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Wohin mit der Realschule? Dieses Grundstück am Kirchenweg nahe des Gymnasiums Höhenkirchen (im Hintergrund) wurde bisher favorisiert. Eine Alternativ-Planung sieht vor, die neue Schule direkt ans Gymnasium zu rücken.

Kommt die Realschule direkt neben das Gymnasium?

Überraschende Wende beim Realschul-Neubau

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Heute Abend sollen die Gemeinderäte aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn darüber entscheiden, ob sie eine Realschule im Ort wollen. Ein Architekt wird dazu mehrere Planungsvarianten vorstellen. Eine Planung dürfte für einige durchaus überraschend sein.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Ein vom Landkreis München in Auftrag gegebener Schulbedarfsplan für die Bereiche Realschule, Gymnasium und Fachoberschule/Berufsoberschule hat die zu erwartenden Schülerzahlen bis zum Jahr 2035 errechnet. Wie berichtet, sind die Gutachter unter anderem zu dem Ergebnis gekommen, dass im südöstlichen Landkreis der Neubau einer Realschule notwendig ist. Der Zweckverband „Staatliche weiterführende Schulen im Südosten des Landkreises München“ und der Kreistag favorisieren als Standort Höhenkirchen. Und auch Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU) wünscht sich die Ansiedlung einer Realschule als „Stärkung des Bildungsstandortes Höhenkirchen-Siegertsbrunn“: „Für uns wäre das wie ein Sechser im Lotto.“

Die Grundstücksfrage

In Bahnhofsnähe, gleich neben den Außensportflächen des Gymnasiums, befindet sich ein brachliegendes Grundstück, das die Gemeinde ursprünglich für den Bau einer Grundschule vorgesehen hatte und das zuletzt als Standort für die Realschule gehandelt wurde. Allerdings hat das Areal, dessen Grenzen im Westen die Ahornstraße und im Süden der Kirchenweg bilden, nur eine Größe von rund 13 000 Quadratmetern. Wie der Zweckverband der Gemeinde auf Nachfrage mitgeteilt hat, sollte die Grundstücksgröße bei mindestens 16 000 Quadratmetern liegen, rechnet man die benötigten Sportanlagen hinzu, kommt der Zweckverband auf einen Platzbedarf von 24 000 Quadratmetern.

Zwar erhofft man sich Synergieeffekte durch die Sportanlagen des Gymnasiums, trotzdem würde die Fläche, die die Gemeinde für den Schulneubau vorgesehen hat, nicht ausreichen. Man müsste Grund südlich des Kirchenwegs miteinbeziehen. Das war bisher für einige Gemeinderatsmitglieder unvorstellbar.

Wie aus Gemeinderatskreisen zu hören ist, werden in der Sitzung heute Abend auch Alternativen präsentiert, bei der dieses Grundstück keine Rolle mehr spielt. So könnte das Realschulgebäude direkt neben das Gymnasium platziert werden. Und zwar dort, wo sich bisher die Sportaußenanlagen befinden. Die Sportstätten würden dann südlich des Kirchenwegs neu angelegt. Bei einer weiteren Planung soll sogar die gesamte Realschule südlich des Kirchenwegs gebaut werden.

CSU-Fraktionschef Peter Guggenberger findet an diesen Varianten vor allem gut, dass das 13 000-Quadratmeter-Grundstück, das der Gemeinde gehört, nicht für den Realschulbau geopfert werden müsste. „Das hätte uns sehr geschmerzt.“ Und er findet den Gedanken reizvoll, dass an dieser Stelle tatsächlich irgendwann einmal ein ganzes Schulzentrum mit Gymnasium, Realschule und Grundschule entstehen könnte.

Grünen-Fraktionssprecherin Luitgart Dittmann-Chylla kann sich unter den entsprechenden Voraussetzungen den Realschul-Neubau sowohl auf dem Areal östlich der Ahornstraße als auch auf einer Fläche direkt neben dem Gymnasium vorstellen. Sie hofft, vor allem bei letzterer Variante auf weniger Flächenverbrauch. „Und man kann dadurch vielleicht das ungenügende Raumangebot am Gymnasium verbessern“, sagt sie. Sie könne jedenfalls damit leben, wenn für den Schulneubau Flächen südlich des Kirchenwegs bebaut werden. Dazu müsse die Gemeinde unter anderem klären, wem die benötigten Flächen gehören und zu welchen Bedingungen sie für den Schulneubau genutzt werden können.

Zweite Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) will dagegen nicht so ohne Weiteres ihre Zustimmung für eine Bebauung jedwelcher Art südlich des Kirchenwegs geben. Sollte diese rote Linie überschritten werden, könnte das „schnell Begehrlichkeiten wecken“, warnt sie. Ähnlich sehen es die Unabhängigen Bürger (UB). „Die Grenze Kirchenweg war bisher eine heilige Kuh“, erinnert UB-Fraktionssprecher Ulrich Bug. Eine Bebauung südlich davon könne man der Bevölkerung nur vermitteln, wenn dadurch die einbezogenen Flächen aufgewertet würden. Er bringt als Alternativ-Standort ein Grundstück in Nähe der Grund- und Mittelschule ins Spiel. Denn auch zwischen Mittel- und Realschule gebe es durchaus Synergieeffekte, argumentiert Bug.

Die Kostenfrage

Die SPD will nach wie vor nicht, dass die Gemeinde ihr 13 000-Quadratmeter-Grundstück dem Landkreis umsonst für den Schulbau zur Verfügung stellt. „Das ist für unsere Gemeinde nicht zumutbar“, findet Konwitschny. Sie bezweifelt auch, dass ihre Fraktion bereits in der anstehenden Ratssitzung eine Entscheidung für oder gegen die Realschule in Höhenkirchen treffen kann. Dazu habe man bisher nicht genügend Informationen erhalten. „Jetzt müssen erst einmal alle Fakten auf den Tisch“, fordert sie.

Laut Zweckverband beharrt der Kreistag darauf, dass Schulgrundstücke – wie bisher – ohne finanzielle Beteiligung des Landkreises eingebracht werden. Sprich: Die Gemeinden, in denen die Schulen gebaut werden, sollen die Flächen weiterhin kostenlos zur Verfügung stellen. Allerdings zieht der Landkreis laut Mayer in Erwägung, beim Realschulneubau das Erbbaurecht anzuwenden. So könnte die Gemeinde ihr Grundstück an den Landkreis verpachten und Eigentümer der Fläche bleiben. Dann stellt sich für Konwitschny die Frage, wie viel Pacht der Landkreis zahlen würde. „Ein rein symbolischer Betrag ist uns zu wenig“, stellt die Zweite Bürgermeisterin klar.

Zumindest bei den Baukosten würde die Gemeinde wohl besser wegkommen als in der Vergangenheit. Der Kreistag hat beschlossen, sich künftig deutlich mehr an den zuschussfähigen Kosten zu beteiligen, nämlich mit 70 Prozent. Zudem stehen den Kommunen laut Mayer Gelder aus einem 65-Millionen-Euro-Topf zu, den der Landkreis für den Bau von Schulen bereitstellt.

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