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Die Parkplatzkontrolle mit Park Guard basiert auf einem Kamerasystem.  Dabei zeichnet die Kamera nicht permanent die Kennzeichen auf, sondern reagiert nur auf ein- und ausfahrende Fahrzeuge.

Überwachungssystem auf Kundenparkplätzen

Kameras filmen Kennzeichen: So sollen Dauerparker abgeschreckt werden

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Die Sauerlacher Firma „Park Guard“ hat ein Überwachungssystem entwickelt, um Dauerparker zu entlarven. Doch das wirft auch Fragen des Datenschutzes auf. 

Landkreis/Sauerlach – Fremd- und Dauerparker sind ein Problem auf Kundenparkplätzen. Wenn wiederum bestimmte Parkraumüberwachungsfirmen dieses Problem mit rigorosen Methoden lösen, trifft es auch Kunden, die vergessen haben, eine Parkscheibe einzulegen. Eine Alternative präsentiert das in Sauerlach gegründete Start-up-Unternehmen „Park Guard“. Der Pilotversuch läuft seit Ostern bei einem Edeka-Markt in Höhenkirchen-Siegertsbrunn.

Park Guard funktioniert ohne Parkscheibe

Die Methode von Park Guard funktioniert ohne Parkscheibe: Videokameras haben die Parkplatz-Zufahrt im Auge – und erfasst die Kennzeichen der Fahrzeuge bei Ein- und Ausfahrt. So errechnet das System, ob die erlaubte Parkzeit eingehalten oder überschritten wurde.

„Damit umgehen wir das Problem, dass Kunden dafür bestraft werden, wenn sie ihre Parkscheibe versehentlich nicht eingelegt haben. Zugleich verringern wir nachhaltig die Anzahl an Fremdparkern“, sagt Benjamin Deisinger, fürs Marketing bei Park Guard zuständig. „Durch das System der Kameraüberwachung sind wir zudem nicht auf die Willkür von Kontrolleuren angewiesen.“

Marktbetreiber kämpft gegen Parktourismus

Sind überzeugt vom System: Benjamin Deisinger von Park Guard und Stefan Alex, Edeka-Inhaber in Höhenkirchen. 

Dass es eine große Nachfrage nach Parkraumüberwachung von Supermarktparkplätzen gibt, veranschaulicht Stefan Alex (41), Inhaber der Edeka-Filiale in Höhenkirchen-Siegertsbrunn: „Im Lauf der Jahre hat sich bei uns ein regelrechter Parktourismus entwickelt“, sagt der Marktbetreiber. „Wir haben einen Ausweg gesucht aus dem Konflikt: Gibt es den Ärger mit Falschparkern oder mit den eigenen Kunden?“ Also startete er an Ostern einen Pilotversuch mit Park Guard. Für ihn fällt die Bilanz positiv aus.

Knapp 15 000 Kunden hat Stefan Alex pro Woche in dem stark frequentierten Edeka-Markt, knapp 100 Parkplätze stehen zur Verfügung. Die reichen aus – wenn sie nur von tatsächlichen Kunden genutzt werden. „Wenn in der benachbarten Umgebung eine Veranstaltung stattfindet, ist der Parkplatz rappelvoll, unser Markt aber gähnend leer“, sagt Alex.

Nur die Dauerparker werden sanktioniert

Zugleich weiß Stefan Alex, wer sein Gehalt und das seiner Mitarbeiter zahlt: „Die Kunden.“ Die will niemand vergraulen – genau deshalb hat der 41-Jährige sich für das System des Sauerlacher Startups entschieden. „Weil es eine faire Lösung bietet und wirklich nur die Dauerparker sanktioniert. Für uns ist das die logische Lösung.“

Parksünder mit einer Parkdauer von teilweise mehr als fünf Stunden

Auf 20 bis 30 Minuten kalkuliere sein Unternehmen die durchschnittliche Einkaufsdauer“, sagt Marketing-Chef Deisinger. Eine Stunde sind beim Edeka-Markt in Höhenkirchen-Siegertsbrunn erlaubt, sodass auch noch Zeit für einen Cappuccino im Café am Eingang bleibe. „Natürlich haben wir ein kulantes Zeitfenster eingeplant, um den Einkauf auch entspannt im Fahrzeug verstauen zu können oder aber für ein Gespräch an der Fleischtheke – nur Dauerparker, die den Parkplatz zweckentfremdet nutzen, werden nach Absprache mit uns von Park Guard angeschrieben.“ Seit Einführung des Systems habe man schon Parksünder mit einer Parkdauer von teilweise mehr als fünf Stunden erfolgreich identifiziert. „Dies zeigt, dass das System funktioniert und seinen Zweck erfüllt“, sagt Stefan Alex.

