Die Polizei will den Bahnhof nun intensiver überwachen, auch mit Videokameras. 
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Die Polizei will den Bahnhof nun intensiver überwachen, auch mit Videokameras. 

„Wächterhof“ wird regelmäßig von Vandalen zerstört

Ohnmacht am Randale-Bahnhof: Polizei erwägt jetzt Videoüberwachung

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
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Immer wieder wird der S-Bahnhof Wächterhof von Vandalen demoliert. Die Deutsche Bahn gibt sich resigniert. Die Polizei konnte die Täter bisher nicht schnappen. Jetzt ist eine Videoüberwachung im Gespräch.

Hohenbrunn / Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Welche S-Bahnlinie fährt hier eigentlich, und wohin? Welche Zone gilt bei den Streifenkarten, wann sind die Abfahrtszeiten? Die normalerweise offiziellen Informationen im Schaukasten werden am S-Bahnhof Wächterhof nur noch handschriftlich vermittelt. Von Fahrgästen, die auf diese Weise andere rudimentär mit Informationen versorgen. Es ist eine Mischung aus Verzweiflung, Ärger und Galgenhumor. Nach der jüngsten Vandalismus-Attacke schildert eine Leserin weitere Details zu den Zuständen an der Haltestelle. Zu den handschriftlich verfassten Infos in den Vitrinen sagt die Dame aus der benachbarten Luitpoldsiedlung in Hohenbrunn: „Papier und Glas haben grundsätzlich keine lange Lebensdauer am Wächterhof.“

Galgenhumor: Weil die Schaukästen ständig zerschlagen und zerstört werden, haben Fahrgäste die wichtigsten Informationen handschriftlich hinterlegt. 

Eingeschlagene Scheiben, abgebrannte Fahrpläne

Die Liste der Zerstörung ist lang, es geht nicht nur um den neulich offenbar mittels Pyrotechnik zerlegten Fahrkartenautomaten. „Graffiti, eingeschlagene Scheiben und abgefackelte Fahrpläne sind an diesem Bahnhof an der Tagesordnung“, sagt die Hohenbrunnerin. „Dass der S-Bahnhof Wächterhof ständig vandalisiert wird, ist seit Jahren bekannt, auch der Deutschen Bahn. Diese weigert sich jedoch nach wie vor, Überwachungskameras zu installieren, obwohl das inzwischen wohl um einiges günstiger käme als die Reparatur eines Fahrkartenautomaten, der mehrmals im Jahr mit brachialer Gewalt zerstört wird.“

Angesichts „der schönen Regelmäßigkeit“ mutmaßt die Anwohnerin, dass es sich „meist um dieselben Täter handelt“. Auch die Polizei geht davon aus. Eine Mitarbeiterin der Hotline des Bahnhofsmanagements habe ihr sinngemäß gesagt: „Da lohnt sich eine Reparatur eigentlich nicht, das wird ja dauernd zerstört und ist in ein paar Wochen eh wieder kaputt.“ Ist der S-Bahnhof Wächterhof also dem Verfall und den Vandalen freigegeben?

Auch die digitale Anzeige haben die Randalierer mit Steinen demoliert. 

Polizei will S-Bahnhof intensiver überwachen

Die Pressestelle der Bundespolizei bestätigt: „Ihre Leserbriefschreiberin hat in puncto Vandalismus am S-Bahnhaltepunkt Wächterhof über die Jahre leider recht“, heißt es in einem Schreiben an den Münchner Merkur. Trotzdem bleibe man „hier nicht untätig und bestreift den S-Bahnhaltepunkt auch weiterhin“. Die Bundespolizei geht nun sogar in die Offensive: „Aufgrund der aktuellen Vorfälle werden unsere uniformierten und auch zivilen Einsatzkräfte verstärkt am Wächterhof unterwegs sein.“

Darüber hinaus stimme man mit der Deutschen Bahn weitere Maßnahmen ab. „Wir beabsichtigen, mit der Landespolizei und der DB-Sicherheit eng abgestimmt, unsere Bestreifungen und Überwachungsmaßnahmen zu intensivieren“, teilt die Bundespolizei mit. „Zusätzlich werden auch technische Überwachungsmöglichkeiten überprüft.“ Beispielsweise also eine Videoüberwachung.

Trotz aller Bemühungen seien Informationen aus der Bevölkerung ein wichtiger Faktor. Bahnfahrer und Bewohner im nahen Umfeld werden gebeten, „auffällige Beobachtungen, auch aus Gesprächen im Nachgang, zu melden“. Und zwar rund um die Uhr unter der Telefonnummer 089 / 51 55 50 11 11.

Bahn äußert sich nur knapp

Die Pressestelle der Bahn reagierte auf die Anfrage des Münchner Merkur nur kurz und knapp. Die Bahn verweist auf die Stellungnahme der Bundespolizei: „Wir haben dazu keine Ergänzungen.“ Was die jüngsten beiden gemeldeten Vandalismusschäden angeht: Die polizeilichen Auswertungen aufgefundener Spuren laufen noch. Somit bestehe „noch die Chance, die Tätern zu fassen“, sagt die Bundespolizei.

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