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Die Realschule kommt nach Hohenbrunn. Symbolbild

Zweckverband

Entscheidung gefallen: Neue Realschule soll in Hohenbrunn gebaut werden

  • Wolfgang Rotzsche
    vonWolfgang Rotzsche
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  • Stefan Weinzierl
    Stefan Weinzierl
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Der Zweckverband hat sich festgelegt: Die neue Realschule im Südosten des Landkreises soll in Hohenbrunn gebaut werden. Den Standort nahe am Bahnhof halten viele für nachhaltiger.

Hohenbrunn - Die Gemeinde Hohenbrunn ist der neue favorisierte Standort des Schulzweckverbands Staatliche weiterführende Schulen im Südosten des Landkreises München für den dringend benötigten Neubau einer Realschule. Dafür hat sich am Freitagmittag eine große Mehrheit in der Zweckverbandsversammlung ausgesprochen. 21:8 hieß am Ende das Abstimmungsergebnis. Selbst ohne die elf Stimmen des Landkreises hätten die Befürworter des Grundstücks nahe des Hohenbrunner Bahnhofs eine Mehrheit gehabt.

Den Vorschlag von Ottobrunns Rathauschef Thomas Loderer (CSU), die Standortentscheidung noch einmal zu verschieben, bis die Planung in Hohenbrunn konkreter ist, lehnte der Verbandsvorsitzende, Landrat Christoph Göbel (CSU) ab. „Wir müssen eine Entscheidung fällen“, sagte Göbel. Das sei man beiden Gemeinden – vor allem aber Höhenkirchen-Siegertsbrunn – schuldig.

Synergieeffekte an beiden Standorten möglich

Die Bürgermeisterin von Höhenkirchen-Siegertsbrunn, Mindy Konwitschny (SPD), hatte zuvor daran erinnert, wie wichtig die Standortentscheidung auch für die Erich-Kästner-Schule im Ort sei. Die Grund- und Mittelschule muss dringend saniert und erweitert werden. In Höhenkirchen hatte man sich durch den Neubau einer Realschule direkt daneben Synergieeffekte erhofft.

An Synergieeffekte glaubt auch Hohenbrunns Bürgermeister Stefan Straßmair (CSU), wenn die Realschule in seine Gemeinde kommt. Denn auf der vorgesehenen Fläche nördlich der Taufkirchner Straße und westlich des S-Bahn-Gleises könnte auch die bisher in Riemerling angesiedelte Montessori-Schule ihre neue Heimat finden. Auch ansonsten sieht sich Straßmair gut aufgestellt. Der Gemeinderat steht hinter der Entscheidung, sich um die Realschule zu bewerben, die Verhandlungen mit dem Grundstückseigentümer sind positiv verlaufen und der Rückstand, den seine Gemeinde bei der Bauleitplanung hat, sei minimal. „Wir stehen also bereit“, lautete Straßmairs Fazit.

Hohenbrunner setzen mit Grundsatzbeschluss ein Zeichen

Hohenbrunns Bürgermeister Stefan Straßmair kam gut gerüstet in die Schulzweckverbandsversammlung. Erst am Vorabend hatte sein Gemeinderat einen Grundsatzbeschluss für den Bau der Realschule auf Hohenbrunner Flur getroffen – und zwar einstimmig. Auch die Gespräche mit dem Eigentümer, dem der Großteil der Flächen nördlich der Bundesstraße gehört und auf denen die Schule errichtet werden soll, verliefen seinen Ausführungen zufolge positiv. Die Flächen werden aktuell landwirtschaftlich genutzt, sind aber im Flächennutzungsplan bereits als Allgemeines Wohngebiet, Gemeindebedarfsfläche und Fläche für Sportanlagen festgesetzt. Der Eigentümer – nach Merkur-Informationen handelt es sich um die Doblinger Unternehmensgruppe – ist, wie Straßmair im Gemeinderat erläuterte, bereit, etwa 25 000 Quadratmeter aus der Fläche östlich der Hohenbrunner Straße der Gemeinde zur Verfügung zu stellen und bei den Planungen mitzuwirken. Hinzu kämen optional weitere 15 000 Quadratmeter Fläche für Außensportanlagen westlich der Hohenbrunner Straße.Was dort auf grüner Wiese dann tatsächlich entstehen könnte, sollen die Gespräche in einer Klausur des Gemeinderats ergeben. Der Schulstandort ist im südlichen Bereich des Areals vorgesehen, also nahe der Bundesstraße und dem Bahnhof. Die Schule wäre somit von der S-Bahnstation in 150 bis 200 Meter zu Fuß erreichbar und bereits gut ans Radwegenetz angebunden, betonte der Bürgermeister.

Den Zeitvorsprung, den Höhenkirchen noch hat, schätzte Göbel auf Nachfrage von Brunnthals Bürgermeister Stefan Kern (CSU) auf ein halbes Jahr. Kern hatte zuvor keinen Hehl daraus gemacht, dass er eine Realschule in Höhenkirchen bevorzugt, weil diese für seine Schüler näher und damit schneller erreichbar sei. Loderer und Neubibergs Gemeindeoberhaupt Thomas Pardeller (CSU) favorisierten Hohenbrunn als nachhaltigeren Standort, weil in S-Bahn-Nähe.

Realschule Neubiberg wird bei Hohenbrunner Standort stärker entlastet

„Es hat noch niemand geschadet, wenn er einmal ein paar Hundert Meter zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren muss“, betonte Putzbrunns Rathauschef Edwin Klostermeier (SPD). Mit Verweis auf die Schülerströme sprach er sich für den südlicheren Standort, also Höhenkirchen aus. Doch dieses Argument wusste Göbel mit Fakten zu entkräften. Denn die zu erwartenden Schülerströme sprechen für den Standort Hohenbrunn. Wird dort die Realschule gebaut, würde die aus allen Nähten platzende Realschule in Neubiberg mit 512 verbleibenden Schülern deutlich mehr entlastet, als bei einer Realschule in Höhenkirchen (616 verbleibende Schüler). Ein Grund warum Göbel und die anderen Landkreis-Vertreter letztlich für Hohenbrunn votierten. „Hätten wir damals schon den Alternativstandort Hohenbrunn gehabt, hätten wir gleich so entschieden“, vermutete der Landrat.

Bei Konwitschny, die zuvor noch ein flammendes Plädoyer für ihre Gemeinde gehalten hatte („Wir können sofort loslegen.“) hielt sich die Trauer nach der Abstimmungsniederlage in Grenzen. „Wir können jetzt endlich die Planung für die Erich-Kästner-Schule vorwärtsbringen“, sagte sie. Dabei müsse man keine Rücksicht mehr auf den Zweckverband nehmen. Dass bedeutet aber auch: Je nachdem, was man für die Erich-Kästner-Schule plant, könnte Höhenkirchen als Realschulstandort nicht mehr zur Verfügung stehen.

Freude wiederum bei Straßmair. „Jetzt gehen wir’s an“, meinte er. Er wolle jetzt mit dem Gemeinderat schnell die Planung vorantreiben, vor allem aber auch für eine ordentliche Bürgerbeteiligung sorgen.

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