Nadine Geib
+
„Ich freue mich über jeden Schritt, den ich machen kann, ohne nach Luft zu hecheln“, sagt Nadine Geib

Im Oktober hat sie sich infiziert

„Der Körper ist einfach fertig“: Hohenbrunnerin berichtet über schwere Corona-Erkrankung

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
    schließen

Corona wird auch nicht schlimmer sein als eine Grippe. Das zumindest glaubte Nadine Greib aus Hohenbrunn– bis sie Ende Oktober schwer an Covid-19 erkrankte. Noch immer leidet sie darunter.

Hohenbrunn – Als die 44-jährige Nadine Geib am 30. Oktober mit Schnupfen aufwacht, denkt sie zunächst nicht an das Coronavirus. Die Erzieherin aus Hohenbrunn geht zur Arbeit. Als sie sich am Freitagnachmittag mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Heimweg macht, bekommt sie Schüttelfrost. Gegen Abend hat sie auch Husten und Fieber, 39,5 Grad Celsius.

Das Wochenende verbringt sie im Bett. Am Montag lässt sie an der Teststation in Hohenbrunn den Abstrich auf Covid-19 machen. Er ist positiv. „Keine Ahnung, wo ich mich infiziert habe. Vielleicht in der U- oder S-Bahn“, sagt die zierliche, blonde Frau und zuckt mit den Schultern..

„Ich dachte, es bleibt bei Husten, Schnupfen und Fieber“

„Ich dachte, es bleibt bei Husten, Schnupfen und Fieber“, erzählt die Hohenbrunnerin, die mit Mann und Sohn zusammenlebt. Beide bleiben von der Krankheit verschont.

In den nächsten Tagen wurden die Symptome immer schlimmer. „Ich bekam Durchfall und vor allem Atemnot. Es war, als ob jemand auf meinem Brustkorb sitzen würde.“ So fühlt es sich auch Wochen später noch an. Dazu kommen Lähmungen. „Meine linke Körperhälfte war zeitweise wie eingeschlafen“, zweimal steht sie kurz davor, sich in eine Klinik zu begeben. In den folgenden Tagen leidet sie zusätzlichen an Knochenschmerzen und hält es nur noch im Liegen aus. Jeden Morgen hofft Nadine Geib aufs Neue, dass ihr Zustand besser wird. „Aber gar nichts wurde besser.“ Sie kann wenig tun, „nur Paracetamol nehmen, viel schlafen und es aussitzen.“ Die Familie ist in Quarantäne und steht telefonisch in Kontakt mit der Hausärztin. Ehemann und Sohn kümmern sich um die Schwerkranke.

Die 44-Jährige fühlte sich „wie eine alte Frau“

Sie schläft viel. Doch der Schlaf ist nicht erholsam. Nach zweieinhalb Wochen halten die Beschwerden immer noch an. Sie ist erschöpft, kann nur wenig Nahrung aufnehmen und noch lange nicht ihr gewohntes Leben führen. Als am 19. November der PCR-Test negativ ist, würde die Erzieherin, die Familien in Krisensituationen unterstützt, gerne wieder arbeiten. Aber daran ist nicht zu denken. Ihre Lunge ist stark entzündet. „Ich fühle mich wie eine alte Frau“, sagt Nadine Geib. Schon nach wenigen Schritten ist die 44-Jährige außer Atem. Ihre Lungenfachärztin hält sie noch lange nicht für alltagstauglich. Sie berichtet, dass Patienten, die im März einen schweren Verlauf durchmachten, erst im November richtig gesund wurden. Die Betroffenen bräuchten sehr viel Geduld, oft würden die Symptome sechs Monate anhalten, bevor sie sich zurückbildeten.

„Ich bin unglaublich dankbar, dass meine Chefin so viel Verständnis hat und mir immer wieder versichert: Die Gesundheit geht vor“, sagt Nadine Geib. Auch acht Wochen nach der Infektion fühlt sie sich schlapp und leidet unter Schwindel. Das Treppensteigen fällt ihr schwer. Nach einer dreiviertel Stunde Spaziergang braucht sie zwei Stunden Ruhe. „Ich freue mich über jeden Schritt, den ich machen kann, ohne nach Luft zu hecheln. Der Körper ist einfach fertig.“ Acht Kilo hat sie inzwischen abgenommen, Magen und Nieren schmerzen, die Haare gehen ihr aus.

Nadine Geib wünscht sich, dass die Menschen die Krankheit ernst nehmen, Kontakt vermeiden und sich schützen: „Die Leute sollten durchhalten und die AHA-Regeln befolgen. Denn das Virus ist aggressiv, und es ist da.“

Über alle Entwicklungen rund um das Coronavirus im Landkreis München informieren wir in unserem News-Ticker. Alles, was sie zum Thema Impfen wissen müssen, erfahren Sie in unserem Überblick.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare