Die Oper Carmen in Höhenkirchen-Siegertsbrunn
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Die Oper Carmen in Höhenkirchen-Siegertsbrunn
Tenor Jürgen Geißler (73), Tenor Erich Sepp (73) und Bass Georg Hammer (72) kurz vor der Aufführung.
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Tenor Jürgen Geißler (73), Tenor Erich Sepp (73) und Bass Georg Hammer (72) kurz vor der Aufführung.
Regisseurin Barbara Schöne
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Regisseurin Barbara Schöne
Voll besetzte Mehrzweckhalle
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Voll besetzte Mehrzweckhalle
Lange Schlange vor dem Einlass.
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Lange Schlange vor dem Einlass.

Leonhardi-Ensemble Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Oper Carmen: Freizügige Femme fatale in Lederleggings

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1100 Zuschauer sahen „Carmen“ - als sehr moderne Oper, die politische Debatten und Freizügigkeit nicht scheut. Mit Netzstrümpfen und viel Haut.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Mit der Aufführung der Oper „Carmen“ von Georges Bizet hat das Leonhardi-Ensemble seine Zielvorgabe klar erfüllt: etwas Neues und Besonderes zeigen. Hochprofessionelle Solisten mit einem Chor, der zum ersten Mal auch schauspielern musste sowie Orchester-Musiker, die mit mitreißender Spielfreude die ganze Leidenschaft und Theatralik des Stückes widerspiegelten.

Die Mehrzweckhalle hatte solch einen Jubel und Beifall noch nicht erlebt: Applaus ohne Ende, Bravo-Rufe, lautes Fußgetrappel. Sechs Vorhänge hätte es für die Akteure auf der Bühne eines Opernhauses gegeben. In der Mehrzweckhalle, die an beiden Aufführungstagen mit insgesamt 1100 verkauften Karten voll ausgebucht war, mussten es unzählige Verbeugungen tun.

Exzessive erotische Spannung

Die Geschichte der Begegnung von Carmen und Don José ist banal wie existenziell: exzessive erotische Spannung, eine Liebe, die zum Verhängnis wird und beide in den Tod reißt. Sobald der Soldat Don José der Zigeunerin Carmen bedingungslos verfallen ist, verliert sie das Interesse an ihm und wendet sich einem neuen Liebhaber, dem Stierkämpfer Escamillo, zu. Carmen ist die berühmteste Femme fatale der Operngeschichte, die am Ende ihrer eigenen Leidenschaft zum Opfer fällt.

Wie so viele klassische Meisterwerke erwies sich auch „Carmen“ als offenes Kunstwerk, das mit der szenischen Interpretation von Barbara Schöne neu geschrieben wurde. Die Regisseurin, extra für diese Aufführung engagiert, hat das Problem der Macht und Hierarchien zwischen Mann und Frau sensibel aufgegriffen in Zeiten von #metoo. „Ist es auch heute noch verwerflich, wenn eine Frau sich nimmt, was sie möchte? Reagieren wir auf Fremdartigkeit damit, indem wir diesen Störfaktor beseitigen?“, hinterfragte Schöne.

Carmen lässt Hüften kreisen

Eben diese moderne Carmen hat sie nach Höhenkirchen gebracht: Solgerd Isalv mit ihrem voluminösen Mezzosopran posiert als Hauptdarstellerin mit Victory-Zeichen und lässt frivol die Hüften kreisen, barfüßig in schwarzen Leggins und freizügigem Glitzertop. Mit einem wunderbar weich ausgestatteten Bariton Escamillo (Daniel Weiler) in durchsichtigem Netz-T-Shirt, Don José mit schön geführten Tenor (Stefano Hwang) in beigem Trenchcoat. Das Bühnenbild minimalistisch bis nicht existent, bis auf paar wenige Bistro-Stühle und einem roten von der Decke abhängenden schmalen Vorhang.

„Das Stück war für uns natürlich eine Herausforderung“, sagt Bass Georg Hammer (72). „Wir können singen, schließlich haben wir seit September intensiv geprobt. Aber nun mussten wir auch schauspielern, sind Teil der Inszenierung. Das war wirklich etwas Neues.“ Einige weibliche Chor-Mitglieder hätten sich schon auch daran gewöhnen müssen, nicht wie sonst üblich im Abendkleid vor dem Publikum aufzutreten, sondern in Netzstrümpfen, hohen Lackschuhen, Corsage und mit langer Zigarettenspitze. „Und wir mussten sie dann entsprechend anhimmeln und um sie herumscharwenzeln, das war am Anfang lustig“, sagt Hammer. Dass sie trotz der burlesquen Züge zu keiner Zeit kitschig wirkten, darf die Laien-Akteure des Chores mit Stolz erfüllen.

Viele lokale Kräfte

Für Dirigent Thomas Baron ist ein großer Traum, eine Oper aufführen zu dürfen, in Erfüllung gegangen. Er führte sein Orchester wohldosiert durchs Stück. Schon mit der Ouvertüre bewies er, dass er seine Musiker im Griff hat und nicht in einem Affentempo am Pult die Oper eröffnete. Zwei Jahre lang wurde vorab organisiert, viele örtliche Kräfte waren eingebunden. Vereinssprecherin Michaela Sepp sagt stolz: „Somit ist es ein richtiges Lokalprojekt geworden.“

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