Tote und Verletzte in den USA: Zug stürzt auf Autobahn

Tote und Verletzte in den USA: Zug stürzt auf Autobahn
+
Rauschende Feste feierten die Mitglieder von Anfang an: Hier einige der Gründer im Fasching der 1960er Jahre - natürlich standesgemäß mit Pfeife.

Verein feiert 55. Geburtstag

Ein Pfeifenclub – ohne Raucher

  • schließen

Der qualmende Männerstammtisch ist Geschichte. Doch es gibt Traditionen, die über die 55-jährige Vereinsgeschichte bewahrt worden sind.

Hohenbrunn – Bläulicher Qualm wabert durch den großen Schankraum des „Alten Wirt“ in Hohenbrunn. Ein würziger Geruch liegt in der Luft. Sieben Männer hocken am großen Holztisch rechts neben der Theke. Darauf ein Schild, das jedem Gast gleich beim Eintreten klar macht: Diese Plätze sind reserviert. Hier sitzt der Stammtisch. Die sieben Männer, die dort hocken, haben alle eine Pfeife im Mund. Viele die vom Großvater. Ein geliebtes Erbstück. „Damals durfte man ja noch überall rauchen“, sagt Werner Meisinger, 75 Jahre alt, geboren in Hohenbrunn.

1962 war es, als Arno Schmidt, Heini Gröber und Josef Berger mit Spezln im Wirtshaus saßen, allesamt Pfeifenfreunde. Es war ein herber Winter, am 16. und 17. Februar verwüstete die große Sturmflut Hamburg. Der Fasching fiel aus, auch in Hohenbrunn. „Den Mannsbildern war’s ein bissl fad“, erzählt Meisinger. Er war nicht dabei, hat sich die Geschichten erzählen lassen, kannte Berger, Gröber und Co. aber gut. Sie alle leben heute nicht mehr. Arno Schmidt, der letzte Stammtisch-Bruder, ist vor wenigen Wochen gestorben.

Doch die Geschichten des Vereins, darunter freilich auch die Gründungsgeschichte, bleiben lebendig.

Denn wie die sieben Männer da so saßen zur faden Faschingszeit 1962, war ihnen klar: „Hier muss was vorwärts gehen“ – und gründeten den Club „zur blauen Wolke“. Jeden Freitag hing sie ab diesem Tag über dem Stammtisch im „Alten Wirt“. Es wurde gepafft, geratscht, Geselligkeit genossen. „Wer die Pfeife vergaß, musste ein Bier ausgeben“, erzählt Meisinger.

Heute gibt’s keinen einzigen Raucher mehr im „Pfeifenclub Wanderfreunde Hohenbrunn“. „Ein bissl schad’“, findet Meisinger. Dafür zählen viele begeisterte Wanderer und Mountainbiker, Naturliebhaber und Kulturinteressierte zu den Mitgliedern.

Die Zeiten haben sich geändert: Aus der „blauen Wolke“ wurde der „Pfeifenclub Wanderfreunde“; aus dem urigen Männerstammtisch ein Verein mit rund 100 Mitgliedern aus Hohenbrunn, Riemerling, Ottobrunn, Unterhaching, Deisenhofen und Höhenkirchen. Zur alten Pfeife im Wappen hat sich der Bergschuh gesellt, so wie die Frauen zu den Männern. Heuer wird der Verein 55 Jahre alt.

Jedes einzelne Jahr kann Werner Meisinger dokumentieren – anhand unzähliger Fotos von Wanderungen und Ausflügen, vom Fasching mit „rauschenden Festen in bester Schale“ bis zu Aufführungen der Theatergruppe, die Josef Berger, Mitbegründer und erster Vorsitzender des Clubs (1962 bis 1971), leitete.

Meisinger ist der Chef der Historie, hütet die gesamte Vereinsgeschichte, verpackt in zwölf Ordnern, in seinem Keller. Auch Töpfe und Tassen für den Christkindmarkt stapeln sich bei ihm. Die Clubmitglieder verkaufen jedes Jahr Punsch, Gebäck und selbst gemachte Sterne, die rührige Damen seit 13 Jahren basteln. „Wer was braucht, geht zum Werner“, sagt Andreas Schlick und klopft dem 75-Jährigen freundschaftlich auf die Schulter.

