Daimler-Chef Zetsche hört auf - Nachfolger steht wohl fest

Daimler-Chef Zetsche hört auf - Nachfolger steht wohl fest
+
Solveig Roth  in einer Halle mit Überresten eines Destillators.

Alte Werkhallen in Hohenbrunn

Kein Internet: Immobilienbesitzerin verzweifelt

  • schließen

Die Häuser an der Taufkirchner Straße 59 haben keinen Internetanschluss. Die Telekom weigert sich, welche zu verlegen. Ohne Netz wird‘s nichts mit den großen Plänen dort.

Hohenbrunn – Von ihrem eigenen Haus sind es nur ein paar Schritte über den Hof zu den „Chaos-Bauten“, wie Solveig Roth sie nennt. Die 68-Jährige lässt das Gebäude an der Taufkirchner Straße 59 in Hohenbrunn gerade renovieren. Früher war dort ihre Cousine mit dem Betrieb „Dr. Niedermaier Pharma GmbH“, Weltmarktführer für Regulatessenzen, ansässig. Sie ist nun innerhalb Hohenbrunns umgezogen.

Solveig Roth  in einer Halle mit Überresten eines Destillators.

Eine Gruppe junger Leute – Kunsthandwerker, Zeichner, Informatiker und ein Restaurator – sind vom Charme dieser alten Werkhallen begeistert und wollen dort ein Start-up-Unternehmen gründen. „Ich würde diesen jungen Leuten sehr gern mit niedrigen Mieten den Weg in die Selbstständigkeit erleichtern“, sagt Solveig Roth. Doch es gibt ein Problem: kein Internet.

14 Anschlüsse nötig

Vor über 100 Jahren erwarb Roths Großvater, der bekannte Kirchenmaler Anton Niedermaier, das Grundstück. Im Lauf der Jahrzehnte wurde die Familie immer größer, die Zahl der Gebäude stieg. Allerdings hatte die Erbengemeinschaft lange Zeit nur eine Hausnummer, die 59. Für die gab es auch einen Internetanschluss. Inzwischen, nach einer Teilung des Grundstücks, auf dem mehrere Firmen ansässig sind, würden 14 Internetanschlüsse benötigt. Doch damit tut sich die Telekom schwer.

„Ich komme mir vor wie auf einer entlegenen Alm“, sagt Solveig Roth. „Seit fast einem Jahr drehen wir uns im Kreis. Ich bin zutiefst verzweifelt.“ Denn: Die jungen Firmengründer benötigen, so chaotisch-künstlerisch das Ambiente sein mag, das Roth an einen Hauptmieter geben möchte, unbedingt schnelles Internet. „Ohne das sind die Räume unvermietbar.“

Die Telekom indes vertrat zunächst den Standpunkt, dass es sich ja nur um eine Hausnummer handele – also würden Neuanschlüsse nicht bezahlt. Also beantragte die Erbengemeinschaft – auch die Tante von Solveig Roth lebt dort – bei der Gemeinde für jedes Gebäude eine eigene Hausnummer.

Telekom winkt ab

Dieser Wunsch wurde erfüllt, trotzdem sperrt sich die Telekom weiterhin. Begründung in einem Schreiben vom 6. Juli: „Die Telekom ist gehalten, ihre Produkte wirtschaftlich effizient bereitzustellen. Besonders teure Anschlüsse fallen nicht unter die Versorgungsverpflichtung nach § 78 Telekommunikationsgesetz, wenn der Anschluss außerhalb der geschlossenen Bebauung hergestellt wird.“ Das sei der Fall. Der 68-Jährigen stehe es aber „frei, eine Versorgung mit einem teuren Anschluss durch Beauftragung eines Produktes anzustoßen“. Die pensionierte Mathematiklehrerin empfindet dies als Unverschämtheit: „Für einen Großkonzern zu teuer, aber einer Witwe zumutbar. Aus meiner Sicht ist dies an Sarkasmus nicht mehr zu übertreffen.“

