Mindy Konwitschny, Bürgermeisterin von Höhenkirchen-Siegertsbrunn, sitzt auf dem Balkon ihres Amtszimmers vor einem Laptop.
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So lässt es sich arbeiten: Bürgermeisterin Mindy Konwitschny zieht es bei schönem Wetter zum Arbeiten auf den Balkon ihres Amtszimmers. Dafür hat sie extra einen kleinen Tisch und zwei Stühle angeschafft.

Fleiß und Disziplin

Bürgermeisterin Mindy Konwitschny 100 Tage im Amt

  • Stefan Weinzierl
    vonStefan Weinzierl
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Erst vor wenigen Tagen hat Mindy Konwitschny (SPD) Lob von unerwarteter Seite erhalten. Ausgerechnet von Otto Bußjäger von den Unabhängigen Bürgern, der ansonsten gerne kleinere Scharmützel mit ihr austrägt.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn Otto Bußjäger nutzte die letzte Sitzung des Gemeinderates vor der Sommerpause, um der neuen Bürgermeisterin samt Rathausverwaltung Danke zu sagen. „Wir sind sicher nicht immer politisch die besten Freunde“, gab Bußjäger zu, um dann Konwitschnys Engagement in aller Öffentlichkeit zu würdigen. Sie baue den Stau an Entscheidungen der vergangenen Monate zügig ab, befand Bußjäger anerkennend. Konwitschny gab das Lob, wohlwissend, von wem es kam, postwendend zurück. Ohne das Engagement und die konstruktive Mitarbeit des Gemeinderats sei das nicht möglich, betonte sie.

Fleißnote: Eins mit Stern

Dabei weiß die 47-Jährige durchaus, was sie in den ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit geleistet hat. „Was den Fleiß anbetrifft, würde ich mir schon eine Eins geben“, sagt sie. „Ich bin hochmotiviert und zeige viel Einsatz.“

Dabei geht es nicht nur um die 92 öffentlichen und 45 nicht-öffentlichen Tagesordnungspunkte, die sie zuletzt mit dem Gemeinderat und dessen Ausschüssen nach der zweimonatigen Corona bedingten Sitzungspause abgearbeitet hat. Richtig reingehängt hat sie sich auch, um die größte Herausforderung der vergangenen drei Monate zu meistern: den Personalmangel im Rathaus.

Nachfolgerin von Ursula Mayer

Als Konwitschny im Mai die Nachfolge der langjährigen Rathauschefin Ursula Mayer (CSU) antrat, waren acht Stellen in der Gemeindeverwaltung unbesetzt, darunter Schlüsselpositionen wie die Bauamtsleitung und die Geschäftsführung. „Die Personalsuche hatte für mich oberste Priorität“, sagt Konwitschny. Denn wenn Stellen unbesetzt seien, wirke sich das nicht nur auf die anderen Mitarbeiter aus, sondern auch auf die Bürger. „Projekte dauern länger, die Öffnungszeiten im Rathaus müssen reduziert werden“, nennt die Rathauschefin zwei Beispiele.

Vakante Stellen in der Verwaltung wieder besetzt

Deshalb ist Konwitschny froh, dass die meisten Stellen mittlerweile vergeben sind. So hat mit Nina Schierlinger zum 1. August eine neue Geschäfts- und Hauptamtsleiterin angefangen, selbst die Stellvertreter-Stelle der Leitung im Gemeindekindergarten konnte besetzt werden. „Jetzt suchen wir noch einen Kassenwart und eine Leitung fürs Bauamt“, erzählt die Rathauschefin. Neben den Personalfragen wurde aber auch vieles andere erreicht, erzählt Konwitschny. Beispielsweise ein Pool fürs Kindertagesstätten-Personal angestoßen, die Vergabe der neuen Gemeindewohnungen abgeschlossen, die Öffnung weiterer Großtagespflegen unter Dach und Fach gebracht sowie die Online-Bürger-Veranstaltung zum Thema Windkraft angeboten.

Fülle an Aufgaben erfordert Disziplin

Die Fülle an Aufgaben erfordert Disziplin. Spätestens um 8 Uhr betritt Konwitschny jeden Tag das Rathaus. Dort greift sie sofort zum Kaffee und zur Post. Nachdem auch der E-Mail-Eingang gesichtet wurde, verteilt die Rathauschefin die Aufgaben. Dafür dreht sie eine Runde durchs Rathaus, bespricht mit jedem Mitarbeiter, was ansteht. „Mir ist das persönliche Gespräch wichtig“, sagt sie, „ich nehme mir lieber einmal richtig Zeit, und dann läuft es.“

Danach heißt es Rechnungen freigeben und Projekte weiter zu verfolgen. Daneben muss Korrespondenz aufgesetzt werden. „Anfangs haben die Personal- und Einstellungsgespräche viel Zeit gekostet“, sagt Konwitschny. Aufs Minimum reduziert waren bisher repräsentative Auftritte – aufgrund der Pandemie. Das bedauert Konwitschny, „weil sich da die Gelegenheit bietet, mit Bürgern ins Gespräch zu kommen“.

Erfolg gibt Kraft und Motivation

Bei so vielen Aufgaben haben sich ihre Arbeitstage in den ersten Wochen schon bis spät in den Abend gezogen. „Mittlerweile komme ich auch mal um 20 Uhr nach Hause“, sagte sie und lacht. Großen Stress verspürt sie dennoch nicht. „Es geht vieles vorwärts, das gibt Kraft und Motivation.“

Als Ausgleich in die Natur

Die wenige Zeit, die ihr zum Ausspannen bleibt, verbringt sie viel in der Natur – bei längeren Spaziergängen oder Radausflügen an die Isar. Weil Konwitschny schon als Zweite Bürgermeisterin die Amtsgeschäfte im Rathaus über Wochen führte, wusste ihre Familie im Voraus, was auf sie zukommt. „Mein Mann und meine Töchter können damit sehr gut umgehen“, sagt sie. Von ihren erwachsenen Kindern erhält sie sogar besondere Unterstützung. „Sie bekochen mich. Und mindestens eine Mahlzeit am Tag nehmen wir als Familie gemeinsam ein.“

Lesen Sie auch: So geht es Konwitschnys Amtskollegen Andreas Janson aus Feldkirchen nach 100 Tagen.

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