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Hier im Garten an der Jagdstraße soll bald ein Doppelhaus entstehen. Dem Nachbarn passt das gar nicht. Und so musste jetzt das Verwaltungsgericht bei einem Vorort-Termin entscheiden. 

Klage vor dem Verwaltungsgericht

Nachbar-Protest gegen Doppelhaus kommt zu spät

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Florian Kränzle will in den Garten seines Hauses in Hohenbrunn ein Doppelhaus bauen. Den Bau-Vorbescheid bekamen Kränzles Nachbarn im Februar 2017 zugeschickt mit der Bitte um Stellungnahme, Ablehnung oder Zustimmung. So auch der Besitzer des Nachbargrundstücks, Gerhard Knechtel. Er hat zwar keine schriftliche Zustimmung gegeben, aber auch keinen Widerspruch gegen das Vorhaben eingelegt. Daher genehmigte das Landratsamt den Bauantrag, dagegen hat Knechtel nun geklagt.

Hohenbrunn – Die beiden Grundstücke von Kränzle und Knechtel waren bis in die 1970er Jahre ein Gesamtareal. Dann hat Kränzles Mutter einen Teil an die Eltern von Knechtel – der in im österreichischen Graz lebt – verkauft. Jetzt will Kränzle in seinen Garten, direkt an die Grundstücksgrenze von Knechtel ein Doppelhaus bauen: Grundfläche 16 auf neun Meter, an der höchsten Stelle neun Meter hoch, die Erschließung soll über einen noch anzulegenden Weg zwischen den Grundstücken von 3,25 Meter Breite erfolgen. Das Landratsamt ist zwar der Meinung, dass es ganz schön eng sei mit dem dritten Haus, aber alle Abstandsflächen würden korrekt eingehalten, und daher wurde dem Bauantrag stattgegeben. Auch deswegen, so eine Vertreterin des Bauamts, weil kein Nachbar Widerspruch gegen den Bau eingelegt hatte, konnte man den Antrag genehmigen.

Gegen diesen Bescheid hatte Gerhard Knechtel geklagt. Knechtel sagte, er sei es aus seinem Heimatland Österreich gewohnt, dass man Vorbehalte oder Widersprüche bei der mündlichen Bauverhandlung einbringen könne. Richterin Cornelia Dürig-Friedl, die im Zuge eines Vorort-Termins des Verwaltungsgerichts München über die Klage entschied, musste ihm mitteilen, dass es so etwas in Bayern schon lange nicht mehr gebe. „Sie hätten die Möglichkeit gehabt, schriftlich Widerspruch gegen den Bau-Vorbescheid einzulegen. Das haben Sie nicht getan, daher ist es jetzt zu spät.“ Sie habe sich lange überlegt, sagte die Richterin, ob die Verhandlung vor Ort überhaupt Sinn ergebe, da der Fall aus ihrer Sicht sehr klar sei. „Ich wollte mir das dann aber doch selbst anschauen, ob das nicht zu eng ist – doch alle Vorgaben werden eingehalten.“

Kläger Knechtel hielt ihr entgegen, dass er dem Vorbescheid doch nicht zugestimmt habe, er außerdem der Meinung sei, dass das geplante Haus und vor allem dessen Dach überhaupt nicht in die nähere Umgebung passe. Doch genau diese Vorbehalte hätte er dem Landratsamt mitteilen müssen, was er nicht getan hat. Ebenso hätte er gegen den Vorbescheid klagen müssen, was er ebenfalls nicht tat. „Ich finde das Erscheinungsbild der Straße und der beiden Grundstücke einfach nicht schön, wenn da noch ein Haus reinkommt“, sagte Knechtel.

Richterin Dürig-Friedl entgegnete, dass es nicht ums Befinden gehe und die Meinung zur Optik keinerlei Rolle spiele. „Wenn alle Vorgaben zu Höhe, Abstand und Zufahrt eingehalten werden, kann jeder bauen, wie er will – es geht den Nachbarn einfach nichts an, wie einer baut, weder Form, noch Dach oder Farbe.“ Gerhard Knechtel zog folglich seine Klage zurück und muss nun die Kosten des Verfahrens tragen.

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