Im Hohenbrunner Rathaus ist das Problem bekannt, weil ansässige Firmen auf dem Areal mit dem „Internet-Engpass“ zu kämpfen haben. Der Breitband-Projektverantwortliche der Gemeinde, Martin Trui, erläutert: „Wir haben bei der Telekom schon mehrmals, zuletzt am 20. Juni, interveniert mit der eindringlichen Aufforderung, für dieses Ensemble aus insgesamt zehn Gebäuden eine moderne Erschließungslösung zu finden. Der dringende Handlungsbedarf wurde unsererseits mehrfach betont, die Telekom hat bisher aber keine Lösung angeboten.“

Eines der Gebäude an der Taufkirchner Straße 59.

Auch bei der Gemeinde wächst also der Unmut. „Wir stehen mit beiden Füßen auf dem Gas, können der Telekom aber nicht die Schaufel führen“, sagt Trui. Die Gemeinde entwickelt derzeit ein Konzept zum Breitbandausbau: 2017 hat Hohenbrunn eine Zusage für Bundesfördermittel erhalten; diese werden derzeit für ein eigenes Gesamtkonzept eingesetzt. „Ziel ist die Verbesserung der Anbindung unserer Gewerbegebiete, Schulen und der Privathaushalte mit Glasfaserkabeln zur Sicherung der Wettbewerbs- und der Lebensqualität in Hohenbrunn.“ Die Ergebnisse dieses Masterplans, würden „im Spätherbst dem Gemeinderat vorgestellt“.

Das kommunale Konzept wäre für Solveig Roth ein Lichtblick, denn von der Telekom darf sie kaum Entgegenkommen erwarten. Auf Anfrage des Münchner Merkur antwortet die Pressestelle der Telekom: „Wir haben der Kundin erläutert, dass wir den von ihr gewünschten Internet-Anschluss nicht anbieten können. Wir bedauern das.“ Aber: „Derzeit bauen wir in Bayern mehr aus als in jedem anderen Bundesland. Die Situation kann sich also auch bald ändern.“

Bis November möchte Solveig Roth die Renovierung abgeschlossen haben, und schon dieser Tage kommt die Gruppe der jungen Firmengründer nach Hohenbrunn, um sich die Arbeitsplätze in spe nochmal anzuschauen. Alles steht und fällt damit, ob die Internetanschlüsse kommen oder nicht. Das Digitalzeitalter: für Solveig Roth momentan weit entfernt. „Unsere Familie lebt seit über 100 Jahren hier“, sagt sie, „aber man kommt sich vor, als wären wir gerade neu hergezogen.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Kollision beim Einfädeln
Ein Unfall beim Einfädeln hat der Ismaninger Polizei am späten Dienstagabend einen Einsatz am Knotenpunkt B 471 und B 338 in Ismaning beschert.
Kollision beim Einfädeln
Garching bekommt Waldkindergarten
Endlich: Der Weg ist frei für einen Waldkindergarten in Garching. Lange hat‘s gedauert - aus mehreren Gründen.
Garching bekommt Waldkindergarten
Kommentar: Kardinal trennt, was Gott vereint
Es ist wirklich absurd: In Putzbrunn feiern die Christen beider Konfessionen, dass die Ökumene seit 25 Jahren lebt. Keine Selbstverständlichkeit in Zeiten, in denen …
Kommentar: Kardinal trennt, was Gott vereint
Umstrittene Entscheidung in Putzbrunn: Katholiken und Protestanten sollen getrennt feiern
Den sonntäglichen gemeinsamen Gottesdienst von Katholiken und Protestanten in Putzbrunn wird es künftig nicht mehr geben – auf Anordnung von Erzbischof Kardinal Reinhard …
Umstrittene Entscheidung in Putzbrunn: Katholiken und Protestanten sollen getrennt feiern

Kommentare