Ein Leben zwischen Leistungssport und Studium: Max Nowosad.
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Ein Leben zwischen Leistungssport und Studium: Max Nowosad.

Interview mit Max Nowosad

Der Olympia-Traum lebt weiter

Alles war auf Olympia 2020 in Tokio ausgerichtet, aber dann kam Corona: Wie Max Nowosad mit der Situation umgeht, berichtet der Schwimmer im Interview.

RiemerlingDie Coronavirus-Pandemie hat auch die Sportwelt teils zum Stillstand kommen lassen. Der Schwimmer Max Nowosad (24), früher bei den Riemerlinger Haien aktiv, musste wegen Corona seine sportlichen Pläne über den Haufen werfen. Der Schwimmer begann bereits mit vier Jahren seine Karriere beim ATSV Kirchseeon, wechselte 2006 zum TSV Hohenbrunn-Riemerling und später zur SG Stadtwerke München; er trainierte über zehn Jahre am Landesstützpunkt in München. Im Sommer 2018 entschied sich der Zornedinger, an den Bundesstützpunkt nach Hamburg zu wechseln, um seinen großen Traum, die Teilnahme an den Olympischen Spielen, zu verwirklichen. Sein Leben war seitdem komplett auf Tokio 2020 ausgelegt, doch die Coronavirus-Pandemie machte dem 24-Jährigen, der vereinsmäßig heute für die SG Neukölln Berlin startet, einen Strich durch die Rechnung. Der mehrfache deutsche Meister spricht im Interview über die aktuell schwierige sportliche Situation und seine Zukunft.

Herr Nowosad, die wichtigste Frage in dieser Zeit zuerst: Wie geht es Ihnen und Ihrem Umfeld?

Meine Familie und ich sind Gott sei Dank alle gesund, und wir arrangieren uns ganz gut mit der aktuellen Situation. Meinen Eltern fällt zum Glück zu Hause die Decke noch nicht auf den Kopf und mir geht es hier glücklicherweise genauso.

Im Sommer 2018 wechselten sie von München zum Bundesstützpunkt nach Hamburg, um sich ihren großen Traum von Olympia zu verwirklichen. Wieso haben Sie sich dafür entschieden?

2018 war ein ziemlich prägendes Jahr für mich. Ich habe damals leider knapp die Qualifikation für die Europameisterschaft verpasst und habe dann gesehen, dass ich sportlich nicht da war, wie es mein Plan für Tokio 2020 vorgesehen hatte. Ich wusste, dass ich ein paar Sachen verändern möchte. Ich wollte vor allem technische Details verbessern, sprich Wende und Start, und gleichzeitig wollte ich an meiner Schnellkraft arbeiten. Dann habe ich mich dazu entschlossen, dass ich weg von München an einen anderen Stützpunkt wechseln möchte, um das Ganze für zwei Jahre nochmal professioneller angehen zu können. Mehrere Optionen kamen in Frage. Ich habe mich mit Trainern aus Australien, USA und England unterhalten und gleichzeitig aber gesehen, dass es in Deutschland eine gute Option gibt – und zwar Hamburg. Viele erfahrenen Sportler, von denen manche selbst im Ausland waren, haben mir Tipps gegeben und vorgeschlagen, dass ich mir gerade in der kurzen Zeit die naheliegendste Option doch zuerst anschauen soll. Ich habe schließlich mit Veith Sieber, meinem jetzigen Cheftrainer, telefoniert und hatte nach dem Gespräch ein sehr gutes Gefühl. Ich bin also nach Hamburg gefahren, um mir alles genau anzuschauen, und habe mich dann zu dem Wechsel entschieden.

Was hat sich seitdem vor allem sportlich geändert?

Der Unterschied zu München ist gravierend. Man merkt, dass Hamburg ein Bundesstützpunkt ist und hier einfach mehr Gelder fließen als in München. Mein Sport ist seitdem auch deutlich professioneller geworden: Ich bekomme einen Ernährungsberater, werde von Physiotherapeuten behandelt und wir haben ein großes Trainerteam, bestehend aus Cheftrainer, Co-Trainer, Athletiktrainer, Krafttrainer und Sportwissenschaftler. Dementsprechend bin ich rundum gut betreut. Ihre gesamte Planung war auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio ausgelegt. Doch dann kam die Coronavirus-Pandemie...

Wie haben sie diese Zeit erlebt und wie war es, letztlich von der Olympiaverschiebung zu hören?

