Fronleichnamsprozession in Hohenbrunn

Böllerschüsse zu kriegerisch? Gemeinderat will Brauchtum verbieten

  • schließen

Wenn am Donnerstag, 31. Mai, die Fronleichnamsprozession durch Hohenbrunn führt, dann werden mehrere Böllerschüsse anzeigen, dass mit der Monstranz der Segen erteilt wird. 

Hohenbrunn– Gemeinderat Alfred Rietzlers (fraktionslos) Versuch, dies abzuschaffen, scheiterte an der Mehrheit des Gemeinderats. Zuvor entbrannte eine Debatte, um Brauchtum und Tradition. Nach Ansicht Rietzlers gibt es viele Gründe gegen das Schießen. Es sei eine Erinnerung an den Krieg, habe nichts mit der Verehrung Gottes zu tun und sei auch nicht ungefährlich. „Machen wir also aus der Hohenbrunner Fronleichnamsprozession eine friedliche Veranstaltung ohne lautstarken Salut an den Altären. Die überwiegende Mehrheit, auch Kinder und ältere Menschen, werden es danken. Und für die Tiere würde es weniger Stress bedeuten“, argumentierte Rietzler.

Dem konnte sich Bürgermeister Stefan Straßmair (CSU) nicht anschließen. „Mir ist keine einzige Beschwerde bekannt.“ Wenn es eine Mehrheit in der Bevölkerung geben sollte, die hier einen Einwand habe, dann sollte sich diese auch an die Pfarrei wenden. Trotzdem habe er Rietzlers Antrag auf die Tagesordnung gesetzt: „Wir werden uns sicherlich nicht in kirchliche Belange einmischen, aber wir sind Eigentümerin der Kanone, mit der geschossen wird.“

Anton Fritzmaier (CSU) verstand nicht, warum so viel Aufhebens gemacht werde: „Böllerschießen an Fronleichnam und am Volkstrauertag ist eine althergebrachte Tradition und Brauchtum, genauso wie das Läuten der Kirchturmglocken. Beides gehört zu unserer Heimat.“ Dritte Bürgermeisterin Regina Wenzel (SPD) machte geltend, „dass Fronleichnam nur einmal im Jahr stattfindet und sich so die Lärmbelästigung in Grenzen hält“. Tenor war vor allem, dass sich der Gemeinderat nicht zuständig fühle. Martina Kreder-Strugalla fasste die Meinung ihrer Fraktion zusammen: „Wir Grüne können gut und gern auf das Böllerschießen verzichten.“

Lesen Sie zum Thema: Fronleichnam 2018: Wo ist Feiertag? Was ist die Bedeutung des katholischen Festes?

Alexander Bujak, Vorsitzender der Krieger- und Soldatenkameradschaft Hohenbrunn, erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Böllerkanone auf Anforderung zum Einsatz komme, wobei die Gemeinde immer informiert werde. „Die Böllertradition in Hohenbrunn ist bereits über 100 Jahre alt.“ Bujak wehrt sich gegen eine Abschaffung. „Was wollen wir denn noch alles abschaffen, um der heutigen, verwöhnten Gesellschaft gerecht zu werden. Wir dürfen nicht alles vergessen, was früher einmal zum Leben dazugehörte.“ Und das Schießen bei der Prozession habe durchaus auch einen Hintergedanken: „Die traditionellen vier Altäre symbolisieren die vier Himmelsrichtungen, in die hinein quasi für das ganze Erdenrund in Fürbitte und Segen die Hilfe Gottes erbeten wird. Der Donnerhall aus der Kanone soll diese Fürbitte weitertragen.“

Rietzler bleibt der Prozession heuer wohl fern, weil das Böllerschießen ihm schadet: „Mir bereitet das nach meinem Herzinfarkt gesundheitliche Probleme, weswegen ich an Fronleichnam und auch beim Totengedenken am Kriegerdenkmal nicht teilnehme. Denn auch da wird geböllert.“

Nach 20 Jahren dürfen die Böllerschützen seit 2012 nicht mehr bei der Brucker Fronleichnams-Prozession schießen.

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Neues Baugebiet: Gronsdorf wird komplett
Ein ganz neues Gebiet entsteht in Gronsdorf. Es soll das Dorf komplett machen. Und es wird nach einem besonderen Vorbild gebaut.
Neues Baugebiet: Gronsdorf wird komplett
Kindergarten-Notstand in Unterhaching: Immer noch 70 Kinder auf der Warteliste
Die prekäre Betreuungs-Situation in Unterhaching hält an: Noch immer sind viele Kinder ohne Kindergartenplatz. Die Gemeinde ringt um Lösungen, die Eltern machen ihrem …
Kindergarten-Notstand in Unterhaching: Immer noch 70 Kinder auf der Warteliste
„Karambolage-Atlas“: Im Landkreis München gibt es besonders viele Unfälle
Die Straßen im Landkreis München gehören zu den gefährlichsten Bayerns. Häufiger kracht es statistisch nur in zwei Städten. Das heißt aber nicht, dass die …
„Karambolage-Atlas“: Im Landkreis München gibt es besonders viele Unfälle
Drei Maskierte stürmen in Gaststätte - sie bedrohen Mitarbeiter mit einer Pistole
Drei maskierte Täter haben eine Gaststätte in Heimstetten überfallen und die Mitarbeiter mit einer Pistole bedroht.
Drei Maskierte stürmen in Gaststätte - sie bedrohen Mitarbeiter mit einer Pistole

Kommentare