Schülerin Melissa sitzt in einem Bagger der Endlich Garten- und Landschaftsbau GmbH aus Aying und wird von einem Mitarbeiter betreut.
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Aller Anfang ist schwer: Schülerin Melissa darf auf dem Gelände der Erich-Kästner-Schule in Höhenkirchen einen kleinen Bagger lenken.

Mittelschüler der Erich-Kästner-Schule lernen bei Beet-Projekt Beruf in der Praxis kennen

Landschaftsgärtner für eine Stunde

  • Stefan Weinzierl
    vonStefan Weinzierl
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Die Berufsmesse an der Erich-Kästner-Grund- und Mittelschule ist heuer der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. Reinschnuppern in einzelne Handwerksberufe können die Mittelschüler aber trotzdem - dank Berufseinstiegsbegleiter Claus Brockmann. Er holt einzelne Unternehmen aufs Schulgelände, die ihren Berufsalltag in der Praxis zeigen.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Melissa hält den Schaltknüppel des kleinen Baggers fest umklammert. Konzentriert richtet sich ihr Blick nach vorne hin zur Baggerschaufel. Die Schaufel soll sie unter Anleitung so bewegen, dass sie damit einen im Gras liegenden Pflasterstein anheben kann. „Das ist gar nicht so einfach“, murmelt die 15-Jährige, die immer wieder die Schaufelbewegungen korrigieren muss, um letztlich ihr Ziel zu erreichen.

Für die Schülerin der Erich-Kästner-Grund- und Mittelschule in Höhenkirchen ist die Arbeit mit dem schweren Gerät eine ungewöhnliche Herausforderung an diesem Morgen, sitzt sie doch sonst um diese Uhrzeit im Klassenzimmer und brütet über Rechenaufgaben oder lernt neue Englisch-Vokabeln. Doch der Schulabschluss ist für die Neuntklässlerin absehbar. Und damit stellt sich auch für sie die Frage: Was kommt nach der Schulzeit?

Berufsmesse fiel der Pandemie zum Opfer

Deshalb hat Melissa ebenso wie über ein Dutzend weiterer Schülerinnen und Schüler aus den 7., 8. und 9. Klassen das Angebot von Berufseinstiegsbegleiter Claus Brockmann angenommen und schnuppert für rund 60 Minuten in den Beruf des Landschaftsgärtners rein. Brockmann ist Mitarbeiter der Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft gGmbH (bfz) und hat in den vergangenen Jahren die Berufsmesse an der Erich-Kästner-Schule mit verantwortet. „Die ist heuer der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen“, sagt der 54-jährige Sozialpädagoge. Stattdessen hat er für die Schüler nun Unternehmen aus der Region organisiert, die auf dem Schulgelände ihren Berufsalltag in der Praxis zeigen. Eine bessere Möglichkeit, ein Handwerk kennenzulernen, gibt es nach Ansicht des bfz-Mitarbeiters nicht. „Flyer lesen und Videos über Berufe anschauen, das ist alles schön und gut“, meint er, „aber selbst mitzuarbeiten, diese Erfahrung ist für die Schüler intensiver und nachhaltiger.“

So sieht es auch Verena Eschig, Ausbildungsleiterin der Endlich Garten- und Landschaftsbau GmbH aus Aying. Die Firma ist als erstes der Einladung aufs Schulgelände gefolgt. „Es ist eine schöne Idee, unseren Beruf den Jugendlichen so näher zu bringen“, findet die 30-Jährige, die gerade Kimoya (15) und der um ein Jahr jüngeren Antonia erklärt, wie man Bodenplatten und Pflastersteine verlegt. Ein paar Meter weiter pflanzen Adrian (14) und Elias (15) mit fachlicher Unterstützung Erdbeerstauden. Zudem gibt es eine Vermessungsstation für die Schüler. „Die Idee des Projekts ist es, das klassische Bild des Landschaftsgärtners in möglichst ganzer Bandbreite abzubilden“, sagt Brockmann. Positiver Nebeneffekt: Die Schule bekommt kostenlos ein insektenfreundliches Stauden-Beet.

Unternehmen hoffen auf Auszubildende

Der Aufwand lohnt sich aber auch für ihre Firma, sagt Eschig. Denn es gilt, den potenziellen Nachwuchs bei der Stange zu halten. Zwar suchten seit Jahren mehr und mehr Jugendliche Berufe, bei denen sie im Freien arbeiten können, sagt die Landschaftsgärtnerin, doch die zum Teil schwere Arbeit schrecke viele auch ab. Momentan seien alle Lehrstellen im Unternehmen besetzt, auch fürs nächste Ausbildungsjahr habe man bereits Bewerbungen, so Eschig: „Aber es ist immer Luft nach oben.“

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