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Trauen den S-Bahn-Verantwortlichen nicht: Nortrud Semmler von der Initiative S7Ost-plus und die Vize-Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche, flankiert von den unabhängigen Verkehrsplanern Dietz-Ulrich Schwarz und Thomas Kantke (v.li).

Wahlversprechen der Staatsregierung

S-Bahn: 20-Minuten-Takt im Landkreis erst 2021 - Bürgerinitiative mit interessantem Vorschlag

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  • Andreas Sachse
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Es fehlt angeblich an Fahrern, Zügen und nun auch noch am Geld: Der Ärger über die Verzögerung beim 20-Minuten-Takt richtet sich gegen die S-Bahn und die Staatsregierung.

Landkreis– Mit dem erhofften 20-Minuten-Takt auf den S-Bahn-Linien S 3 und S 7 wird es wohl nichts – jedenfalls nicht vor 2021. Zu wenige Züge und Fahrer gebe es dafür, das habe die S-Bahn dem Landrat mitgeteilt – berichtete dieser wiederum gestern im Verkehrsausschuss. Speziell für die S 3 zwischen Deisenhofen und Holzkirchen (Kreis Miesbach) sieht es noch düsterer aus: Eine Taktverdichtung wenigstens bis nach Sauerlach sei derzeit nicht absehbar. Erst wenn die 2. Stammstrecke in Betrieb geht. Geplant ist das 2026.

Bisher fährt die S 3 zwischen Deisenhofen und Holzkirchen abgesehen von der Hauptverkehrszeit zwei Mal die Stunde im wechselnden Abstand von 20 und 40 Minuten, ebenso die S 7 zwischen Höllriegelskreuth und Wolfratshausen. Mauer sieht es auf dem Ost-Ast der S 7 aus: Dort gilt von Höhenkirchen-Siegertsbrunn bis Aying auch zu Stoßzeiten ein 20/40-Minuten-Takt und von dort bis zur Endstation Kreuzstraße sogar nur ein 60-Minuten-Takt.

Dass sich daran offenbar so schnell nichts ändert, ärgert Pendler und Landkreis-Politiker. Der Landtag habe die von Markus Söder versprochenen 15 Millionen Euro für die Taktverbesserung gar nicht im Haushalt eingeplant, kritisierte Vize-Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche (SPD): „Wir nehmen die Wahlkampfaussagen beim Wort.“ Ähnlich sieht es auch Landrat Göbel, der sich in der gestrigen Sitzung des Verkehrsausschusses laut über die Verzögerung ärgerte und mahnte, den zweigleisigen Ausbau auf der Strecke Aying–Großhelfendorf voranzutreiben: „Es wäre unsäglich, wenn das nicht eingehalten wird. Wir haben eine klare Zusage.“

Einstimmig untermauerte der Verkehrsausschuss auf SPD-Antrag hin die Forderung an die Staatsregierung nach zügigem Ausbau und Taktverdichtung. „Die MVV-Tarifreform wäre ohne diese 15-Millionen-Zusage nicht zustimmungsfähig gewesen“, konstatierte der Grünen-Verkehrsexperte Christoph Nadler. Uneinigkeit herrscht nur bei der Schuldfrage: Während die CSU eher die Bahn ins Visier nimmt, üben SPD und Grüne harsche Kritik an der Staatsregierung.

Wären sogar mehr Fahrten mit weniger Zügen möglich?

Derweil wachsen Ungeduld und Frust bei denen, die sich auf Bürgerseite für mehr Züge auf den Außenästen einsetzen. Den Mangel an Fahrern und S-Bahnen hält Nortrud Semmler von der Initiative S7Ost-plus für vorgeschoben. „Selbst wenn es stimmt, dass es insgesamt nicht genügend Zuggarnituren gibt, trifft das auf uns nicht zu“, konstatiert sie. Die Initiative hat sich mit unabhängigen Verkehrsplanern und einem Eisenbahningenieur zusammengetan. Und sei auf das „S 7-Ost-Paradoxon“ gestoßen: Würden Züge und Fahrer effizienter eingesetzt, brauche es sogar eine Garnitur samt Fahrer weniger, um auf dem Ost-Ast bis Aying einen 20- und bis zur Endstation einen 20/40-Minuten-Takt einzurichten. Denn an der Kreuzstraße stünden Züge oft eine Dreiviertelstunde herum, ein Zug in Höhenkirchen-Siegertsbrunn sogar täglich ganze vier Stunden. Schuld sei ein Streit ums Geld zwischen S-Bahn und Bayerischer Eisenbahngesellschaft. Den Ruf nach mehr Effizienz äußerte unabhängig davon auch Landrat Göbel im Verkehrsausschuss, der ebenfalls nicht an den von der S-Bahn beklagten Zug- und Personalmangel glauben will.

Lesen Sie auch: S-Bahn fährt nicht los - Lokführer: „Liebe Fahrgäste, ich hab’s verbockt“

Die Bemühungen um einen schnellen Ausbau des 20-Minuten-Takts würden bewusst bürokratisch hintertrieben, so sieht es der unabhängige Verkehrsplaner Thomas Kantke. Denn mit dem Start der zweiten Stammstrecke werde sich der 20-Minuten-Takt durch einen 15-Minuten-Grundtakt auf manchem Außenast wieder auf 30 Minuten verschlechtern. Es sei nicht gewünscht, die Fahrgäste an vorübergehende Besserung zu gewöhnen.

Eine Podiumsdiskussion

zu Verbesserungen bei der S-Bahn mit Schwerpunkt S7-Ost sowie zur Direktverbindung von Rosenheim über Bad Aibling, Aying und Ottobrunn zum Ostbahnhof veranstaltet die Initiative S7Ost-plus am Dienstag, 21. Mai, um 19 Uhr im Bürgerhaus Aying, Kirchgasse 4. – mit Christoph Göbel, Annette Ganssmüller-Maluche, dem Grünen-Verkehrsexperten Markus Büchler und Thomas Kantke.

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