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Trauma-Therapie für Flüchtlinge: Landkreis München zahlt 86.000 Euro zu

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Traumatisierten Flüchtlingen finanziert der Landkreis München weiterhin Psychotherapien. Dem Beratungs- und Behandlungszentrum für Flüchtlinge und Folteropfer, „Refugio München“, überweist das Landratsamt jährlich 86.000 Euro.

Landkreis - Trotz rückläufiger Flüchtlingszahlen reißt der Bedarf nach Traumatherapien laut Landratsamt nicht ab. Ein kleiner Auslöser reiche, die teils tief sitzenden, in der kriegsverheerten Heimat oder auf der Flucht erfahrenen Traumata zu wecken. An Integration wäre dann kaum mehr zu denken. Ohne qualifizierte Behandlung drohe dem gastgebenden Landkreis, eine Generation junger Flüchtlinge verloren zu gehen.

Seit 20 Jahren kümmert sich Refugio um Folteropfer und Kriegsflüchtlinge. Den vor zwei Jahren ausgelobten Zuschuss über jährlich 60.000 Euro stockt der Landkreis auf 86.000 Euro auf. Mit dem Geld sollen alternative Behandlungsformen finanziert werden. Neben der klassischen Psychotherapie erwiesen sich niedrigschwelligere Angebote psychosozialer Begleitung nach Informationen von Refugio als durchaus wirkungsvolle, bisweilen geeignetere Methode.

Gute Erfolge in Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Gute Erfahrung machte man in der Rosenheimer Straße mit Kunstwerkstätten. In den beiden Einrichtungen, die Refugio seit 2015 in Höhenkirchen-Siegertsbrunn unterhält, erzielte man nach eigenen Aussagen gute Erfolge bei der Betreuung von Kindern und Jugendlichen. Mit den zusätzlich gewährten Mitteln will Refugio zwei Kunstwerkstatt-Gruppen für junge Erwachsene aufbauen. Beide Gruppen sollen von Pädagogen und Kunsttherapeuten begleitet werden. Die Erfahrung bei Kindern und Jugendlichen zeige, dass anderweitige Therapiemaßnahmen oftmals nicht mehr nötig seien.

Psychische Erkrankungen offenbaren sich bei Flüchtlingen in der Regel nicht sofort. Oft lassen sich Traumata durch halbwegs stabile Lebensverhältnisse kaschieren. In dieser prekären Lage reiche schon das Scheitern einer Beziehung oder der Verlust des Arbeitsplatzes, um seelische Wunden aufzureißen. Das könne sehr wohl auch Flüchtlingen widerfahren, „die bereits längere Zeit in Deutschland leben“, warnt Refugio. Laut Refugio mangelt es an Therapeuten, die bereit seien, Flüchtlingen eine klassische Psychotherapie anzubieten. Es fehlt an Zusatzausbildung für eine Traumatherapie. Die Folge sind Wartezeiten bis zu acht Wochen. Darüber hinaus würden sich besonders junge Erwachsene schwer tun, sich einem Therapeuten zu öffnen. Die klassische Psychotherapie ende häufig erfolglos, „weil Flüchtlinge nicht bereit sind, über erlittene traumatische Erlebnisse zu sprechen“, und diese Therapie eher ablehnen.

Landkreis will Kunstwerkstätten einbinden

Die Kunstwerkstätten erscheinen daher auch dem Landkreis als geeigneter Weg, traumatisierte Flüchtlinge zu behandeln. Grünen-Sprecher Christoph Nadler jedenfalls findet es an der Zeit, dass der Kreis diesen Weg beschreitet. Mit traumatisierten Kindern und Erwachsenen sei nun mal kein Staat zu machen. Der im Vorjahr mühsam ausgearbeitete Integrationsfahrplan könne unter diesen Umständen nicht greifen.

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Rubriklistenbild: © dp a / Nicolas Armer

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