Anhand der Ortskennzeichen filtern, wie sich regionale Werbung auswirkt

Fahrzeuge von Mitarbeitern oder Lieferanten werden per „White List“ automatisch ausgefiltert – und das Park-Guard-System kann noch mehr: beispielsweise anhand der Ortskennzeichen herausfiltern, ob und wie sich regionale Werbung auswirkt; ob es Stoßzeiten gibt, in denen die Parkdauer kulanter gehandhabt werden sollte; wie hoch die Quote an Elektro-Autos ist und ob sich deshalb eine E-Ladesäule lohnen würde. Um die Parkplatzsituation in Ballungsgebieten zu entlasten, ist zudem angedacht, das System auch für die Vermietung der Parkflächen nach Ladenschluss einzusetzen.

Marktinhaber Stefan Alex sieht in der Kamera-Lösung „eine faire Alternative zur anderweitig verbreiteten Abzockerei“. Und das Startup sieht ein großes Marktpotenzial: „Wir hoffen, in nächster Zeit stark zu wachsen – zuerst in der Region München, dann Stück für Stück in Bayern“, sagt Benjamin Deisinger über das erst im Oktober 2018 gegründete Unternehmen. Er sieht „eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten“. Ohne Ärger, ob die Parkscheibe für den Fünf-Minuten-Einkauf nun korrekt eingestellt war oder nicht.

Kameras filmen Kennzeichen: Wie sieht es eigentlich mit dem Datenschutz aus?

Die Parkplatzkontrolle mit Park Guard basiert auf einem Kamerasystem und einem speziell entwickelten Algorithmus zur Kennzeichenerkennung. Alle Ein- und Ausfahrten der Parkfläche werden mit dem Park Guard System ausgestattet. Entsprechende Beschilderungen weisen auf die Kameraverwendung sowie die erlaubte Parkdauer und entsprechende Vertragsstrafen bei Überschreitung hin. Dabei zeichnet die Kamera nicht permanent auf, sondern reagiert nur auf ein- und ausfahrende Fahrzeuge. Sobald ein Fahrzeug den Privatparkplatz befährt, erkennt das System das Kennzeichen automatisch und speichert den genauen Zeitpunkt. Das gleiche geschieht beim Verlassen des Parkplatzes.

„Datenschutz ist ein sensibles Thema und wird daher von uns auch sehr ernst genommen. Aus diesem Grund arbeiten wir mit den Datenschutzbehörden zusammen, um maximalen Datenschutz zu gewährleisten“, betont Benjamin Deisinger. Bei Feststellung von Parkverstößen werden die personenbezogenen Daten der Fahrzeughalter ermittelt und für möglichst kurze Zeit gespeichert. Die erhobenen Daten werden von Park Guard verschlüsselt an einen Server in Deutschland übertragen. Dort ist die erlaubte Parkdauer für den jeweiligen Parkplatz hinterlegt. Die Software vergleicht nun die tatsächliche mit der erlaubten Parkdauer. Auf diese Weise wird ein Falschparker zweifelsfrei identifiziert und ein entsprechendes Beweisfotos des Fahrzeuges wird vom jeweiligen Kamerasystem abgerufen. Im nächsten Schritt werden diese Angaben verwendet, um den Fahrzeughalter zu ermitteln.

Daten von Nicht-Falschparkern werden gelöscht

Die Daten von Nicht-Falschparkern dagegen werden anonymisiert und gelöscht. Auch die Auftraggeber erhalten laut Park Guard über die Kennzeichen keine konkreten Informationen zum Halter, sondern erfahren lediglich, aus welchem Landkreis der Parkende kommt, um zu analysieren, aus welchem Einzugsbereich die Kunden stammen.

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