+
Das Wohnwagen-D orf in Höhenkirchen-Siegertsbrunn .

Obdachlosenberaterin zieht Bilanz

Trailer-Bewohner im Alltag oft überfordert

  • schließen

Das Wohnwagen-Dorf für Obdachlose hat Höhenkirchen-Siegertsbrunn bundesweit bekannt gemacht. Jetzt zog Tanja Fees von der Wohnungsnotfallhilfe, die die Bewohner des Trailerparks betreut, im Hauptverwaltungsausschuss eine Bilanz ihrer Arbeit. Ihr Fazit: Die Bewohner brauchen nicht nur bei der Wohnungssuche Hilfe.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn– Als die Gemeinde 2014 auf dem Bauhof-Gelände an der Sportplatzstraße mangels Alternativen Wohnwagen aufstellen ließ, um Obdachlose, darunter vor allem anerkannte Flüchtlinge, unterzubringen, war der Aufschrei in Teilen der Bevölkerung groß. Mittlerweile hat sich die Aufregung im Ort gelegt, und auch in der Wohnwagen-Siedlung geht alles mehr oder weniger seinen gewohnten Gang. Zu verdanken ist dies vor allem auch Tanja Fees. Die 33-jährige Diplom-Pädagogin ist Mitarbeiter der Wohnungsnotfallhilfe der Arbeiterwohlfahrt im Landkreis München und betreut neben Unterkünften in Planegg und Gräfelfing seit April vergangenen Jahres auch die Menschen, die den Trailerpark in Höhenkirchen-Siegertsbrunn mehr oder weniger gezwungenermaßen ihr Zuhause nennen.

Wie Fees jetzt im Hauptverwaltungsausschuss ausführte, unterstützte sie im vergangenen Jahr im Wohnwagen-Dorf 20 Menschen, die in elf Haushalten lebten. „Davon waren elf Einzelpersonen, eine alleinerziehende Mutter und zwei Familien“, so die Obdachlosenberaterin. Die überwiegende Zahl der Bewohner – sieben beziehen Arbeitslosengeld, zwei sind in einem Arbeitsverhältnis – besteht aus anerkannten Asylbewerbern. Für drei der Haushalte ist das Leben im Wohnwagen mittlerweile zu Ende. Sie haben laut Fees eine Wohnung mit Mietvertrag erhalten.

Fees, die ein Büro direkt vor Ort hat, hilft den Betroffenen beim Erstellen einer Bewerbungsmappe für die Wohnungssuche und beim Recherchieren nach Wohnraum. Zudem fungiert sie als „Türöffner“, wie sie es selbst bezeichnet. Das heißt, nicht der Wohnungssuchende selbst, sondern sie nimmt am Anfang Kontakt mit dem möglichen Vermieter auf. Denn es könne sofort den Unterschied ausmachen, ob jemand sich telefonisch in gebrochenem Deutsch nach der Wohnung erkundige, oder sie selbst mit dem Wohnungseigentümer spricht und ihm die Verhältnisse schildert. Die 33-Jährige begleitet die Wohnungssuchenden auch zu den Besichtigungstouren und spricht mit ihnen im Anschluss darüber, „was man beim nächsten Mal besser machen kann“. Auch die Begleitung und Unterstützung bei der gesamten Organisation des Umzugs zählt zu ihren Aufgaben.

Ein Problem ist laut Fee, die Betroffenen davon zu überzeugen den Großraum München zu verlassen und woanders hinzuziehen, weil man dort leichter eine günstige Wohnung bekommt. Gerade die Geflüchteten hätten Angst davor, sich wieder in einer neuen Umgebung zurechtfinden zu müssen und eventuell ausgeschlossen zu werden.

Fees hat im Trailerpark aber noch ganz andere Schwerpunkte als die Wohnungssuche, weil die Anwohner oft schon mit Alltagsdingen überfordert seien. So hilft sie ihnen beispielsweise bei Behördengängen, beim Erstellen von Lebensläufen und Bewerbungen oder bei der Klärung ihrer finanziellen Situation. Denn oft wüssten die Betroffenen gar nicht, welche finanziellen Ansprüche, aber auch Verpflichtungen sie haben. „Gerade die Afrikaner verlieren oft komplett die Übersicht“, erzählt die Pädagogin. Sie kämen dann mit einer Mappe voller Dokumente, Schreiben sowie weiterer Unterlagen und würden um Hilfe bitten. „Die präsentieren mir mitunter ihr ganzes Leben.“ Deshalb ist laut Fees auch der direkte Kontakt, die Begegnung auf Augenhöhe und daraus resultierend ein gutes Vertrauensverhältnis wichtig.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Immer noch auf der Suche nach einem Bräustüberl
Vor zwei Jahren feierte die Brauereigenossenschaft Oberhaching ihr Gründungsfest. Das Bier verkauft sich gut. Doch ein Wunsch ist noch immer offen: ein eigenes …
Immer noch auf der Suche nach einem Bräustüberl
Betrugs-Opfer bekommen kein Geld von der Bank zurück
Ein Ehepaar aus Aying ist Opfer von Betrügern geworden. Durch Weitergabe der TAN-Nummer per Telefon wurden mehr als 4000 Euro auf das Konto von Kriminellen überwiesen. …
Betrugs-Opfer bekommen kein Geld von der Bank zurück
Trucker rast bei Aschheim in Stauende
Ins Heck seines Vordermanns  ist ein Trucker am Dienstag auf der A-99 bei Aschheim gedonnert. Er hatte einen Rückstau übersehen.
Trucker rast bei Aschheim in Stauende
Nach Brand: Spende für Familie
Sie stand vor dem Nichts: Ein Brand vernichtete alles in der Wohnung einer Unterschleißheimer Familie. Nun gibt‘s für sie einen Hoffnungsschimmer. 
Nach Brand: Spende für Familie

Kommentare