Drama an Gesamtschule: Minderjähriger tötet Mitschüler

Drama an Gesamtschule: Minderjähriger tötet Mitschüler
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Pauken in den Ferien: Die Asylbewerber lernen bei Walter Berger, wie man mit Geld gut umgeht. 

Einwöchiger Workshop für jugendliche Flüchtlinge in Hohenbrunn

"Wer Geld hat, ist frei"

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Hohenbrunn – Datenschutz, Finanzen und Co.: Während Schüler die Sommerferien genießen, pauken junge Asylbewerber in der Mittelschule. 

Walter Berger zeichnet ein großes Kreuz an die Tafel. In dem Klassenzimmer der Mittelschule Hohenbrunn sitzen um 9 Uhr vormittags zwölf junge Asylbewerber aus Afghanistan, Mali, Syrien und Ägypten im Stuhlhalbkreis. Sie hören mal mehr mal weniger zu. Das Thema lautet: „Taschengeld-Management“. 

Berger beschriftet die vier Felder des Kreuzes mit den Wörtern: Einnahmen, Ausgaben, Vermögen und Schulden. Er erklärt: Je weniger Schulden und Ausgaben – zum Beispiel aus teuren Handyverträgen oder Internetkäufen –, desto höher das Vermögen. „Wer Geld hat, ist frei“, sagt Berger. 

Er dreht sich um und fragt, während er mit beiden Händen gestikuliert: „Ist das irgendwie verständlich?“ Die einen nicken, die anderen zeigen keine Reaktion. 

Es ist ein unverschämt sonniger Tag in den großen Sommerferien. Kinder und Jugendliche fahren mit dem Fahrrad an den See oder die Isar. Für die meisten ist Mathe, Deutsch oder Religion erst im neuen Schuljahr wieder ein Thema. Die Schulen im Freistaat sind leer. Nur in der Mittelschule Hohenbrunn pauken in dieser Woche junge Männer aus Ländern wie Afghanistan, Syrien oder Mali. Die 17- und 18-Jährigen sind ohne einen Familienangehörigen nach Deutschland gekommen, die meisten erst vor ein paar Monaten. Anders als andere Jugendliche in ihrem Alter können sie sich im Sommer keine Pause leisten. 

Sie müssen lernen, was selbstverständlich ist: Wie füllt man das Formular beim Arzt aus? Wie eröffne ich ein Girokonto? Welchen Handyvertrag kann ich mir leisten und welchen nicht? All diese Dinge bereiten ihnen Schwierigkeiten. Hinzu kommt, dass sie gerade erst dabei sind, Deutsch zu lernen. 

Beim Stützpunkt für Verbraucherbildung an der Volkshochschule Südost hat man daher eine Bildungswoche für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge organisiert. Die jungen Männer werden unterrichtet in Schulden-Management, Internet- und Datenschutz. Außerdem gibt es den Kurs „Alltagskompetenzen und interkulturelles Training.“ 

Darin sitzen zum Beispiel Nazir und Farhad. Die beiden 18-jährigen Afghanen wohnen in einer Flüchtlingsunterkunft in Riemerling. Die Dozentin Concetta D’Arcangelo hat drei Gruppen gebildet. Jeweils fünf Schüler sollen untereinander Gemeinsamkeiten herausfinden und diese anschließend vorstellen. In der Pause stehen Nazir und Farhad beieinander. Dann kommt Abdi, 18, aus Äthiopien dazu. Die drei unterhalten sich auf Deutsch. Farhad sagt, ihm nütze sehr, was er hier lerne. Er wusste zum Beispiel nicht, wie man ein Giro-Konto eröffnet. Nazir sagt, er verstehe manchmal nicht alles, was die Dozentin sagt. Was er aber mitgenommen hat: „Es ist wichtig, im Team gut zusammenzuarbeiten.“ 

Auch im Kurs von Walter Berger merkt man, dass manche dem Unterricht besser folgen können als andere. Vor diesem Hintergrund macht es Sinn, dass Berger mit den Flüchtlingen ein Brettspiel spielt, das er selbst erfunden hat – Spielregeln sind schließlich eine Art universelle Sprache. Das Ganze ist eine abgewandelte Version von Mensch ärgere Dich nicht. Ein junger Afghane ist die Bank. Er zahlt zu Beginn jedem Mitspieler 3000 Euro aus. Der Erste würfelt. Er landet mit seiner Spielfigur auf einem roten Feld und muss eine sogenannte „Ausgaben-Karte“ ziehen. Er liest vor, was darauf steht: „Du kaufst dir ein Cinema Soundsystem. Kosten: 500 Euro.“ Entweder man zahlt direkt in bar oder in Raten. Er überlegt. Die anderen beeinflussen ihn: Mach bloß keine Schulden auf Rate, sagen sie. Der junge Mann zückt den 500er und zahlt direkt.

Thomas Radlmaier

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