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Auch in Pantoffeln stimmt der Groove : Werner Riedel aus Hohenbrunn im Probenraum zu Hause im Keller.

Werner Riedel aus Putzbrunn

Dieser Mann holt die Jazz-Größen nach Hohenbrunn

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Jazzgrößen aus dem ganzen Land folgen dem Ruf eines Mannes nach Hohenbrunn: Werner Riedel (73) legt Wert aufs Niveau, wenn er seine Konzerte im Alten Wirt organisiert. Manche Entwicklungen in der Jazz-Szene bereiten ihm allerdings Sorgen.

Hohenbrunn – Vor zwölf Jahren stürzte dem eingefleischten Jazzmusiker Werner Riedel der Trompetenansatz ab, die Lippenspannung versagte. Nach langem Ringen stieg er auf Posaune um und feiert damit in seiner Hohenbrunner Jazzreihe einen Erfolg nach dem anderen.

Im Februar vor drei Jahren hat Riedel mit der Reihe begonnen. Er hatte den Saal im „Alten Wirt“ für seine Geburtstagsfeier gemietet – jede Menge Musiker im Gepäck. Die Wirtsleute bekamen mit, was im Saal abgeht und sie wussten, dass der Jubilar früher in Erding eine Jazzreihe veranstaltet hat. Sie hakten nach, ob er nicht Lust hätte, regelmäßig in Hohenbrunn zu spielen. Aber klar doch!

Es gab eine Zeit, als der Jazz noch populärer war, und in München im Allotria der Dixieland rauf und runter gejazzt wurde. Mittlerweile ist das Publikum älter geworden. Das größte Problem sieht Werner Riedel darin, dass sich der Jazz versucht weiterzuentwickeln und dadurch immer intellektueller und schwerer verständlich wird. Erschwerend komme hinzu, hauptsächlich Trios spielen. Kleine Besetzungen.

„Da verdient jede Putzfrau mehr.“

Die großen Bands, die früher für Faszination gesorgt haben, Sextette mit zwei bis drei Bläsern, gebe kaum mehr, die Veranstalter können die Gagen nicht bezahlen. „Wenn Sie in München in ein bestimmtes Jazzlokal gehen, bekommen die Musiker gerade mal 50 Euro.“ Rechne man den Zeitaufwand, das Musikstudium , das tägliche Üben: „Da verdient jede Putzfrau mehr.“

Ein wunderbarer Posaunist und Pianist, den Werner Riedel kennt, lebt in einer Sozialwohnung. Andere müssen sich mit Unterricht über Wasser halten. Von Konzertgagen könne kaum einer leben. Das bringe manche Bands dazu, die Stile zu mischen. Bayerisch, Jazz und Weltmusik. Das hält der Putzbrunner für Augenwischerei. „LaBrassBanda“ und Konsorten: für Riedel Musik, um ordentlich Kohle zu machen.

Gute Volksmusik dagegen schätzt er sehr. Sie werde Gott sei Dank auf dem Land noch gepflegt. Da kommen nach seiner Beobachtung manchmal tolle Musiker heraus, die irgendwann beim Jazz landen. „Für mich die interessanteste Musik.“ Denn: Da lernt man nie aus. Der 73-Jährige nimmt immer noch Unterricht in Harmonielehre. Es gehe immer weiter gerade beim Improvisieren. Sogar diejenigen, die ganz oben sind, wie Dusko Goykovich, üben jeden Tag.

In den Ruinen Nürnbergs findet er in der Nachkriegszeit den Jazz

Vor 60 Jahren sah der Unterricht anders aus. Werner Riedel kam zum Jazz als Kind mit acht Jahren im zerbombten Nürnberg. Erst einmal interessierte sich der Junge überhaupt nicht für Musik. Lieber kletterte er in Kriegsruinen herum und experimentierte mit gefundenen Patronen („Wenn das die Eltern gewusst hätten!“). Die Buben waren immer draußen, Lauser halt, und veranlassten kleine, mehr oder weniger kontrollierte Sprengungen. Mit acht entdeckte der Riedel dann die Schallplatten des älteren Bruders und fing sofort Feuer. Mit 14 Jahren nahm ihn der Bruder das erste Mal mit in einen Jazzclub in Nürnberg, den er selbst mit aufgebaut hatte.

