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Eva Malo aus Riemerling gab ihren Bank-Job auf, um Yoga-Lehrerin zu werden

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Von: Bernadette Heimann

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Eva Malo, Yogalehrerein aus Riemerling,  zeigt den „herabschauenden Hund“
Eva Malo zeigt den „herabschauenden Hund“. © Privat

Eva Malo aus Riemerling hat ihren Bank-Job aufgegeben, um Yogalehrerin zu werden. Zu einer Zeit, als das noch als sehr exotisch galt.

Riemerling – Der Weg zu mehr Gelassenheit und Entspannung beginnt mit einer etwa zehnminütigen Anfangsmeditation. Eva Malo sitzt aufrecht mit verkreuzten Beinen, die Arme ausgebreitet neben dem Körper, auf einer hellrosa Yogamatte. Vor ihr steht eine Schale mit einer brennenden Kerze. Sie schließt die Augen. „Du kommst für Dich in einen aufrechten Sitz“, sagt die Riemerlingerin mit ruhiger und angenehmer Stimme in den Raum, in dem im Halbkreis ihre Schüler ihre Matten ausgelegt haben. „Du spürst die Stellen der Füße, die die Matte berühren. Nimmst ganz bewusst Deine Fußsohlen und Deine Fersen wahr.“ Zwischen den Sätzen macht sie einige Sekunden Pause. So geht es langsam den Körper hinauf – bis zum bewussten Ein- und Ausatmen. Die Meditation endet mit dem Satz: „Der Blick geht zu Boden, Du öffnest die Augen und kommst dann wieder nach außen.“ Eva Malo legt die Handinnenflächen aneinander, beugt sich nach vorn, mit dem Kopf bis zum Boden und sagt: „Namasté.“

Seit 16 Jahren gibt sie Yoga-Unterricht

Seit 16 Jahren unterrichtet die 50-Jährige, verheiratet und Mutter von zwei erwachsenen Töchtern, als zertifizierte Lehrerin Hatha-Yoga im Untergeschoss des Wichtelhauses West in Riemerling (www.enjoy-yoga.de). Hatha-Yoga steht für einen langsamen, kraftvollen Wechsel einzelner Haltungen, außerdem gehören Atemübungen und Meditationen dazu. Ihre ersten Schüler waren Eltern der Wichtelhaus-Kinder, nach einiger Zeit unterrichtete sie auch manche der Zwergerl, und so konnte die selbstständige Yogalehrerin mit der Zeit immer mehr Kurse anbieten.

Vor 30 Jahren packte sie die Faszination für Yoga

Ihre Faszination für Yoga, der 5000 Jahre alten indischen Lehre, die Körper und Geist zusammenbringt, entdeckte Malo vor etwa 30 Jahren. Damals besuchte sie mit ihrer Schwester einen Kurs an der Volkshochschule. Die Frau mit dem schicken Kurzhaarschnitt lacht. „Damals war das noch bissl schwierig. Yoga wurde ja eher in die Öko-Ecke gestellt.“ Körperhaltungen (Asana), Atemübungen (Pranayama), Übungen zur Konzentration und Meditation (dharana) – was heute in ist, galt damals als ungewöhnlich oder wurde belächelt. „Mich hat Yoga nicht mehr losgelassen“, sagt Malo. Als ihre zweite Tochter drei Jahre alt geworden war und nach sechs Jahren Elternzeit die Entscheidung anstand, ob die gelernte Bankkauffrau in ihrem Job als Anlageberaterin weiter arbeitet, fasste sie schließlich den Entschluss: „Ich gehe nicht mehr in die Bank zurück.“ Sie habe aus vollstem Herzen beschlossen, ihre große Leidenschaft zum Beruf zu machen, erzählt Malo, dann lächelt sie und ihre hellbraunen Augen leuchten.

Zur Serie

Der Landkreis München ist voller interessanter Menschen, die viel aus ihrem Alltag zu erzählen haben. Wie sieht ihr Leben aus? Wie arbeiten sie? Wo sind die Schwierigkeiten? Was ist für sie das Besondere am Landkreis? Wie verbringen sie ihre Freizeit? Wovon träumen sie? Wovor haben sie Angst? All das will die neue Serie „Menschen im Landkreis“ beleuchten. 

Was folgte, waren vier Jahre und 1100 Unterrichtseinheiten im Yoga Mandiram in München nach der Lehre des Inders Krishnamacharya (1888-1989). „Yoga“, erläutert Malo, „ist die Einheit von Atem, Körper und Geist.“ Zu den Lehrinhalten der Ausbildungsschule in München zählen neben Hatha-Yoga, medizinische Grundlagen, Meditation, Psychologie, Geschichte, Philosophie und Quellentexte des Yoga auch Unterrichtsgestaltung und Praktika. Auch ein Schweigeseminar gehörte dazu. Darüber hinaus machte Malo eine Zusatzausbildung und darf auch therapeutisches Yoga unterrichten.

Seit Juni wieder Präsenzunterricht

Seit Mitte Juni trifft sie wieder ihre Schüler im Sportraum in Riemerling, wegen der Pandemie hatte sie zeitweise ihren Teilnehmern Youtube-Videos der Stunde zur Verfügung gestellt. Sechs Erwachsenengruppen und eine für Kinder unterrichtet sie derzeit pro Woche. Den Fußboden im Trainingsraum hat Malo mit mehreren Kreuzen aus Klebeband markiert – damit die Teilnehmer ihre Matten, die sie momentan coronabedingt selber mitbringen müssen, im ausreichenden Sicherheitsabstand voneinander platzieren können. Bequeme Kleidung und eben besagte Matte, eventuell noch ein kleines Kissen – mehr braucht es nicht, sagt die Yogalehrerin. „Ich verwende keine Hilfsmittel.“

Keine Verrenkungen und Verbiegungen

Mit „Verrenkungen und Verbiegungen“ hätten ihre 60-minütigen Kurse nichts zu tun, betont Malo. „Yoga muss dem Menschen angepasst sein und nicht umgekehrt.“ Ein perfekt ausgeführter Lotussitz? Nicht nötig. Wer beispielsweise „Knieweh“ habe, „kann das Bein auch ausstrecken. Yoga ist für jeden etwas, man muss sich nur darauf einlassen.“ Malos älteste Kursteilnehmerin ist 78 Jahre alt, die jüngsten in den Kinderkursen waren damals drei. Keineswegs seien die Unterrichtseinheiten nur Frauensache. „Die Herren sind die zuverlässigsten“, sagt die Lehrerin. Jeden Montagabend besuchten die Teilnehmer den reinen Männerkurs. „Lustigerweise wurden sie zunächst wohl von ihren Frauen oder Kindern geschickt.“

Mit beiden Beinen fest im Leben

Yoga, da ist sich Eva Malo ganz sicher, werde immer zu ihrem Leben gehören. Es sei zum einen hilfreich im Umgang mit den Herausforderungen des Alltags, sagt die Riemerlingerin: „Beim Yoga geht es nicht darum, auf dem Kopf zu stehen, sondern mit beiden Füßen fest im eigenen Leben.“ Außerdem stärke Yoga, „unsere Wirbelsäule, die uns durchs Leben trägt. Und man ist beim Yoga vollkommen im Hier und Jetzt. Das ist die Faszination.“

Ebenfalls Teil der Serie: Der Bäcker Anton Pettinger aus Aying verbindet eine junge Familie und Frühaufstehen. Er liebt seinen Beruf, obwohl er auf so manches verzichten muss. 

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