Schlick, 49, ist seit 2008 der Clubchef und hat durch die Wanderfreunde „Bayern bestens kennengelernt“. Auch die Ecken, die der Hohenbrunner noch nicht kannte. Die Gruppe überschreitet schon mal Grenzen: Österreich, Südtirol, die Schweiz: Überall sind die Mitglieder schon gewandert und Rad gefahren. Die Ambitioniertesten haben zusammen die Alpen überquert – von München nach Venedig in drei Jahren. 2011 bis 2013, immer wieder in Drei- bis Vier-Tagestouren und „mit echten Erlebnissen“, sagt Schlick. Zum Beispiel heftige Gewitter mit Blitz, Donner und Hagel in einer Hütte auf über 3000 Metern.

Doch es geht auch gemütlicher: Einmal im Monat gibt es einen Ausflug für Jedermann, „mit Hund, Kind und Kegel“, ergänzt Schriftführer Jürgen Holthaus, 65, mit vier Amtsjahren das „Vorstandsküken“. Der Pfeifenclub will „etwas anbieten, das man allein so nicht machen kann“, betont Vorsitzender Schlick. Ein Ausflug zum Kloster Wessobrunn beispielsweise – inklusive Wanderung, Einkehr und Führung nur für die Gruppe oder ein Jahresausflug mit zwei Übernachtungen und großem Programm. Auch ein wenig Kultur darf es sein: Im März stehen Besuche der Bayerischen Staatsoper und der Großmarkthalle an.

Meistens mit dabei: Sebastian Wirth, mit 89 Jahren der ältere Mann im Club – und zuständig für Schokoladen- und Schnaps-Verkostung im Bus. Genauso fit ist die älteste Dame der Gesellschaft: Anni Gröber, 90 Jahre alt und Ehefrau des Gründermitglieds Heini Gröber. Jahrelang leitete sie das Damen-Team der Stockschützen. Gespielt wird immer noch auf den Bahnen des „Alten Wirts“, die der Tristl Sepp, Wirtshausbesitzer und „Herbergsvater“ der Pfeifenfreunde, mit und für die Clubmitglieder 1982 baute. Er selbst ist bereits verstorben, gespielt wird aber noch einmal im Jahr, beim Clubturnier. Über dem Tisch im Wirtshaus thront der Beweis für den Erfolg: Ein Pokal. Ein aus Holz geschnitzter Stockschütze, darunter eingraviert die vier Spieler der besten Moarschaft. Einer von ihnen war Werner Meisinger. Er schaut hinauf zur Holzfigur und grinst.

So sehr sich der Verein verändert hat, die Traditionen sind geblieben: Das Stockschießen findet statt und der Männerstammtisch – heute heißt er „Clubabend“ – immer am ersten Freitag des Monats. Nur eben ohne Pfeife.

Janine Tokarski

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Münchner rast in Papas Mercedes mit 210 über die A995
Ein 22-Jähriger nahm es mit der Geschwindigkeit auf der A995 bei Taufkirchen und in München nicht so genau. Mit 210 Stundenkilometern raste er über die Autobahn und …
Münchner rast in Papas Mercedes mit 210 über die A995
Führerschein abgegeben - und am Steuer erwischt 
Im August hatte ein Bosnier seinen Führerschein abgegeben - freiwillig. In Hochbrück saß er trotzdem am Steuer.
Führerschein abgegeben - und am Steuer erwischt 
JU initiiert Bürgerbegehren pro Maibaum-Parkplatz
Die JU will den Parkplatz in Neubibergs Zentrum erhalten. Sie üben massive Kritik an den Tiefgaragen-Plänen und starten ein Bürgerbegehren.
JU initiiert Bürgerbegehren pro Maibaum-Parkplatz
Kreis vertröstet Kommunen
2018 wird‘s nichts mit den Millionen: Für Realschulen und Gymnasien kriegen die Kommunen frühestens 2019 Geld vom Landkreis zurück. Aus einem bestimmten Grund.
Kreis vertröstet Kommunen

Kommentare