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Das MVG-Mietrad ist ein umstrittenes Gut. Die Ottobrunner Politik wird demnächst darüber entscheiden. 

Mieträder ja oder nein?

Patt: Es bewegt sich nichts fort

  • Marc Schreib
    vonMarc Schreib
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Beim Thema MVG-Mieträder hat jetzt Sabine Athen (SPD) Bürgermeister Loderer (CSU) scharf angegriffen. Hintergrund war, dass die SPD gemeinsam mit den Grünen einen Antrag formuliert hatte, wonach Ottobrunn eine Entscheidung zum MVG-Mietradsystem bis Ende September treffen solle.

Ottobrunn – Der Landkreis München gibt im Herbst eine neue Bestellung auf. Angesichts der Sommerpause sei Eile geboten, finden SPD und Grüne. Überdies sollen Möglichkeiten einer Zusammenarbeit mit der Gemeinde Hohenbrunn sowie Taufkirchen und Perspektiven von Firmenbeteiligten dargelegt werden.

Eine Dringlichkeit konnte Bürgermeister Thomas nicht erkennen, wollte aber eine Diskussion nach eigenen Worten nicht aus dem Weg gehen. Er habe sich in Hohenbrunn erkundigt. Demnach befürworte der Umwelt- und Klimaausschuss im Grundsatz Mietradstationen, sechs Stück seien im Gespräch, unter anderem auch der S-Bahnhof Ottobrunn. Eile sei aber nicht geboten. Aussagen von Firmen oder gar der Gemeinde Taufkirchen seien bis zur nächsten Gemeinderatssitzung nicht zu erwarten. Für Tania Campbell (Grüne) ein Missverständnis, denn die Dringlichkeit sei nicht an diese Punkte geknüpft. Vielmehr müsse man sich beeilen, bei der Herbstbestellung des Landkreises rechtzeitig zum Zug zu kommen. Aber auch das hielt der Bürgermeister für nicht dringlich, man könne sie bestimmt auch danach bestellen.

Mit Recherche unzufrieden

Sabine Athen wurde persönlich und schimpfte in Richtung Loderer: „Sie sind nicht in der Lage, einen Antrag zu lesen.“ Schließlich habe man ihn gestellt, um Zahlen und damit eine Grundlage für einen Gemeinderatsbeschluss zu erhalten. Die Verwaltungsvorlage gibt aus ihrer Sicht keine hinreichende Antwort. Beispiel Bundeszuschüsse. Die, so Sabine Athen, gebe es gar nicht mehr, obwohl aufgeführt. Die Vorlage sei eine Frechheit. Sie beklagte eine fehlende Tiefe in der Recherche der Verwaltung und vermisste eine Aufstellung möglicher sinnvoller Standorte für die Mieträder, auch in Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden oder mit Firmen. Ein Wirtschaftsreferent könne dem Bürgermeister genau erklären, wie das mit dem Sponsoring funktioniere: „Man darf auch zum Telefon greifen und die Bürgermeister wie in Unterhaching anrufen und fragen, wie das läuft.“ Sie sah keine Entscheidungsreife und beantragte, keinen Beschluss zu fassen.

Fragen klarer formulieren

In aller Ruhe antwortete ihr Bürgermeister Loderer, dass ihr der „gespielte Sarkasmus“ nicht stehe. „Das kommt nicht gut. Abgesehen davon, dass Sie auch ein paar Beleidigungen geliefert haben, für die es eine Entschuldigung bräuchte.“ Er bat darum, künftig die Fragen klarer zu formulieren. Abgesehen davon gebe es schon eine Beschluss des Gemeinderats. Dort wurden bereits die Zahlen geliefert. Martin Thorn von der Umweltabteilung habe auch jetzt sehr sachlich die fehlende Attraktivität des MVG-Mietrades an Zahlen dargestellt – „gemessen an der minderen Qualität des Antrags“. In dieser Güte liefere nicht einmal das Landratsamt Zahlen, obwohl es sich laut Loderer nicht scheue, Erfolgsmeldungen zu verkünden. In den vereinfachten Rechenmodellen der Ottobrunner Verwaltung lägen die Unschärfen eher zugunsten der Mieträder.

Angebotsmix wünschenswert

Eines hat sich herauskristallisiert: Ziel aller Fraktionen ist es, den öffentlichen Nahverkehr zu stärken, durch einen Angebotsmix. Für die Grünen, ÖDP und SPD wäre ein Mietradsystem in diesem Zusammenhang eine wünschenswerte Ergänzung, die CSU und BVO sehen darin momentan keinen Nutzen für die Ottobrunner Bürger. Bürgermeister Loderer: „Wir müssen die Steuerzahler schützen.“ Es gebe keine nachvollziehbare Nutzerqualität. Zum Beispiel verlagere sich der Verkehr nach einer Studie von 2015 nur zu etwa 0,2 Prozent auf die Verleihräder. Das Mietrad könne vielleicht dereinst eine wichtige Rolle in einem Mobilitätskonzept spielen: Auch im Hinblick auf eine Verknüpfung der Park and Ride Anlage in Neuperlach Süd mit Neubiberg und dem nördlichen Teil Ottobrunns. Heute aber nicht.

Doris Popp (Grüne) plädierte dafür, an die Jüngeren zu denken. „Wenn ich mich hier umschaue, sitzen doch etliche Silberrücken an den Tischen, und unser Verkehrsverhalten lässt sich nicht so leicht ändern.“ Sie möchte fünf Stationen vorschlagen: an der Lenbachallee, in der Ortsmitte, am Phoenixbad, an der Robert-Koch-Straße und am S-Bahnhof.

Im Ausschuss herrschte ein Patt, sodass dem Gemeinderat keine mehrheitliche Empfehlung an die Hand gegeben wird. Nichtsdestotrotz wird darüber in der Juli-Sitzung beraten.

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