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Der Buchtitel verspricht Hoffnung für Eltern, die sich sehnlich ein Kind wünschen, aber bislang keinen Erfolg damit hatten.

Hohenbrunnerin veröffentlicht Buch über ungewollte Kinderlosigkeit

Banges Warten auf das Babyglück

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 Etwa 1,4 Millionen Menschen sind laut Allensbach-Institut in Deutschland ungewollt kinderlos. Wie nervenzehrend der Kinderwunsch werden kann, können Außenstehende schwer nachvollziehen. Ungewollte Kinderlosigkeit, Fruchtbarkeitsstörungen oder Kinderwunschbehandlungen, zu denen sich jährlich um die 65 000 Betroffene entschließen, werden nicht thematisiert. „Das ist zu intim“, meint auch Ann A. Niem.

Hohenbrunn – Die Hohenbrunnerin ist selbst vier Jahre lang im Kinderwunschzentrum ein- und ausgegangen und heute glückliche Mutter zweier gesunder Kinder. Der Name Ann A. Niem ist ein Pseudonym, und unter dem hat die Mittdreißigerin ein Buch geschrieben über ihre vier bewegenden Jahre zwischen Hoffnung und Enttäuschung beim Versuch, schwanger zu werden. Darin schildert sie die emotionale Seite, die Anspannung und zermürbende Ungewissheit, den Neid auf Schwangere. Auch die Wut auf Mitmenschen, die jegliches Taktgefühl vermissen lassen oder die Schockstarre, die eine Schwangerschaftsnews beim Mädelsabend auslösen kann. Doch vorrangig ist „Auch ein schwacher Samen findet mal ein Ei. Wenn’s ohne fremde Hilfe nicht klappt mit dem Kinderwunsch“ ein Ratgeber: „Ein manchmal humorvoller, biografisch basierter Tatsachenbericht“, sagt Niem und ergänzt: „Ein Buch, das Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch zeigt, dass ihre Probleme keine Ausnahme sind.“

Sie selbst hat erlebt, „was es bedeutet, wenn etwas so Abstraktes wie eine Kinderwunschbehandlung in den Alltag eines Paares Einzug hält.“ Die Geschichte zu Niems erster Schwangerschaft liest sich wie ein Abenteuerroman, gespickt mit skurrilen Anekdoten und trocken-ironischen Kommentaren, und vor allem mit Happy End: Nach der Diagnose Unfruchtbarkeit und der ersten Kinderwunschbehandlung erblickt Sohn Max das Licht der Welt.

Dass das nicht der Regelfall ist, hat Ann A. Niem bei ihrem zweiten Wunschkind erfahren. Vier gescheiterte Versuche musste die ehemalige Garchingerin wegstecken, deren größter Wunsch es immer war, mit zwei Kindern das neue Eigenheim in Hohenbrunn zu beziehen. Er hat sich erfüllt, 2015 kam Tochter Elsa zur Welt. Eines von über 20 000 Kindern aus dem Reagenzglas, so die aktuellsten Zahlen der deutschen Zentren für Reproduktionsmedizin, die sich seit 2004 fast verdoppelt haben.

Zahlen, Daten und Fakten streut auch Niem zwischen den autobiografischen Kapiteln ein: Angefangen bei den Ursachen von Fruchtbarkeitsstörungen über Behandlungsmethoden und Arten von künstlicher Befruchtung und deren rechtlichen Grundlagen bis hin zu den Kosten und was davon die Krankenkassen übernehmen.

Die emotionalen Berg- und Talfahrten, den „Hoffnungsterror“, wie der Spiegel das Warten aufs Kind gerade beschrieb, können sich Nicht-Betroffene kaum ausmalen. „Der Kinderwunsch erfasst wie eine langarmige Krake alle möglichen Lebensbereiche“, verdeutlicht Niem. Sie summiert die medizinischen Fakten ihrer insgesamt sechs Versuche trocken auf: „Ich habe 252 Mal daran gedacht, das Nasenspray zu verwenden, habe mir 108 Mal ein Medikament selbst in den Bauch gespritzt, hatte vier Vollnarkosen, und mir wurden in sechs Transfers elf Embryonen übertragen.“

Ein Leben nach Behandlungsplan, der sich meist kurzfristig nach den Ergebnissen der Blutuntersuchungen erst ergibt und dann ins „normale“ Leben eingetaktet werden muss. Doch die Krake bekommt mit jeder enttäuschten Hoffnung vor allem die Psyche immer fester in ihre Fänge, der Kinderwunsch wird zum alles bestimmenden Thema. Am Tiefpunkt ihrer eigenen Kinderwunschkrise nach dem vierten missglückten Versuch fürs zweite Wunschkind kam Ann A. Niem die Idee zum Buch: „Das hätten mein Mann und ich uns damals gewünscht: Ein Buch das Hoffnung gibt, ohne zu beschönigen und persönliche Einblicke in diesen nervenzehrenden, kostspieligen und zeitraubenden Behandlungsmarathon gibt“, so die Zweifachmutter. Erschienen ist „Auch ein schwacher Samen findet mal ein Ei“ im Selbstverlag und erhältlich ist es gebunden und als Epaper bei Amazon.

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