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„Viele sind panisch“: Brennholz fast überall ausverkauft – Münchner Holzbauer zieht Notbremse

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Von: Patricia Kania

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Brennholz wird knapp - und immer teurer. Holzbauer Benno Maier aus Hohenbrunn spricht im Interview über Hintergründe und Kunden-Ängste.

Hohenbrunn – Die Holzbauern im Landkreis München sind blank. Nirgendwo gibt es mehr Brennholz zu kaufen. Darüber hinaus explodieren die Preise. Brennholz wird zum Luxusgut. Holzbauer Benno Maier (51) aus Hohenbrunn bietet seit vielen Jahren regionales Brennholz aus eigenen und heimischen Wäldern an.

So eine hohe Nachfrage wie in diesem Jahr hat er noch nie erlebt. Inzwischen ist auch bei ihm das Holz ausverkauft. Trotzdem kann er sich vor Anfragen nicht retten. „Bitte rufen Sie uns nicht an“, steht inzwischen auf seiner Homepage. Im Interview mit dem Münchner Merkur erklärt Benno Maier, warum Brennholz ein rares Gut geworden ist, wieso die Preise steigen und wie er persönlich die Entwicklung einschätzt.

Können sich vor Anfragen kaum retten: Eva und Benno Maier bekommen teilweise über 100 Anrufe für Brennholz-Bestellungen am Tag. Jetzt mussten sie die Notbremse ziehen.
Können sich vor Anfragen kaum retten: Eva und Benno Maier bekommen teilweise über 100 Anrufe für Brennholz-Bestellungen am Tag. Jetzt mussten sie die Notbremse ziehen. © Privat

Brennholz wird knapp: „Habe an manchen Tagen über 100 Anrufe“

Herr Maier, warum gibt’s bei Ihnen kein Brennholz mehr?

Das war im vergangenen Jahr schon knapp. Und diesmal haben die Leute schon im Frühjahr große Holzmengen bestellt, aus Angst, dass sie sonst nichts mehr bekommen. Das ist völlig untypisch. Normalerweise geht es vor Herbst bei uns nicht los mit den Bestellungen. Jetzt hab ich an manchen Tagen über 100 Anrufe. Und die Leute sind nicht immer freundlich, wenn sie hören, dass es nichts mehr gibt. Viele sind sogar panisch und haben Angst, dass sie im Winter frieren müssen. Ich kann das verstehen, ich bin aber auch nicht dafür verantwortlich, dass jeder am Ende heizen kann. Ich komme so schon kaum mehr hinterher, ich habe sogar schon Holz verkauft, dass noch nicht mal getrocknet ist. Das geht selbst mir inzwischen an die Substanz, sodass ich jetzt die Notbremse ziehen musste und erst mal keine Anfragen mehr annehme.

Holzbauern geht Rohstoff aus: „Leute sind panisch und haben Angst, dass sie im Winter frieren müssen“

Warum können Sie denn nicht einfach mehr Holz anbieten, wenn die Nachfrage steigt?

So einfach ist das eben nicht. Bei mir sind die Mengen sogar um ein Drittel zurückgegangen. Das hängt mit der Trocknung des Holzes zusammen. Früher habe ich mein Holz in der Biogasanlage in Kirchstockach trocknen lassen können. Die Anlage wurde aber aus dem Betrieb genommen. Jetzt muss ich 35 Kilometer weit fahren bis zur nächsten Anlage zum Trocknen. Das heißt, ich habe einen viel größeren Aufwand und auch Kosten durch den weiteren Weg. Dazu kommt, dass in der Anlage ja nicht nur Holz getrocknet wird, sondern auch Getreide zum Beispiel. Und ich mache das ja auch nur als Nebenzweig, ich habe ja noch eine ganze Landwirtschaft, um die ich mich kümmern muss.

Holzpreise explodieren: „Könnte das Doppelte verlangen und Leute würden es mir abkaufen“

Das heißt, ihre Kosten und damit die Preise fürs Holz sind dementsprechend auch höher?

Meine Produktionskosten sind natürlich mit den höheren Energiekosten auch gestiegen. Ich brauche Diesel, um zur Trocknungsanlage zu fahren, meine Spaltmaschinen laufen mit Strom. Ich habe den Verkaufspreis dementsprechend anpassen müssen. Ein Ster Holz kostet bei mir jetzt 150 Euro, letztes Jahr waren es 115 Euro. Ich könnte sogar das Doppelte verlangen und die Leute würden es mir abkaufen aus ihrer Angst heraus. Ich will das aber nicht ausnutzen.

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Die Preise für Brennholz steigen, die für Industrieholz sinken. Wie passt denn das zusammen?

Brennholz ist mit Industrieholz nicht vergleichbar. Energieholz ist eine ganz eigene Nische. Davon abgesehen, sind in den vergangenen Jahren die Preise für Industrieholz massiv gestiegen, jetzt gehen sie wieder etwas runter. Während der Preis fürs Brennholz relativ stabil geblieben ist. Es stimmt also nicht, dass Industrieholz schon immer günstig war und jetzt noch billiger wird.

Hohe Holzpreise: „Bin überzeugt, dass das in den nächsten fünf Jahren noch so bleiben wird“

Wann glauben Sie, wird sich das wieder ändern?

Ich bin überzeugt, dass das in den nächsten fünf Jahren noch so bleiben wird. Es sind einfach andere Zeiten angebrochen. Die Menschen werden aus ihrem Wohlstandstum herausgerissen und spüren jetzt die Konsequenzen.

Sie meinen, dass wir viel zu verwöhnt sind, dass alles immer verfügbar sein muss?

Erstens das und dann auch die Haltung, dass alles billig sein muss. Die Importe von billigem Holz aus Osteuropa haben in den vergangenen Jahren unseren Markt hier kaputtgemacht. Viele Holzbauern haben aufgehört, weil es sich einfach nicht mehr rentiert hat. Jetzt bleiben die Importe aus diesen Ländern aus, weil sie Krisengebiete sind, wie die Ukraine, oder weil dort eben auch die Energiekosten explodieren. In Rumänien etwa kostet der Liter Diesel inzwischen drei Euro. Da lohnt es sich nicht mehr, die Lastwagen loszuschicken. Die Folgen dieser globalen Abhängigkeiten spüren wir jetzt: Der Brennholz-Markt ist nur noch zur Hälfte gedeckt.

Haben Sie denn auch noch Hoffnung?

Meine Hoffnung ist nur, dass sich das Bewusstsein der Menschen durch diese Situation jetzt wieder etwas ändert. Dass man vom Überfluss und von „Alles-muss-billig-sein“ wieder etwas zurückkehrt zur Basis. Dass man dankbar ist, wenn man ein Dach über dem Kopf und genug zu essen hat und gesund ist. Dass man im Jahr nicht viermal in den Urlaub fliegen muss, damit das Leben lebenswert ist. Und dass man Regionalität und heimische Produkte wieder mehr zu schätzen weiß.

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