Es spielten die Local Heroes mit der Downtown Streetparade, einer renommierten Dixieland-Band: „Das hat mich damals als Jugendlichen wahnsinnig beeindruckt in diesem Gewölbekeller.“ Es wurde so stark geraucht, dass man von einem Ende des Raumes nicht zum anderen schauen konnte. „Eine fürchterliche Luft, aber eine tolle Atmosphäre.“ Also folgte der 14-Jährige dem Ruf des Jazz und gründete in der Schule eine Band. Zu Hause hing ein altes Kornett herum. „Das habe ich übernommen.“ Aber damals gab es keine Noten, geschweige denn Ausbildungschancen, die heute selbstverständlich sind. „Wir mussten alles von den Schallplatten akustisch übertragen.“ Auf den ersten Platten Louis Armstrong und viel guter Dixieland. Zu Riedels ersten Vorbildern gehörte die Dutch Swing College Band.

Trotzdem traute er sich nicht zu, das Faible zum Beruf zu machen. Lieber wählte er den soliden Weg, absolvierte ein Zahnarzt-Studium. „Ich habe meine Praxis in Aschheim aufgemacht und bin froh drum.“

Die Posaune rettet ihn aus der Krise

Als Werner Riedel vor zwölf Jahren der Trompetenansatz abhanden kam, hatte er schwer zu kämpfen. Die Lippen wollten einfach nicht mehr. Bei einer Aufführung hatte er einen Bekannten als Ersatz dabei, die Soli stockten. Auch viele Berufsmusiker haben mit diesem Problem zu kämpfen. Woran es genau liegt, weiß Werner Riedel nicht, vermutet aber, dass bestimmte Nerven motorisch versagen. Zwei Jahre musste er aussetzen. Schließlich kam ihm die Idee, auf Posaune umzusteigen. „Das war der totale Kick.“ Er konnte wieder üben und spielen, so lange er wollte.

Das jüngste Konzert im alten Wirt war bereits eine Woche im Voraus ausgebucht, Stühle mussten herangeschafft werden. Für an die 100 Jazzfans, eine Fangemeinde, die regelmäßig im Alten Wirt zusammenkommt. Die Klientel mit all den Firmen wie Siemens, Airbus ist im Landkreis München größer als andernorts: „Es interessieren sich hier mehr Leute für Jazz als zum Beispiel im eher ländlichen Raum wie in Erding.“

Werner Riedel versucht, das Niveau so hoch wie möglich zu halten. Er kennt viele gute Musiker im Raum München, Nürnberg und Ingolstadt. Auch einige Vertreter der „Champions League“ holt der studierte Zahnarzt nach Hohenbrunn – wie Jan Eschke am Klavier, Bassist Peter Bockius oder den Saxophonspieler Tom Reinbrecht. Diese Qualität honoriert das Publikum. „Wir haben sehr viele Anfragen von Bands, aber ich mache nur etwas mit Leuten, die ich kenne.“

Das Konzert

Es ist das 33. Konzert von und mit Werner Riedel (73) in Hohenbrunn, das am Freitag, 17. Mai, um 20 Uhr mit der Band „As Jazz can“ losgeht. Mit von der Partie am Saxofon ist Tom Reinbrecht. Er unterrichtet an der Hochschule für Musik in München und ist neben seinen Engagements in vielen Gruppen auch als Arrangeur tätig. Am Piano ist Bertram Liebmann, am Kontrabass der „Heimkehrer“ Christian Schantz, nach längerem Wirken in den USA und in Berlin in seine Heimat Ebersberg zurückgekehrt und sehr vielseitig in vielen Musikstilen unterwegs. Den Rhythmus komplettiert Schlagzeuger Stefan Noelle. Dazu an der Ventilposaune: Gastgeber und Organisator Werner Riedel.

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