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Weil er riesige PV-Anlage abbauen muss: Solar-Rebell will nach Spanien flüchten

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Von: Stefan Weinzierl

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Das Ausmaß der PV-Anlage kann man gut auf dem Luftbild erkennen.
Das Ausmaß der PV-Anlage kann man gut auf dem Luftbild erkennen. © Google Maps

Auf dem Dach, an der Fassade, ja selbst entlang des Zauns: Überall hat ein Hohenbrunner PV-Module installiert. Doch nun soll er sie abbauen. Er überlegt nun, nach Spanien zu flüchten.

Hohenbrunn – An ihm scheiden sich die Geister: Der Hohenbrunner Wolfgang Pauer hat vor zwölf Jahren damit angefangen, eine gigantische Photovoltaikanlage auf dem Familiengrundstück an der Rosenstraße in Riemerling zu installieren. Für seine „private Energiewende“ erhielt er aber nicht nur Beifall. Empörte Nachbarn alarmierten die Behörden, sogar das Verwaltungsgericht beschäftigte sich mit dem Fall.

Jetzt hat der Streit um den Solar-Rebellen, der vehement für sein Projekt kämpft, einen neuen Höhepunkt erreicht. Gemäß Beseitigungsverfügung soll Pauer bis zum 31. Juli die meisten seiner Solarpaneelen abgebaut haben. „Das ist traurig und ungerecht“, sagt Pauer. Er spielt nun mit dem Gedanken, die Anlage in Spanien neu aufzubauen.

Solaranlagen so weit das Auge reicht

Paneelen auf dem Hausdach, Paneelen an der Fassade, Paneelen auf den Gartenhäuschen und den Garagen. Selbst entlang des Zauns und auf dem Carport hat Pauer Module installiert. Dazu hat er nach eigenen Angaben spezielle Wärmepumpen, Flächenkühler und einen Speicherblock verbaut, um die durch die Sonne gewonnene Energie optimal zu nutzen. „Wir haben bisher unsere ganze Energie für einen Sechs-Personen-Haushalt aus der Solaranlage im Sommer und im Winter bezogen“, sagt er stolz. Das Haus sei so völlig autark geworden. „Wir haben im Jahr 20 000 Liter Heizöl eingespart.“

Dass damit nun Schluss sein soll, kann er nicht nachvollziehen. „Es hat wegen der Anlagen nie Ärger mit den Nachbarn gegeben“, behauptet er. Das stimmt so allerdings nicht. Bereits 2013 hatten sich Bürger bei der Gemeinde beschwert – teils wegen der Optik, teils weil sie um ihre Sicherheit fürchteten. Tatsächlich äußerte ein Fachmann Bedenken hinsichtlich der Statik und wollte auch eine Brandgefahr nicht ausschließen. Sein Fazit damals: Die Anlage sei „vogelwild“. Das Landratsamt wiederum sah mehrere Verstöße gegen das Baurecht und ordnete den Rückbau eines Teils der Anlage an. Dagegen klagte Pauer vergebens.

2015 begutachteten Vertreter des Verwaltungsgerichts die Anlage an der Rosenstraße.
2015 begutachteten Vertreter des Verwaltungsgerichts die Anlage an der Rosenstraße. © Rober Brouczek

„Kniffliger Fall“: Verfahren zieht sich seit Jahren hin

„Wir haben damals die Anlage etwas verändern müssen“, sagt Pauer heute über die Entscheidung des Verwaltungsgerichts aus dem Jahr 2015. Wie aus dem Landratsamt zu hören ist, wurden die bemängelten Paneelen dagegen nie abgebaut. „Als die Anordnung durchgesetzt werden sollte, hat er gesagt, er habe die Anlagen abgebaut und die Grundstückseigentümerin hätte sie wieder aufgebaut“, sagt Behörden-Sprecherin Franziska Herr. Die Eigentümerin ist Pauers Mutter Christa. Seitdem zieht sich das Verfahren und hat erneut die Gerichte beschäftigt.

Die neueste Anordnung durch die Behörde, bis auf die Solarpaneelen auf dem Hausdach und an der Giebelseite des Gebäudes alle anderen Anlagenteile bis 31. Juli zu beseitigen, wurde laut Herr sowohl vom Verwaltungsgericht als auch vom Verwaltungsgerichtshof bestätigt. Pauer habe nun eine Fristverlängerung beantragt. „Diese wird geprüft“, sagt Herr. Sie spricht von einem „kniffligen Fall“, denn einerseits brauche es PV-Anlagen, um die Energiewende hinzubekommen, andererseits müsse man sich eben an bauplanungsrechtliche Vorschriften halten und die Nachbarrechte anerkennen.

Provokativ: Pauer behauptet auf einem Plakat, Söder zwinge ihn, fossile Brennstoffe zu nutzen.
Provokativ: Pauer behauptet auf einem Plakat, Söder zwinge ihn, fossile Brennstoffe zu nutzen. © Privat

Pauer frustriert – Auslandsgedanken „die Konsequenz“

Wolfgang Pauer behauptet weiter, sich an alle Bauvorschriften gehalten zu haben, und sieht sich als Opfer unlauterer Machenschaften. Im Internet und auf einem großen Transparent an seiner Zufahrt wettert er gegen die bayerische „Solar Abrissverordnung“ und Politiker des „CSU/CDU Imperiums“.

Gleichzeitig will er nach eigenen Angaben 250 000 Euro in die Hand zu nehmen, um die PV-Anlage abmontieren und nach Spanien transportieren zu lassen. Dort will er ein Grundstück suchen und den mit der Anlage erzeugten Strom dann ins spanische Netz einspeisen: „Das ist die Konsequenz dieser deutschen Energiepolitik.“

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