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Hohenbrunn will nicht aufs Abstellgleis

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Von: Günter Hiel

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Eine Sanierung hätte der Bahnhof in Hohenbrunn bitter nötig. © fkn

Hohenbrunn und Ebenhausen haben wieder eine Niete gezogen beim Bahn-Roulette. Bis zum Jahr 2021 werden in Bayern weitere 115 Bahnhöfe barrierefrei ausgebaut – doch die beiden Stationen im Landkreis sind nicht dabei (wir berichteten). Die Ebenhausener haben mit diversen Aktionen gegen diese Entscheidung protestiert. In Hohenbrunn war es dagegen ruhig. Doch jetzt ist Karlheinz Vogelsang (52) der Kragen geplatzt. Der Ortsvorsitzende der Wählergruppierung ÜWG-FW ist die Vertröstungen leid.

Hohenbrunn„Mein Eindruck ist, dass die Bahn nur große Prestige-Bahnhöfe aufwendig saniert. Für Bahnhöfe am Land gibt es kein Budget. Dies ist aus unserer Sicht eine klare Benachteiligung“, sagt Vogelsang. Den Besuch von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), der im September vergangenen Jahres mehrere S-Bahnhöfe im Landkreis München im Schnelldurchgang inspiziert hat, empfindet er als Augenwischerei. Das habe ja wohl gar nichts bewirkt. Die Ebenhausener haben dem Minister damals auch ihr Leid geklagt.

Ein Sprecher der Bahn erklärt das Verfahren so: „Grundsätzlich gilt, dass die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel so eingesetzt werden, dass möglichst viele Reisende davon profitieren. Das heißt, dass große und mittlere Bahnhöfe sowie Umsteigebahnhöfe Priorität haben.“ Der barrierefreie Ausbau könne daher nur Schritt für Schritt erfolgen, immerhin rund 400 der aktuell 1017 Bahnhöfe in Bayern seien schon behindertengerecht. Aber selbst der Augsburger Hauptbahnhof sei noch nicht barrierefrei, Regensburg werde derzeit umgebaut. In den vergangenen zehn Jahren habe die Bahn in diesem Bereich 800 Millionen Euro in investiert, in größeren und Umsteigebahnhöfen.

Bund und Freistaat hätten die Auswahlkriterien festgelegt, auf denen die derzeit laufenden Ausbauprogramme basieren. Dabei geht es um die Entfernung zum nächsten barrierefreien Bahnhof; um die Zahl der Pendler, die ein- und aussteigen; um die Frage, ob es sich um einen Umsteigebahnhof handelt; und dann spielt eine Rolle, ob es am Ort eine Behinderteneinrichtung gibt.

Die S-Bahnstationen Hohenbrunn und Ebenhausen-Schäftlarn hätten „leider aus finanziellen Gründen nicht berücksichtigt werden“ können. Bei beiden Stationen spielte eine Rolle, dass barrierefreie Bahnhöfe nur wenige Kilometer entfernt lägen, argumentiert die Bahn: Hohenbrunn sei nur 1,8 Kilometer von Wächterhof und 2,4 Kilometer von Ottobrunn entfernt, Ebenhausen-Schäftlarn nur 1,6 Kilometer von Hohenschäftlarn und 3,2 Kilometer von Icking.

Karlheinz Vogelsang lässt sich damit nicht beruhigen. „Die Antwort, dass behinderte Menschen nach Höhenkirchen oder Ottobrunn ausweichen könnten, ist schon eine sehr dreiste Aussage des Bahnsprechers. Wir laden diesen gerne nach Hohenbrunn zu einem Gespräch ein und setzen ihn in einen Rollstuhl oder geben ihm einen Kinderwagen an die Hand“, sagt Vogelsang. Vielleicht finde ja dann ein Umdenken statt bei der Bahn. Bei einer Sanierung in Hohenbrunn gehe es nicht um Milliardensummen wie bei Stuttgart 21, sondern um vielleicht zwei Millionen. Da müsse der Bund mehr Geld bereit stellen.

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