Hohe Temperatur verhindert Abholzaktion

Pullach - 500 Bäume an der Hochleiten in Pullach solen gefällt werden. Bei einem Ortstermin verteidigt der Bundesforstbetrieb den Einschnitt

Von einem Kahlschlag ist die Rede, von einer Katastrophe für den Wald, die Vogelwelt und die Erholungsuchenden. Den Stein ins Rollen brachte Thomas Jäger, ein Sollner Naturschützer. Er startete eine Petition an den Landtag und will damit die Fällaktion stoppen, die bereits am 27. Januar beginnen soll. Die Zeit drängt. Kommunalpolitiker und Landtagsabgeordnete sind mobilisiert.

Das heftige Echo ging aber auch an den Verantwortlichen nicht vorbei. Sie entschlossen sich, kurzfristig zu einem Ortstermin einzuladen. Erschienen sind etwa 20 Bürger sowie unter anderem der Revierleiter Christoph Jäger, vom Bundesforstbetrieb Markus Peepert, Betriebsbereichsleiter Hans Machetanz, Vertreter des Amtes für Landwirtschaft und Forsten Ebersberg mit Behördenleiter Friedrich Nebl an der Spitze sowie Susanna Tausendfreund (Die Grünen) und Florian von Brunn (SPD), Landtagsabgeordneter und Mitglied des Umweltausschusses.

Mittendrin Thomas Jäger, ein hagerer, hochaufgeschossener Mann. „Ich bin fast täglich hier im Wald unterwegs. Was hier geplant ist, ist ein halber Kahlschlag. Im großen Stil sollen hier überwiegend Fichten gefällt werden. Der Lebensraum seltener Vogel- und Tierarten ist betroffen“, führt er an. Er fordert, die geplante Maßnahme zu stoppen. Erst solle ein unabhängiger Gutachter beauftragt werden. Dieser solle feststellen, ob die Aktion in dem Umfang gerechtfertigt ist. Weiter kritisiert er, dass die Bürger nicht beteiligt und informiert worden seien. Außerdem müsse man berücksichtigen, dass der Wald zwischen der Waldwirtschaft und der Burg Schwaneck in unmittelbarer Nachbarschaft des Bundesnachrichtendienstes und im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben als Erholungswald eingestuft sei und damit für die Erholungsuchenden der Landeshauptstadt von höchster Bedeutung sei und unter Schutz stehe. „Was hier geplant ist, ist keine Pflegemaßnahme. Hier soll der Wald maximierend ausgebeutet und Gewinn gemacht werden“, wirft er vor.

Christoph Jäger weist das entschieden zurück. „Die Maßnahme ist notwendig, um den hohen Nadelholzanteil zu reduzieren. Der Wald soll sich natürlich verjüngen. Nachwachsende Bäume brauchen Licht und müssen eine Chance haben, nachzuwachsen und sich zu entwickeln. Es geht nicht darum, einen Kahlschlag zu veranstalten und schnelles Geld zu machen. Ein gesunder Mischwald soll entstehen“, erklärt er.

„Das sind für mich schöne Worte, aber wenig glaubhaft“, meint Thomas Jäger und will beim Gang durch den Forst nahezu bei jedem Baum wissen, warum dieser gefällt werden solle. Geduldig erklärt der Revierleiter jede Maßnahme, zeigt auf die umstehenden Bäume, die dann mehr Licht bekommen würden. „Da blutet das Herz und wir werden nicht mehr erleben, dass es ein Wald ist“, meint eine Frau. Revierleiter Jäger rechnet vor: „Auf dem etwa 20 Hektar umfassenden Gelände wachsen etwa 10 000 Bäume. Davon werden 500 gefällt.“ Es könne auch nicht davon gesprochen werden, dass hier der Gewinn die Richtschnur sei. „Es stimmt, der Holzpreis ist gut. Wir können mit etwa 60 000 Euro Einnahmen rechnen, die Fällkosten betragen etwa 25 000 Euro. Bleiben unterm Strich 35 000 Euro, die der Staatskasse zufließen, also dem Steuerzahler“, meint er. Und dann gibt er Entwarnung. „Bei dem derzeitigen Wetter werden wir nicht fällen. Der Boden ist aufgeweicht, die Maschinen würden Schäden anrichten. Wir brauchen Tage mit strengem Frost“, so Jäger. Diese sind nach dem Wetterbericht aber in nächster Zeit nicht zu erwarten. Der Boden müsse genügend durchfrieren. „Unser Zeitfenster ist knapp. Wir wollen bis zum 1. März fertig sein, da beginnt die Brutzeit. Mindestens aber zwei Wochen brauchen wir für die Aktion“, erklärt Jäger. Erleichtert nimmt das Tau-sendfreund zur Kenntnis: „Das war mein vordringliches Ziel. Derzeit wären die Schäden einfach zu groß. Dieses Problem ist vom Tisch. Das haben wir erreicht durch den Einsatz und Widerspruch der Bürger“, erklärt sie.

Positiv sieht Manfred Siering, der Landesvorsitzende der Ornithologischen Gesellschaft Bayern, die Maßnahme: „Wenn ein Mischwald entsteht ist das für die Vielfalt der Vögel nur gut. Es werden hier neue und andere Vögel nisten.“

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