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„Haben a bisserl an Fetisch dafür“: Oberbayern gründen Lederhosen-Start-Up - und stoßen auf Marktlücke

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Von: Stefan Weinzierl

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Stoßen an auf ihren Lederhosen-Laden: (v.l.) Alexander Götzner, Christoph Schulz und Simon Werner - die Lederhosen Junkies aus Siegertsbrunn
Stoßen an auf ihren Lederhosen-Laden: (v.l.) Alexander Götzner, Christoph Schulz und Simon Werner. © Lederhosen Junkies

Drei Jungunternehmer kreieren für die Kunden ganz individuelle Modelle: Die Lederhosen Junkies Alexander Götzner, Christoph Schulz und Simon Werner aus Siegertsbrunn.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Eine Lederhose für besonders feste Oberschenkel? Lässt sich machen. Eine Hirschlederne, auf der groß das Firmenwappen prangt? Wird erledigt. Vielleicht eine mit extra Tasche fürs Handy oder die Taschenuhr? Kein Problem. Bei den „Lederhosen Junkies“ in Siegertsbrunn werden fast alle Wünsche erfüllt. Denn die Jungunternehmer Alexander Götzner (31), Simon Werner (29) und Christoph Schulz (33) bieten keine Ware von der Stange an. „Bei uns bekommt jeder seine Lederhosen genauso, wie er sie sich vorgestellt hat“, sagt Schulz.

Lederhosen Junkies aus Siegertsbrunn: „Haben a bisserl an Fetisch für Lederhosen“

Im kleinen Laden an der Bahnhofstraße in Siegertsbrunn hängen über ein Dutzend Lederhosen an der Wand. Keine ist wie die andere. Die eine Hirschlederne ist grau, die nächste schwarz. Es gibt helle und dunkle Hosen, eine ist nur gegerbt ohne Färbung. Auch die Knöpfe, Stickmuster und -farben sind ganz unterschiedlich. Auf der einen Lederhosen prangen lindgrüne Blätter samt Rehen als Verzierung, auf der anderen ist das Muster farblich so dezent gehalten, das man es kaum erkennen kann.

Elf der Ausstellungsstücke gehören Simon Werner. „Wir haben a bisserl an Fetisch für Lederhosen“, sagt er über sich und seinen Spezl Götzner und lacht dabei. Insgesamt 21 Hirschlederne nennt Werner sein Eigen, Götzner hat nur unwesentlich weniger. „Und ich trage sie alle“, betont Werner. „Ich wechsel’ die Hosen durch – und entscheide nach Tagesform.“

Neben ihren Berufen noch ihr eigenes Lederhosen-Start-up gegründet

Da braucht man nicht mehr groß zu fragen, warum die beiden neben ihren Berufen noch ihr eigenes Lederhosen-Start-up gegründet haben, und das auch noch während der Pandemie Anfang 2021. „Wir haben einfach Lust darauf gehabt“, sagt der 29-Jährige. Das Risiko, dass ohne Volksfeste und mit starken Einschränkungen bei Familienfeiern auch die Nachfrage nach Lederhosen stagniert, sei ihnen bewusst gewesen. Der Erfolg gibt ihnen aber recht. Erst haben sie die Hirschledernen an Freunde und Bekannte verkauft, vor allem über Mundpropaganda wurde der Kundenkreis deutlich erweitert.

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Mit ihren maßgeschneiderten Lederhosen-Unikaten sind sie jedenfalls in eine Marktlücke gestoßen. Sie verkaufen jedem Kunden genau die Hose, die er sich vorstellt. „Es gibt extrem viele Anbieter, auch für maßgeschneiderte Hosen“, sagt Schulz, der ein paar Monate später zum Unternehmen gestoßen ist und sich ums Marketing und den Verkauf kümmert, „aber die haben im Grund immer das gleiche Modell mit ein paar Varianten. Bei uns bekommt man alleine schon durch die Auswahl beim Leder zahlreiche Variationen.“

Lederhosen Junkies: Alle Modelle aus sämisch gegerbtem Hirschleder

Dabei bietet das Trio nur ein Grundprodukt an: sämisch gegerbtes Hirschleder. „Das ist weicher, atmungsaktiver und strapazierfähiger als Leder von anderen Tieren“, erklärt Werner. „Und am bequemsten zu tragen“, ergänzt Schulz. Das war’s dann aber auch schon mit dem Einerlei. Jetzt kann man auswählen, ob man lieber ein Leder mit Lederfehlern von den Lebensspuren des Tieres hat oder lieber klassisch fein, die Farbauswahl reicht von Natur bis Schwarz. 15 verschiedene Lederfarben gibt es – und über 250 Stickfarben.

So gut wie keine Grenzen gibt es bei der Auswahl des Stickmusters. Die „Lederhosen Junkies“ bieten den Kunden mehrere Vorlagen an, die meisten bringen aber eigene Motivwünsche mit. So wie ein Kunde, der laut Schulz lange Zeit in Indien gelebt hat und deshalb neben seinen Initialen auch zwei große lilafarbene Elefanten mit goldenen Kronen auf den Häuptern auf die Lederhosen gestickt haben wollte. „Ein anderer Kunde wollte Schillinge als Knöpfe haben“, erzählt Werner. „Die Münzen hat er selbst mitgebracht, wir haben sie beim Goldschmied hier im Ort umarbeiten lassen.“ Ausgefallen, erzählen die beiden, sei auch der Wunsch eines Kunden gewesen, der eine Innentasche im Latz der Lederhose haben wollte. „Für was, wissen wir nicht“, sagt Werner.

Lederhosen Junkies: Zwischen 1200 und 1600 Euro brutto kosten die Lederhosen

So viel Individualismus ist natürlich aufwendig – und hat seinen Preis. Zwischen 1200 und 1600 Euro brutto kosten die Lederhosen, die die Junkies anbieten. Je nachdem, ob die Hosen mit der Maschine oder per Hand gestickt werden, muss man mit einer Lieferzeit zwischen drei und zwölf Monaten rechnen. Das alles nehmen die Kunden in Kauf, sagt Schulz: „Meistens ist es doch so, dass die Leute ein oder zwei Lederhosen haben – und diese dann ein Leben lang tragen. Da wollen sie dann auch etwas Besonderes – und das ist es ihnen wert.“

Die Partner, mit denen das Trio zusammenarbeitet, kommen von der Verarbeitung bis zur Herstellung aus Süddeutschland. „Wir versuchen, so regional zu bleiben, wie es in der Branche eben geht“, sagt Werner. Das Leder beziehen sie aus Polen. „Dort sind die Hirsche größer“, erklärt Schulz.

Ihr Sortiment haben sie kontinuierlich erweitert. In ihrem Laden bieten sie mittlerweile auch Schuhe, Strümpfe, T-Shirts, Gürtel, Pflegeprodukte und handgefertigte Messer an. Auf absehbare Zeit soll es zudem Hemden und maßgeschneiderte Westen geben. Mit einer Westenmacherin in Lenggries laufen gerade die Verhandlungen. Das freut den Lederhosen-Süchtigen Werner: „Dann haben wir außer Hüte eigentlich alles, was zu einer Tracht dazugehört.“

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