Die ganze Situation war schon extrem. Man hatte es natürlich irgendwann im Gefühl, dass die Olympischen Spiele verschoben werden und ich habe das auch als die richtige Entscheidung empfunden. Das IOC hat trotzdem sehr lange an dem geplanten Termin festgehalten, und wir als Sportler waren gezwungen, weiter zu trainieren, obwohl man selbst nicht mehr so wirklich daran geglaubt hat. Als die Spiele dann endgültig verschoben wurden, hat es mir trotzdem erstmal den Boden unter den Füßen weggezogen. Man hat das gesamte Leben auf das eine Ziel ausgerichtet – private Pläne, die komplette Finanzplanung, das gesamte Studium: Alles war auf diesen einen Zeitpunkt im Juli 2020 ausgelegt. Dann musste ich mich erst einmal neu sortieren und bin in ein großes Motivationsloch gefallen.

Sie haben das Motivationsproblem angesprochen. Wie geht es denn sportlich weiter, ist Tokio 2021 Ihr neues Ziel?

Ich habe lange überlegt, wie ich jetzt weitermache. Am Ende habe ich aber festgestellt, dass ich den Weg weitergehen möchte und Tokio weiterhin mein Ziel bleibt. Jetzt hat sich lediglich das Jahr geändert. Mein großes Ziel Olympia habe ich weiterhin im Blick – und das motiviert mich, mich jeden Tag im Training zu quälen. Gleichzeitig motivieren mich auch die kleinen Dinge. Ich habe einfach Spaß an dem Sport selbst; daran mich als Sportler zu optimieren und schneller zu werden.

Welche finanziellen Auswirkungen hat die Verschiebung der Olympischen Spiele für Sie?

Die Verschiebung um ein Jahr hat auf jeden Fall finanzielle Auswirkungen für mich. Meine Finanzplanung war bis Juli 2020 ausgelegt, und ich möchte meine Familie eigentlich nicht ein weiteres Jahr finanziell belasten. Ich bekomme aktuell auch noch finanzielle Unterstützung von der Sporthilfe und habe kleine Sponsorenverträge, doch die sind alle bis 2020 ausgelegt. Nun muss ich schauen, wie es finanziell bei meinen Sponsoren aussieht, ob die mich überhaupt ein weiteres Jahr unterstützen können. Doch selbst bei einer Vertragsverlängerung würde das Geld aktuell bis 2021 nicht ausreichen. Ich hoffe deswegen, dass sich demnächst finanziell noch etwas ergibt.

Schwimmer können also nicht nur von ihrem Sport leben?

Das stimmt. Man muss sich schon während der aktiven Karriere überlegen, wie es nach dem Sport beruflich weitergehen soll. Ich studiere nebenbei hier in Hamburg an der Kühne Logistics Universität und mache meinen Master im Management. Ich war eigentlich im Urlaubssemester und hatte alles darauf ausgelegt, mich eine Zeit lang nur auf das Training zu konzentrieren. Nach den Spielen 2020 wollte ich ein Praktikum machen, ein Auslandssemester anschließen, meine Masterarbeit schreiben und wäre dann 2021 mit meinem Studium fertig gewesen. Das hätte ich alles einigermaßen finanziell hinbekommen – auch dank der großen Unterstützung meiner Familie. Doch jetzt kommt ein zusätzliches Jahr Training hinzu. Das bedeutet, dass die Chance auf einen Nebenjob wegfällt und zusätzliche Kosten entstehen wie beispielsweise durch Trainingslager und Wettkämpfe, sobald diese wieder möglich sind. Ich habe also meine Studienpläne hingeschmissen und schreibe aktuell schon an meiner Masterarbeit, um alles ein wenig zu beschleunigen.

Seit Ende April dürfen Olympiakader-Athleten in Hamburg wieder trainieren. Wann die nächsten Wettkämpfe stattfinden, ist aber noch ungewiss. Wie ändert sich dadurch Ihre Trainingsplanung?

Einerseits muss man sehr langfristig planen, die nächsten großen Wettkämpfe stehen frühestens in einem halben bis dreiviertel Jahr an. Deswegen fangen wir schon jetzt im Frühjahr mit einem kompletten Neuaufbau des Trainings an. Andererseits muss man auch sehr flexibel reagieren können, denn wir bekommen fast täglich neue Vorschriften von den Behörden, wie wir zu trainieren haben. Aktuell dürfen nur die Olympiakader-Athleten trainieren, das sind sieben Leute, und wir sind nochmal in zwei Gruppe aufgeteilt. Wir haben leider nur acht Trainings-Slots in der Woche von je zwei Stunden. Die 16 Stunden sind deutlich weniger als die 25 bis 30, die ich sonst in der Woche trainiere. Ich versuche mich deswegen zusätzlich auf dem Rennrad fit zu halten, um noch ein bisschen mehr Trainingspensum reinzubekommen. Ich habe jetzt noch über ein Jahr Zeit, mich auf die Olympischen Spiele vorzubereiten, und möchte im Juli 2021 in der Form meines Lebens sein.

Das Interview führte Vanessa Breunig.

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