflächlich“, sagt Max Wagmann, Vorsitzender des AWO-Kreisverbandes München-Land. Er habe den Kontakt zum Erzbischöflichen Ordinariat gesucht, um über die Zukunft des Geländes samt Kinderhaus zu sprechen.

Die AWO will beides auf Erbpacht erwerben, die alten Bauten abreißen lassen und einen Neubau verwirklichen. „Wir planen einen zweigeschossigen Neubau mit Tiefgarage. Dort wäre Platz für sechs Gruppen und mehrere Wohnungen“, erläutert Wagmann. So könne man je nach Bedarf Plätze für Krippen-, Kindergarten und Hortkinder anbieten. Eine Machbarkeitsstudie hat Wagmann schon vor drei Jahren von einem Architekten erarbeiten lassen und dem Ordinariat vorgelegt. Seitdem ringt die AWO mit dem Ordinariat um eine Entscheidung. Doch auch wenn Toni Wolf, der örtliche Pfarrer, hinter der Idee der AWO steht, das Ordinariat ist von den Plänen nicht überzeugt.

Denn die Verwaltungsbehörde des Erzbistums München und Freising hat selbst eine Planung erarbeiten lassen und für diese kürzlich bei der Gemeinde einen Antrag auf Bauvorbescheid eingereicht. Bei dem Entwurf sollte ebenfalls ein Neubau mit drei Vollgeschossen und einer Tiefgarage errichtet werden – allerdings nur im nördlichen Bereich des Grundstücks. Ein Verbindungsbau sollte den Neubau mit dem Bestand im Süden verbinden.

Doch das Bauvorhaben der Kirche fand im Bauausschuss keine Zustimmung. Nach Ansicht der Rathausverwaltung widerspricht der geplante Neubau den Festsetzungen des Bebauungsplans. So liege der Verbindungsbau vollständig außerhalb der Baugrenzen, heißt es in den Sitzungsunterlagen.

„Es ist durchaus wünschenswert, dass auf dem Gelände etwas passiert, aber die Bebauung kommt uns zu massiv vor“, fasste Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU) zusammen. Nach ihrer Ansicht wäre es von der Kirche auch sinnvoller gewesen, eine Planung vorzulegen, die den südlichen Bereich miteinbezieht. Luitgart Dittmann-Chylla (Grüne) sah es ähnlich. „Mir fehlt bei der Planung das Gesamtkonzept“, sagte sie. Andrea Hanisch (CSU) zeigte sich von der Idee, Wohnungen zu errichten, angetan, „aber nicht in diesem Ausmaß“. Mindy Konwitschny (SPD) schlug vor, dem Bauwerber entgegenzukommen, indem man ihm in Aussicht stellte, dass er im südlichen Bereich größer bauen darf, wenn das andere Gebäude kleiner wird.

Wagmann sieht die Ablehnung der Kirchen-Planung als Chance, doch die Ideen der AWO verwirklichen zu können. Nach Rücksprache mit Pfarrer Toni Wolf will er das Gespräch mit Mayer suchen und die eigene Planung bei der Gemeinde einreichen.

Wolf geht es vor allem darum, dass das Grundstück optimal verwertet wird. „Auch unter einem sozialen Gesichtspunkt“, wie er betont. So wünscht sich der Pfarrer, dass dort auf jeden Fall günstiger Wohnraum geschaffen wird. Seiner Ansicht nach liegen die Ziele des Ordinariats und der AWO gar nicht so weit auseinander. Einigkeit gebe es darüber, dass das Grundstück langfristig von der AWO gepachtet wird, und diese dafür Erbpachtzins zahlt. Und was die Pläne für die Bebauung betrifft, ist Wolf optimistisch, dass sich AWO, Gemeinde und Ordinariat noch auf einen gemeinsamen Nenner verständigen können.  

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