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Weder Fußverletzung noch Feuerwehr-Alarm können SPD-Bürgermeisterkandidatin stoppen

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Von: Stefan Weinzierl

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Bereit für den Wahlkampf in Höhenkirchen-Siegertsbrunn: Bürgermeisterkandidatin Mindy Konwitschny (Mitte) mit SPD-Fraktionschefin Anita Reiprich und Altbürgermeister Rudolf Meiler.
Bereit für den Wahlkampf: Bürgermeisterkandidatin Mindy Konwitschny (Mitte) mit SPD-Fraktionschefin Anita Reiprich und Altbürgermeister Rudolf Meiler. © MSC

SPD-Bürgermeisterkandidatin Mindy Konwitschny kann einiges wegstecken. Das hat sie auch am Abend ihrer Wahl in Höhenkirchen-Siegertsbrunn bewiesen.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Dass Mindy Konwitschny am Morgen in eine Scherbe getreten ist und sie aufgrund der Wunde nur in Sandalen auftreten kann, kommentiert sie trocken: „Ich bin hart im Nehmen.“ Dass gerade, als sie vor rund 50 Anhängern und Interessierten die Aufstellungskonferenz des SPD-Ortsvereins im „Feuer & Stein“ eröffnen will, die Rathaus-Sirene wegen eines Feuerwehreinsatzes alles übertönt – nimmt die SPD-Ortschefin ebenso gelassen zur Kenntnis. Ja, Konwitschny gewinnt der Störung sogar eine gute Seite ab: Eine Genossin, die etwas zu spät gekommen ist, verpasst nun ihre Rede nicht.

Es scheint, als könne die Zweite Bürgermeisterin, die bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr endlich den Chefsessel im Rathaus erobern will, nichts aus der Ruhe bringen. Angesichts einer Partei am Abgrund, die von einer Wahlpleite zur nächsten taumelt, sicher keine schlechte Eigenschaft.

Selbst als Wahlleiter Thomas Kaiser das ordentliche, aber keinesfalls überragende Wahlergebnis verkündet – bei zwei Enthaltungen und einer Nein-Stimme sprechen sich 17 SPD-Mitglieder für Konwitschny als Bürgermeisterkandidatin aus –, versprüht sie Optimismus. „Mit 100-Prozent-Quoten hat die SPD in letzter Zeit nicht die beste Erfahrung gemacht“, bemerkt die 46-Jährige in Anspielung auf den rasanten Aufstieg und tiefen Fall des einstigen sozialdemokratischen Hoffnungsträgers Martin Schulz, der mit 100 Prozent Zustimmung zum SPD-Parteichef gewählt worden war. Ihr, betont sie im nächsten Augenblick, würde bei der Bürgermeisterwahl schon ein Ergebnis von 51 Prozent reichen.

Im Überblick: Kommunalwahl 2020 – Das sind die Parteien und Kandidaten im Landkreis München

SPD-Kandidatin aus Höhenkirchen: Ihr Vater baute Atomkraftwerke

Eines wird an diesem Abend deutlich: Die gebürtige Niederländerin, die lange Jahre in der Schweiz gelebt hat und der Liebe wegen nach Oberbayern gezogen ist, will es wissen. Aus dem Wahlabend macht sie eine One-Woman-Show, zu Wort kommt ausschließlich sie selbst. Ihre detailreiche Bewerbung untermalt sie mit vielen persönlichen Fotos. Offen erzählt sie vom Vater, der Atomkraftwerke gebaut hat, vom Neid, als der Bruder bei der Einbürgerung in die Schweiz ein Mofa bekommen hat, und ihren Problemen, den Namen ihres Mannes, mit dem sie vier Kinder groß gezogen hat, anzunehmen.

Geprägt hätten sie nicht nur die vielen Umzüge, durch die sie neue Menschen, Sprachen, Länder und Kulturen kennenlernte, sondern auch die Liebe zum Sport – sei es das Segeln, Volleyballspielen, Skifahren oder Langlaufen. Dort habe sie Zusammenhalt erfahren, zudem das Kämpfen, den Umgang mit Niederlagen und Respekt vor dem Gegner gelernt.

Nicht nur diese Eigenschaften, auch ihr beruflicher Werdegang qualifizieren sie ihrer Ansicht nach fürs Bürgermeisteramt. Studiert hat sie erst Psychologie, später auch soziale Verhaltenswissenschaften und VWL. Bei ihrer Arbeit für die AWO, sei es als Leiterin der Seniorenbegegnungsstätte Kaiserstiftung in Riemerling oder als geschäftsführender Vorstand der Wohnbau-Genossenschaft, trägt sie nicht nur Verantwortung fürs Personal, sondern auch für jede Menge Geld. Als Zweite Bürgermeisterin hat sie zudem über Tage, Wochen und gar Monate vertretungsweise die Verantwortung im Rathaus übernommen. „Ich habe das Rüstzeug“, meint sie daher selbstbewusst.

Bürgermeisterkandidatin will für bezahlbaren Wohnraum und Familienzentrum kämpfen

Zwar soll das Wahlprogramm unter Beteiligung der Bürger erst noch ausgearbeitet werden, ein paar Schwerpunkte nennt Konwitschny zum Schluss aber doch: Sie will die Kinderbetreuung optimieren, durch ein Radwegkonzept und Nahwärmenetze die Bürger zu mehr Umweltbewusstsein animieren. Bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, ist ihr ebenso wichtig wie der fürs Gewerbe unabdingbare Ausbau des Breitbandnetzes, der Bau eines Familienzentrums und die Unterstützung der Vereine. Dass auch sie im Wahlkampf Unterstützung braucht, ist Konwitschny natürlich klar. Deshalb bittet sie am Ende alle anwesenden Genossen um Hilfe: „Wir werden alle zusammenhalten müssen.“

Konwitschnys Mitbewerber von den Grünen ist bereits nominiert: Joschka Fischer fand er klasse.

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