Bürgermeister Stefan Straßmair (M.) und sein Rathaus-Team sitzen an einem Tisch hinter Glasscheiben.
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Mit Abstand und hinter Scheiben: Bürgermeister Stefan Straßmair (M.) und sein Rathaus-Team.

Bei Bürgerversammlung

Zaun oder Unterführung? Bürger fordern Konsequenzen nach tödlichem Bahnunglück

  • Wolfgang Rotzsche
    vonWolfgang Rotzsche
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Das tödliche Bahnunglück bei Hohenbrunn beschäftigt die Gemeinde weiterhin. Die Bürger fordern nun eine Unterführung oder gar einen Zaun entlang der Gleise.

Hohenbrunn – Zwei Aspekte wurden bei der Bürgerversammlung in Hohenbrunn sehr deutlich: Die Gemeinde denkt ernsthaft über einen Realschulstandort am Bahnhof nach. Und mit ebenso viel Ernsthaftigkeit überlegt sie, welche Maßnahmen am Bahngleis zwischen Hohenbrunn und Riemerling ergriffen werden können, um ein unerlaubtes Überqueren des Gleises zu verhindern.

Rund 60 Personen hörten den Bericht von Bürgermeister Stefan Straßmair (CSU) in der Schulturnhalle. Nicht einmal zwei Stunden dauerte heuer die Bürgerversammlung, die unter verschärften Hygieneregeln stand. Bürgermeister und Sitzungsdienst saßen hinter verglasten Kabinen. Und Max Schober vom gemeindlichen Bauhof hatte gut zu tun, nach Redebeiträgen alle Flächen in der „Sprecherkabine“ zu desinfizieren.

Sechs „wilde Überwege“ über Gleis bekannt

Schriftlich wandten sich mehrere Bürger an die Gemeinde hinsichtlich des tödlichen Bahnunglücks am 18. September. Sie forderten eine Unterführung auf der Höhe „Am Gangsteig“. Sabine Krause forderte in der Versammlung sogar einen Zaun entlang des Bahngleises. In Neubiberg seien nach einem Unglück sofort Zäune verstärkt worden. In Hohenbrunn frage sie sich, ob „die Prioritäten richtig“ seien. Straßmair erklärte, dass man nach dem Unglück sofort die Deutsche Bahn (DB) angeschrieben habe; es werde einen Ortstermin geben. Seines Wissens werde schon seit Ende der 1990er-Jahre über dieses Thema im Gemeinderat gesprochen: „Ich bin gerne bereit, im Gemeinderat nochmals darüber zu sprechen.“ Gesprächspartner sei nun mal die DB. Und die bewege sich nicht immer so schnell.

Ihm seien sechs „wilde Überwege“ im Gemeindegebiet bekannt, von denen vier sogar deutlich mit bloßem Auge bei Google Earth zu erkennen seien. „Menschen nutzen leider immer Wege über die Gleise“, bedauerte Straßmair. Ob da eine einzige Unterführung etwas nütze, könne er nicht einschätzen. Vielleicht müsse auch eine Untersuchung beauftragt werden. Die Bahn muss dabei natürlich mitspielen.

Zurückhaltung, aber Hoffnung beim Realschulstandort

Einen Hoffnungsschimmer sieht Straßmair bei den Überlegungen, dass Hohenbrunn möglicherweise für einen Realschulstandort in Frage käme. Denn sollte das Thema wirklich für Hohenbrunn relevant werden, bräuchte es auch sichere Schulwege. Und hier seien auch die mangelnden Querungsmöglichkeiten am Gleis ein Thema. Und hier sieht Straßmair ganz klar Landrat Christoph Göbel (CSU) als „Beschleuniger“. Und dieser „Job“ gelte nicht nur bei der Frage des Umbaus des Hohenbrunner Bahnhofs, den die Gemeinde nun selbst in die Hand nehmen möchte.

Zum Realschulstandort sagte Göbel den Anwesenden „eine sehr ernsthafte Prüfung“ zu. Hohenbrunn könnte, sollte die Entscheidung des Zweckverbandes nicht für Höhenkirchen-Siegertsbrunn fallen, einen starken Schulstandort bekommen. 600 Schüler würden die neue Realschule füllen. Straßmair betonte, dass die Gemeinde nicht um den Standort buhlen möchte. „Es soll der beste Standort für die Schüler sein“, so sein Credo. „Aber es ist natürlich für Hohenbrunn eine Chance.“

Die „Sprecherkabine“ desinfizierte Gemeindemitarbeiter Max Schober nach jedem Redebeitrag.

Unter den übrigen Anträgen an die Bürgerversammlung – darunter auch viele Anfragen an die Verwaltung, wie Straßmair erklärte – war auch ein ganzes Paket von Sigrid und Georg Bauer. Als „schöne Idee“ bewertete Straßmair es, offene Bücherschränke zu initiieren. Hier gab er den Ball aber an die Bauers zurück. Sie mögen doch bitte ein Konzept vorlegen und sich mit Vereinen in Verbindung setzen. „Dann bin ich gerne bereit, dass die Gemeinde das fördert“, sagte der Bürgermeister zu und verriet: „Ich habe jüngst den Keller ausgemistet und könnte alte Klassiker beisteuern.“ Nicht alles müsse von der Gemeinde federführend auf den Weg gebracht werden.

Tatsächlich Gemeindesache seien die Rats- und Ausschusssitzungen, die derzeit coronabedingt in der Turnhalle stattfinden. Alfred Rietzler monierte hier die schlechte Verständlichkeit. „Ich verstehe nur Wortfetzen“, sagte das ehemalige Gemeinderatsmitglied. Alle Gemeinderäte sollten Mikrofone bekommen. Der Bürgermeister hofft derweil, dass Sitzungen bald im neuen Pfarrsaal stattfinden können. Eine entsprechende Anlage, wie sie Rietzler wünscht, habe die Gemeinde nicht. Sollte längerfristig die Notwendigkeit bestehen, Sitzungen in der Turnhalle abzuhalten, müsse darüber nachgedacht werden. Das würde dann aber schon „sehr viel Geld“ kosten. Die technische Ausstattung für die Bürgerversammlung sei ausgeliehen.

Landrat Göbel befürchtet derweil, dass wegen der steigenden Infektionszahlen im Landkreis Bürgerversammlungen, wie in Hohenbrunn, so bald überhaupt nicht mehr stattfinden könnten.

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