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Wolfgang Bethke gestorben - Er war den historischen Wurzeln auf der Spur

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Von: Wolfgang Rotzsche

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Chronist Wolfgang Bethke hat sich gerne in die Ortsgeschichte vertieft.
Chronist Wolfgang Bethke hat sich gerne in die Ortsgeschichte vertieft. © wjr

Wolfgang Bethke schrieb für Siegertsbrunn die Ortschronik und darüber hinaus so manch andere Orts- und Familiengeschichte. Der in Chemnitz Geborene lebte zwar in Höhenkirchen, war aber mehr oder weniger ein Siegertsbrunner „ehrenhalber“. Nun ist der Sachse im Alter von 95 Jahren verstorben.

Höhenkirchen – Auf Wunsch seines Vaters kam Bethke 1947 ins Allgäu. Er selbst merkte hierzu an: „Die Sprache war mir fremd, aber das Land in seiner kulturellen bodenständigen Vielfalt, die Bauwerke aus den unterschiedlichen Epochen führten dazu, dass ich das Bayernland kennen und schätzen lernte.“ Er war Bauernknecht, Bergmann und dann Soldat, unterrichtete als Krankenpfleger an der Akademie des Sanitäts- und Gesundheitswesens der Bundeswehr. 1980 kam der Pensionist Bethke nach Höhenkirchen.

Hobby war die Heimatgeschichte

Sein Hobby war die Heimatgeschichte, mit der er sich immer wieder auseinandersetzte. Und so kam er auch mit Höhenkirchens Ortschronist Rudolf Stingl zusammen. Der wiederum spitzte Bürgermeister Rudolf Mailer an und traf auf offene Ohren. Prompt wurde 1995 Bethke Ortschronist: „Ein Glücksfall war wirklich, dass Herr Bethke mit seiner Art und Vorgehensweise so gut ankam bei den Siegertsbrunnern. Sein Trick dabei waren die „Hofgeschichten“, für die fast alle sogar in den Speichern nach Unterlagen suchten“, sagt der heutige Altbürgermeister Mailer.

Recherchen hartnäckig betrieben

Entstanden sind ein Bildband (1999) und eine 750 Seiten umfassende Chronik (2006) für Siegertsbrunn, wobei nur Bethke wusste, wie viel Zeit und Aufwand er für die Gespräche und Recherchen verwendet hat. Mailer weiß dazu nur das eine: „Für ihn war es über viele Jahre ein Full-Time-Job.“ Bethkes Leidenschaft und Hartnäckigkeit für die notwendigen Recherchen dürfte wohl so manchen Mitarbeiter im Staatsarchiv schlaflose Nächte bereitet haben. Aber so war der Verstorbene, der für seinen Humor und für seine Gesprächigkeit bekannt war.

Jede Woche im Rathaus

Auch Altbürgermeisterin Ursula Mayer erinnert sich gerne: „Jede Woche war er im Rathaus, und er war so stolz auf seine Chronik, die er am liebsten noch um einen weiteren Bildband zu Siegertsbrunn ergänzt hätte. Er war immer lustig und gut aufgelegt und nie einem Ratsch abgeneigt.“ Ehrensache war für Wolfgang Bethke, dass er den örtlichen Vereinen bei der Aufarbeitung der Vereinsgeschichte half. Zudem engagierte er sich auch im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Im Duo noch besser

Für die Siegertsbrunner Chronik holte sich Wolfgang Bethke Unterstützung. Die fand er in der Ayinger Archivarin Franziska Ahlborn von Raven. „In zahlreichen Vormittagen habe ich mit ihm gerungen und versucht, den Text in eine lesbare Form zu bringen. Wir wurden ein richtig gutes Team. Ich kenne niemanden, der so fachfremd sich so tief in geschichtliche Themen eingearbeitet hat“, so die Historikerin.

Ganz nebenbei machte der gelernte Fotodrogist Fotoaufnahmen von Umbau- und Abrissarbeiten sowie von Neubauten in Höhenkirchen-Siegertsbrunn und trug auch so dazu bei, dass vieles in den Orten nicht vollkommen in Vergessenheit geriet. Vizebürgermeisterin Luitgart Dittmann-Chylla fasste treffend zusammen: „Auch wenn er in Höhenkirchen wohnte, so hatte Herr Bethke zu „seinen“ Siegertsbrunnern doch immer ein ganz besonderes Verhältnis. Die ganze Gemeinde wird ihn schmerzlich vermissen.“

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