Leonhard Estendorfer
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Leonhard Estendorfer war die Stütze vieler Vereine.

Mit Leonhard Estendorfer starb der Letzte der Krieger- und Soldatenkameradschaft Hohenbrunn

Der „Hartl Harde“ war immer für andere da

  • Wolfgang Rotzsche
    vonWolfgang Rotzsche
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Leonhard Estendorfer ist in Hohenbrunn geboren. Und dort, wo er gelebt und gearbeitet hat, in aller Stille jetzt zu Hause für immer eingeschlafen. Dazwischen liegen 94 schaffensreiche und bewegte Jahre.

Mit seinem Tod ist nun auch die Krieger- und Soldatenkameradschaft (KSK) Hohenbrunn zu Grabe getragen worden. Im Verein war der am 12. August 1926 Geborene der letzte Soldat, der den Zweiten Weltkrieg als solcher auch miterleben musste. Damit verloren geht auch ein Stück Wissen über das, was einzelne Menschen an der Front erleben mussten. Zumal Leonhard Estendorfer auch in französischer Kriegsgefangenschaft war. Das sind Erlebnisse, die einen prägen. Deswegen war es für ihn auch selbstverständlich, der KSK 1964 beizutreten. „Die Kameradschaft lebte er aus innerer Überzeugung. Es musste schon ein besonderes Ereignis vorliegen, dass er eine Veranstaltung seiner Kameraden versäumte“, so der Vorsitzende Alexander Bujak.

Zwischen 1974 und 2000 war Estendorfer zudem Böllerschütze. Mit seiner Kanone nahm er auch an einem Klassik-Openair-Konzert im früheren Munitionsdepot teil, bei dem er erstmalig seine Schüsse nach Noten abgeben musste. 1998 ernannte ihn die KSK zum Ehrenmitglied, 2000 zum Ehrenkanonier.

Mann der ersten Stunde im Schützenverein

Der „Hartl Harde“, benannt nach dem Hof, von dem Estendorfer stammt, war auch anderweitig in den Vereinen aktiv. Beispielsweise bei den Schützen. „Da war er sogar ein Mann der ersten Stunde“, wie Schützenmeister Lothar Birkner betont. Bereits im Dezember 1951 gehörte Estendorfer zu den Wiedergründern der Schützengesellschaft „Gemütlichkeit“ Hohenbrunn nach dem Zweiten Weltkrieg. Zwischen 1970 und 1989 war er dort Mitglied im Vereinsausschuss. Die Schießabende im Winterhalbjahr waren für ihn bis ins hohe Alter selbstverständlich ein Pflichttermin. Und wenn’s ging, dann gehörte er auch zu den Teilnehmern beim Preisschießen und anderen Veranstaltungen. 1998 wurde er Schützenkönig, worüber er sich sehr freute. Schließlich war er da ja schon im Seniorenalter.

Kameradschaft und Idealismus

„Seine fast 70-jährige Mitgliedschaft in unserem Verein war geprägt von Kameradschaft und Idealismus zum Schützenwesen“, betont Birkner. Wenn ein Kessel fürs Kesselfleischessen benötigt worden ist oder der Verein für die Unterbringung und Lagerung von Gegenständen Räumlichkeiten benötigte, waren die Schützen bei Leonhard Estendorfer beim richtigen Mann. 1996 wurde er bereits Ehrenmitglied. Besonders stolz war er auch auf das Protektorzeichen seiner Königlichen Hoheit Prinz Albrecht.

Seit seinem 18. Geburtstag war Leonhard Estendorfer auch bei der Feuerwehr – damals selbstverständlich im Dorf. 42 Jahre war er aktives Mitglied, ganze 77 Jahre Vereinsmitglied. Leonhard Sigl, Vorsitzender der Wehr, erinnert sich an einen fleißigen Mitbürger, der immer für andere da war. Es sei schade, dass nun auch er nicht mehr unter den Ortsansässigen lebe. Das schmerzt auch Stefan Straßmair. „Ich habe ihn sehr, sehr geschätzt“, sagt der CSU-Bürgermeister. „Er war ein ganz lieber Mensch. Und eines der letzten Originale Hohenbrunns.“

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