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Den Fragen des Publikums und des Moderators und Merkur-Redakteurs Stefan Weinzierl (Mitte) stellten sich die vier Bürgermeisterkandidaten (v.l.) Roland Spingler. Mindy Konwitschny, Andrea Hanisch und Karsten Voges.

Kommunalwahl 2020

Bürgermeisterkandidaten in Höhenkirchen-Siegertsbrunn wollen mit Themen punkten statt mit Attacken

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„Wegen Überfüllung geschlossen“, heißt es schon eine halbe Stunde vor Beginn im „Feuer & Stein“. Frauen, Männer, Jüngere, Ältere wollen die vier Kandidaten erleben, die am 15. März den Chefposten im Rathaus Höhenkirchen-Siegertsbrunn erobern wollen. Gut 250 Menschen verfolgen die lebhafte Podiumsrunde von VHS und Münchner Merkur.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn– Vor der Saaltür wird gestanden. „Wir haben nicht mit dieser Nachfrage gerechnet“, sagt Christoph Schulz von der VHS. Merkur-Redakteur Stefan Weinzierl, der den Abend moderiert, begrüßt Andrea Hanisch (parteilos UB), Mindy Konwitschny (SPD), Roland Spingler (CSU) und Karsten Voges (Grüne). Sie alle bewerben sich am 15. März ums Bürgermeisteramt und bitten die Zuhörer um ihre Stimme. Ursula Mayer (CSU), die scheidende Bürgermeisterin, wurde übrigens im Publikum nicht gesichtet.

Inhaltlich liegen alle vier eng beieinander

Die vier Kandidaten stellen sich den Fragen, die Höhenkirchen-Siegertsbrunn bewegen. Sie beziehen nacheinander zu jeder Publikumsfrage Stellung. Zwei Minuten, so die Spielregel, wer länger redet, wird von einem lauten Gong unterbrochen. Ob es um bessere Bedingungen für Radfahrer und Fußgänger, den sensiblen Umgang mit dem Muna-Gelände oder die Unterstützung für das Naturbad geht: Inhaltlich liegen alle Vier eng beieinander, vor allem Hanisch und Spingler. Unmut spürt man deutlich beim Thema Grundschule: Dass acht Klassenzimmer fehlen und Kinder im Keller unter der Turnhalle lernen sollen, das ist für viele Bürger im Saal ein Unding. Konwitschny kündigt eine schnelle Container-Lösung an, für die auch Spingler eintritt.

Wer macht am Ende die beste Figur?

Sogar die Tieferlegung der S7 in einen Trog scheint auf einmal Konsens zu sein. Der Defizitausgleich für das Seniorenzentrum sowieso. So bleibt die Frage: Wer macht die beste Figur? Wen kann man sich in der Rolle der Bürgermeisterin oder des Bürgermeisters gut vorstellen?

Konwitschny wirkt entschlossen

Zupackend wirkt Konwitschny, die 46-Jährige kommt in der kurzen Redezeit am schnellsten zum Punkt. Die Zweite Bürgermeisterin verkündet: „Ich will die Gemeinde nach vorne bringen.“ Sie wirkt entschlossen: „Ich würde die Verantwortung gerne tragen.“ Das Familienzentrum will sie sofort angehen: „Es liegt im Herzen der Gemeinde, und es wird das Herz der Gemeinde.“ Sie verwendet mehr Redezeit als ihre Konkurrenten auf die Ortsumgehung: „Es ist wichtig, dass wir die Umfahrung bekommen oder besser gesagt im Norden abschließen.“

Hanisch: Erfahrung in allen Themen

Mit Erfahrung in allen Themen überzeugt Hanisch, die sich als passionierte Radfahrerin vorstellt – was man der Dame im engen, schwarzen Rock zunächst vielleicht nicht angesehen hätte. Die 60-Jährige steht für einen „neuen Stil im Rathaus“ und für Bürgerbeteiligung. „Ich will nicht die Meisterin der Bürger sein, sondern Ideengeberin, Moderatorin und Brückenbauerin.“ Energisch kündigt sie an, möglichst schnell Fördergelder zur Tieferlegung der S7 zu beantragen. „Es sind viele Milliarden eingestellt worden. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“

Spingler blüht beim Thema Finanzen auf

Zurückhaltender wirkt Spingler. Der Jurist und Volkswirt, der für die Kreissparkasse München-Starnberg-Ebersberg tätig ist, blüht erst beim Thema Finanzen so richtig auf und liefert das Zitat des Abends. Auf die Frage vom Keisobmann der Landwirte, Anton Stürzer, wie man denn all die Anliegen der Bürger finanzieren wolle, wo die Gemeinde bei der Gewerbesteuer auf dem viertletzten Platz im Landkreis rangiert, antwortet Spingler: „Wir haben kein Wappentier. Wenn wir eins hätten, könnte es nur das Känguru sein: Große Sprünge mit leerem Beutel.“ Er plädiert dafür, mittelständische Betriebe anzuwerben und die Stelle eines Wirtschaftsförderer zu schaffen.

Voges will Tempo 30 innerorts

Als einziger plädiert Voges für Tempo 30 auf den Kreisstraßen innerorts. „30 ist Spitze! Wir haben alle mehr davon, wenn es langsamer zugeht.“ Er wirbt zudem für einen „autonomen Ortsbus“ und für eine Tagespflege, die ans Seniorenzentrum angegliedert wird. Der smarte 40-Jährige bleibt aber etwas blass. Allerdings kauft man dem Informatiker mit eigener Firma am Ort sein Plädoyer für schnelles Internet sofort ab: „Als Unternehmer weiß ich, wir müssen den Breitbandausbau beschleunigen.“

Kontroversen gibt es an diesem Abend wenig, Attacken noch viel weniger. Nur beim Naturbad zeigen sich klare Unterschiede. Spingler ist der Meinung, dass der Naturbadverein die Finanzierung selbst stemmen soll, während seine Mitbewerber eine Anschubfinanzierung der Gemeinde in Aussicht stellen.

Kommunalwahl im Überblick

Die Bürgermeisterkandidaten aller Gemeinden aus dem Landkreis München, haben wir für Sie in unserem Überblicksartikel zu den Kommunalwahlen 2020 aufgelistet. Zudem können Sie sich in unserem Artikel zu den Landratswahlen über die dort antretenden Kandidaten informieren. Alle weiteren Hintergrundberichte finden sie auch auf unserer Themenseite zu den Kommunalwahlen 2020 im Landkreis München.

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