Die Spielgruppe Zwergerlstube ist weiter gesperrt und geht im Lockdown leer aus.
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Wo bleiben die Kinder? Die Spielgruppe Zwergerlstube ist weiter gesperrt und geht im Lockdown leer aus.

Team der Zwergerlstube weiß nicht, wie es weitergeht

Spielgruppe bleibt geschlossen: AWO kritisiert Benachteiligung von Familien

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Spielgruppen sind häufig aus Elterninitiativen entstanden und sind eine wertvolle Ergänzung der Krippen und Kindergärten. Wie etwa die Zwergerlstube in Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Doch in Corona-Zeiten sind sie das Schlusslicht sowohl bei der Öffnung als auch in finanzieller Hinsicht, kritisiert die AWO.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn - Die Zwergerlstube gehört seit 2020 zum AWO Kreisverband München Land und wird von einer Sozialpädagogin und zwei Tagesmüttern professionell geführt. „Die Eltern-Kind-Gruppen sowie der Spielkreis tragen zu einem differenzierten und bedarfsgerechten Betreuungsangebot bei und sind ein wichtiger Baustein innerhalb des Netzwerkes der Betreuungs- und Förderangebote für Familien“, sagt Michael Germayer, Vorstand des AWO Kreisverbands.

Keine Beitragserstattung für die Spielgruppen

Doch in Corona-Zeiten sind sie das Schlusslicht sowohl bei der Öffnung als auch in finanzieller Hinsicht, kritisiert die AWO in einer Pressemitteilung. Bereits im Frühjahr 2020 wurden die Spielgruppen in Bayern aufgrund der Covid-19 Pandemie über dreieinhalb Monate geschlossen. Deutlich länger als andere Kinderbetreuungsformen. Während Familien, deren Kinder eine über das BayKiBiG geförderte Einrichtung besuchen, die Elternbeiträge erstattet bekamen, gingen die Spielgruppen leer aus.

Finanzielle Nöte

Dies hat nicht nur die Familien belastet, sondern die Zwergerlstube in finanzielle Nöte gebracht. Kulanterweise erklärte sich die Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn bereit, der Zwergerlstube finanziell beizustehen. Ab Juli 2020 wurden die Zwergerl unter Pandemie-Bedingungen mit angepasstem Konzept und hohem Aufwand wieder betreut. „Wir haben unser Hygienekonzept um ein Corona-Konzept erweitert und passen dieses immer wieder an“, sagt Britta Werhahn, Sozialpädagogin und Leiterin der Zwergerlstube.

In der Praxis heißt das Maskenpflicht für die Betreuerinnen, Abstand halten, Hände waschen, regelmäßiges Lüften, Betretungsverbot für die Eltern, Verzicht auf den Singkreis, alleinige Gartennutzung, feste Gruppen, Führung von tagesaktuellen Listen, Eingewöhnung unter Hygienevorgaben und vieles mehr. Bis Mitte Dezember die Gruppe erneut geschlossen und eine Notbetreuung angeboten werden musste.

Auch im zweiten Lockdown gehen die Spielgruppen leer aus

„Mit großem Aufwand und viel Fantasie versuchen wir seither den Kontakt zu den Kindern und ihren Familien zu halten, um ihnen die Phase des Lockdowns zu erleichtern“, beschreibt Britta Werhahn die Situation. Auf Beschluss des Kabinetts im Januar 2021 werden allen Familien, deren Kinder eine über das BayKiBiG geförderte Einrichtung besuchen, die Elternbeiträge für Januar und Februar erstattet. Doch auch im zweiten Lockdown geht die Zwergerlstube, wie übrigens alle Spielgruppen in Bayern, leer aus, weil sie die Bedingungen nicht erfüllt.

„Dies führt zu einer deutlichen Benachteiligung der Familien gegenüber allen anderen Familien, die Kinderbetreuungseinrichtungen nutzen“, sagt Michael Germayer und hofft nun auf politische Unterstützung. „Hier werden die Spielgruppen als alternative Betreuungsform in der bayerischen Kinderbetreuungslandschaft völlig vergessen, auch die, die professionell geführt sind“, kritisiert Germayer.

So begründet das Ministerium seine Entscheidung

Noch ist unklar, wie es in den nächsten Wochen weitergeht. Während die Kitas an diesem Montag unter entsprechenden Auflagen wieder öffnen durften, bleiben die Spielgruppen laut Verordnung zum Infektionsschutz weiterhin geschlossen. „Wir werden umgehend darüber informieren, sobald sich in Hinblick auf die Spielgruppen Änderungen ergeben“, heißt es in der Information des Ministeriums lapidar. Eine Nachfrage über die Corona-Hotline habe ergeben, dass Spielgruppen nicht öffnen dürfen, weil sie sich oftmals aus wechselnden Personen zusammensetzen und hierdurch eine Kontaktverfolgung erschwert würde.

„Das ist nicht für alle Spielgruppen zutreffend“, sagt Britta Werhahn, schon gar nicht für die Zwergerlstube. Genau die kleinen Betreuungsgruppen mit festen Betreuerinnen und angemeldeten Kindern würden diese Spielgruppe ausmachen und böten den Eltern eine alternative Betreuungsform zur Kindertagespflege oder zur Kinderkrippe und Kindergarten.

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