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Bei einem Unfall in Siegertsbrunn zog sich Jeremias (17) schlimme Verletzungen zu.

„Passt alles?“

Mann fährt Bub (17) vom Rad und haut ab - nach öffentlichem Aufruf meldet er sich bei der Polizei

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  • Josef Ametsbichler
    Josef Ametsbichler
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Unfallflucht in Siegertsbrunn: Ein Autofahrer bringt Radler Jeremias (17) zu Fall und lässt ihn verletzt zurück. Nach einem Aufruf im Münchner Merkur meldet er sich bei der Polizei.

Update 30. Juli 2019, 14.27 Uhr: Ein 90-Jähriger aus Hohenbrunn ist der Autofahrer, der am Mittwoch vor einer Woche in Höhe des Kurvenwirts in Siegertsbrunn den 17-jährigen Jeremias  auf seinem Rad zu Sturz gebracht hat und nach kurzem Stopp weitergefahren ist. Nachdem der alte Herr den Bericht mit Aufruf im Münchner Merkur gelesen hatte, hat er sich sofort bei der Polizeiinspektion Ottobrunn gemeldet. das Sei für ihn selbstverständlich gewesen, hat er laut Polizei gesagt.

Zum Sachverhalt hat der Mann keine Angaben gemacht. Die Polizei hat seinen Mercedes untersucht und Kratzer im Stoßstangenbereich festgestellt. Die Münchner Polizei führt die Ermittlungen weiter.

Erstmeldung vom 29. Juli 2019: Mann fährt Jeremias (17) um und haut ab 

Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Noch immer kann sich Jeremias, 17 Jahre alt, nicht genau erinnern, wie es ihn erwischt hat. Dabei ist es schon fast eine Woche her, dass ihn ein Autofahrer mitten in Siegertsbrunn vom Fahrrad gefahren hat (der Merkur berichtete in der Freitagsausgabe). Auch die Polizei rätselt über den genauen Unfallhergang, denn: Der Fahrer ist verschwunden. „Unfallflucht ist eine Sauerei“, sagt Jeremias’ Vater, Alexander Forssman aus Baiern (Kreis Ebersberg).

Siegertsbrunn: 17-Jähriger vor Kurvenwirt umgefahren

Von vorn: Der 17-jährige Jeremias, das berichtet auch die Polizei, radelte am vergangenen Mittwoch durch Höhenkirchen-Siegertsbrunn – er war auf dem Heimweg von der Schule zu seiner Mutter. So weit kam der Jugendliche aber nicht, denn als er auf Höhe des Kurvenwirts nach links in die Hohenbrunner Straße einbiegen wollte, fuhr ihn ein Auto an. Wie genau das geschah, ist unklar, denn Jeremias erinnert sich nur bruchstückhaft. Zeugen gibt es – bisher – keine.

Siegertsbrunn: Unfallfahrer steigt nicht mal aus

Als sich der Bub mit blutigen Schürfwunden auf dem Asphalt berappelte, erzählt sein Vater, habe der Autofahrer, ein älterer Herr in einem silberfarbenen Wagen, gefragt, „ob es passt“. Durchs herabgekurbelte Fenster, nicht einmal ausgestiegen sei er, bevor er weiterfuhr. „Das ist wenig“, findet der Vater. „Den hätte ich an seiner Stelle nicht da stehen lassen.“ Denn Jeremias, verletzt und unter Schock habe gesagt: „Das passt schon alles“, bevor er sein verbogenes Rad die 50 Meter bis nach Hause schleppte.

Nach Unfall: Jeremias (17) wird bewusstlos - Notarzt muss kommen

Dort wurde dem Schüler allein dann doch mulmig, er rief Freunde an, die ihn mit dem Auto zurück in die Schule brachten, wo der Gestürzte von den Schulsanitätern versorgt wurde. Gerade rechtzeitig: Vor Schmerzen und, wie sich später herausstellte, wegen eines Schädel-Hirn-Traumas klappte Jeremias bewusstlos zusammen. Die Schule rief den Notarzt und verständigte den Vater.

Unfallflucht in Siegertsbrunn: „Das sah dramatisch aus“

Der 50-jährige Anwalt musste seinen Sohn apathisch auf der Trage liegen sehen, Infusionsnadel im Arm, Halskrause um den Nacken – und über sich ein Damokles-Schwert: Der 17-Jährige klagte über Schmerzen an den Lendenwirbeln, die von innere oder gar dauerhafte Verletzungen stammen hätten können. „Das sah dramatisch aus“, erinnert sich der Vater.

Nach Unfallflucht: 17-Jähriger aus Siegertsbrunn leidet noch immer

Glücklicherweise kam es anders. Die erste Nacht verbrachte Jeremias sediert von Schmerzmitteln im Krankenhaus. Inzwischen geht es ihm laut Mutter Daniela Duda körperlich wieder recht gut. Psychisch sei er aber angeschlagen. „Es belastet ihn jeden Tag mehr, dass der andere einfach weitergefahren ist.“ In Flashbacks erlebe er den Unfall immer wieder.

Aufruf der Eltern nach Unfallflucht: Hoffnung, dass sich der Fahrer meldet

Die Eltern hoffen, dass den Unfallfahrer doch die Skrupel überkommen und er sich meldet. „Ohne großen Verfolgungseifer“, sagt Forssman. „Wenn er bestraft wird, haben wir ja nichts davon.“ Zumal sich die Polizei bei der Schuldfrage wegen laufender Ermittlungen auf Anfrage noch nicht festlegen will. Doch auf Forssmans Schreibtisch sammeln sich schon die Fragebögen der Versicherungen, die sich die gleiche Frage wie der Vater des angefahrenen Buben stellen: „Ich hätte gerne gewusst, wer das war.“

Unfallflucht in Siegertsbrunn: Mögliche Hinweise auf den Fahrer

Das könnte sich aber auch ohne Zutun des Unfallfahrers klären. Wie der Vater erzählt, ist an der Unfallstelle ein Stück von einem Kennzeichen-Rahmen liegengeblieben, mit der Werbeaufschrift eines Hohenbrunner Autohauses. 

Lesen Sie auch: Ein schlimmer Unfall hat sich am Sonntagmorgen auf der A8 Richtung Salzburg ereignet. Ein Kleinkind und ein Familienvater sind ums Leben gekommen. Mutter und Tochter schweben in Lebensgefahr.

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