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Dieses Wohnmobil, versteckt unter Bäumen, war mehr als zehn Jahre lang das Zuhause des Verstorbenen. 

Nach Leichenfund in Hohenbrunn

Nach Leichenfund vor Wohnmobil in Hohenbrunn: Wer war der Mann, der allein lebte - und starb?

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Vor fünf Tagen wurde die verweste Leiche eines 54-Jährigen in Hohenbrunn gefunden, der seit Jahren zurückgezogen in einem Wohnmobil im Gewerbegebiet lebte. Nun forscht die Gemeinde nach Angehörigen.

Hohenbrunn – Vier Tage nach dem Fund einer Leiche in Hohenbrunn ist die Identität des Toten offensichtlich geklärt. Die Polizei gibt an, dass es sich um den 54-Jährigen handelt, der seit Jahren in einem Wohnmobil im Gewerbegebiet lebt. Dort, vor seinem Wohnwagen, hatte ein Spaziergänger die Leiche am Montag zufällig gefunden. Sie war so stark verwest, dass die Polizei davon ausgeht, dass der Mann schon vor Wochen gestorben ist. Eine Obduktion ist angeordnet. Die Polizei geht nicht von einem Gewaltdelikt aus.

In der Gemeinde wusste man Bescheid

Es muss ein einsamer Tod gewesen sein: Versteckt unter hohen Bäumen, umgeben von Sträuchern steht das Gefährt an der Eduard-Buchner-Straße. Der 54-Jährige lebte seit Jahren in dem Camper. Im Ort war seine Lebenssituation bekannt, auch in der Gemeinde wusste man Bescheid. Doch zu Gesicht bekam man den Mann selten: „Man hat ihn nicht gesehen, wenn man durch die Straße fuhr. Nur bei genauem Hinschauen sah man das grüne Wohnmobil durchblitzen“, sagt der Geschäftsleiter der Gemeinde Hohenbrunn, Thomas Wien. Es sei keine Strecke, auf der man gerne spazieren gehe.

Die Gemeinde hat die Lebensweise des Mannes toleriert. Er sei sehr ordentlich gewesen und habe alles sauber gehalten, sagt Wien über den Mann. Sogar den Platz vor seinem Wohnmobil habe er regelmäßig mit dem Besen gekehrt. „Wir wussten, wo er ist und haben ihn gewähren lassen.“ Schließlich störte der Einsiedler niemanden, wohnte zurückgezogen und fühlte sich im Gewerbegebiet offenbar sehr wohl. „Er war nach unserer Erkenntnis glücklich dort“, sagt Wien. Der Mann sammelte Wasser in Kanistern und bestritt seinen Lebensunterhalt wohl aus eigener Kraft durch das Einsammeln von Leergut. Das Wohnmobil, in dem er schlief, war ausgebaut und in gutem Zustand. Ein Dasein, das dem Mann augenscheinlich genügte, das er selbst gewählt hatte. Hilfe seitens der Gemeinde wollte er nicht annehmen. Wie Wien sagt, habe ihm die Gemeinde bereits vor zehn Jahren Hilfe angeboten. Ohne Erfolg. „Er lehnte sie freundlich ab“, sagt Wien

Welche Gemeinde ist für die Bestattung zuständig?

Das zurückgezogene Leben und der einsame Tod des 54-Jährigen führen nun dazu, dass die Gemeinde zunächst einmal herausfinden muss, ob es Angehörige gibt und, wenn nein, welche Kommune für die Bestattung des Toten aufzukommen hat. Denn die Leiche lag auf der Grenzlinie zwischen Hohenbrunn und Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Thomas Wien: „Jeder hat einen Anspruch eine ordentliche, würdevolle Bestattung.“ Der Leichnam wird in einem Grab, entweder Erd- oder Urnenbestattung, beerdigt.

Es ist im Übrigen der Einzige, der auf diese Weise sein Leben in Hohenbrunn zubrachte. Obdachlose gibt es hier hin und wieder: „Aber die bringen wir alle unter. Weil es schnell gehen muss, sind Pensionen die erste Wahl.“ Die Hilfebedürftigen werden vermittelt, die Fachstelle zur Verhinderung von Obdachlosigkeit der AWO sucht gemeinsam mit der Gemeinde nach einer geeigneten Wohnung.

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