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Ein Werbespot, der in Erinnerung blieb: Der einsame Mann zu Weihnachten.

Interview Mit Leiterin Mindy Konwitschny

„Weihnachten allein ist das Traurigste“

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Weihnachten, das Fest der Liebe, ist für viele Senioren sehr einsam. Der Seniorentreff Riemerling steuert gegen.

Riemerling – Es war die Lebensmittelkette Edeka, die vor einem Jahr einen Werbespot zeigte, der anders war: Ein älterer Herr sitzt zu Weihnachten allein neben dem geschmückten Baum und blickt traurig auf eine kleine Kerze vor sich auf dem Tisch. Weihnachten allein – wie traurig, lautet die erste Botschaft des Films. Obwohl der Werbespot mit einer frohen Botschaft und einem glücklichen Fest der ganzen Familie endet, blieb vielen das erste Bild im Kopf: Weihnachten kann gerade für ältere Menschen sehr einsam sein.

Genau darauf hat der Seniorentreff „Kaiserstiftung“ in Riemerling vor fünf Jahren reagiert. Unter dem Motto „Weihnachten nicht allein“ öffnet er an Heiligabend zwischen 15 und 17 Uhr. Was  Senioren dort erwartet,  erzählt Leiterin Mindy Konwitschny (44).


Frau Konwitschny, wie viele Menschen kommen an Heiligabend zu Ihnen in den Seniorentreff?

Mindy Konwitschny : Meistens sind wir 30 bis 35 Personen, darunter ein „harter Kern“ von 15 Senioren, die jedes Jahr kommen. Aber es sind auch immer wieder neue Gesichter dabei.

Was genau bieten Sie den Besuchern an?

Konwitschny: Unser „großes Wohnzimmer“ im Seniorentreff wird schon im Advent weihnachtlich geschmückt: mit Strohsternen, Duftkerzen und mit einem Christbaum. Um 15 Uhr gibt es erst einmal Glühwein und Plätzchen am schön gedeckten Tisch. Franz Bittner ist bei uns und spielt Weihnachtslieder, zu denen jeder singen kann. Die Texte liegen in kleinen Liedheften aus. Einige Besucher bringen auch Geschichten und Gedichte mit, die sie den anderen vorlesen. Gegen 16.30 Uhr essen alle gemeinsam Suppe. Danach löst sich die Runde langsam auf.

Wer um 17 Uhr nach Hause geht, hat aber eventuell noch immer einen einsamen Abend vor sich...

Konwitschny: Einige gehen nach dem Treffen bei uns in die Kirche, andere tun sich zusammen und treffen sich bei dem einen oder anderen noch zu einer Brotzeit. Andere gehen tatsächlich alleine nach Hause und schauen sich zum Beispiel das Weihnachtsoratorium im Fernsehen an. Und es gibt die Besucher, die um 17 Uhr zu ihren Familien gehen. Die sind also nicht ganz alleine, werden aber erst abends eingeladen und wissen nicht, was sie den ganzen Tag über alleine zuhause tun sollen.

Gibt es auch Menschen, die um 17 Uhr nicht gehen wollen?

Konwitschny: Natürlich enden wir nicht um Punkt 17 Uhr. Manche Gespräche gehen auch noch etwas länger. Tatsächlich haben wir uns auch schon überlegt, das Angebot zu verlängern. Aber unsere Erfahrung ist, dass die älteren Leute in völliger Dunkelheit nicht mehr gerne alleine nach Hause gehen. 17 Uhr ist gerade noch in Ordnung; wenn Heiligabend auf einen Wochentag fällt, sind um diese Zeit meistens auch noch Leute auf der Straße.

Gilt das Angebot nur für Senioren in Hohenbrunn?

Konwitschny: Nein, zu uns kann jeder kommen. Grundsätzlich ist die Einladung für Senioren gedacht, also für Menschen ab 60 Jahren. Aber wenn mal jemand kommt, der jünger ist, darf er natürlich auch rein. Da sind wir die letzten, die die Tür zumachen.

Der Seniorentreff in Riemerling ist der einzige im Landkreis, der an Heiligabend geöffnet hat.

Konwitschny: Wir haben vor fünf Jahren damit begonnen. Die ursprüngliche Idee stammt von Helene Nestler. Schon von Anfang an sind etwa 30 Leute gekommen. Deshalb hoffe ich, dass bald noch mehr Gemeinden im Landkreis sagen, dass ein solches Angebot eine gute Sache ist.

Für Sie und Ihr Team bedeutet die Einladung allerdings, dass Heiligabend ein Arbeitstag ist.

Konwitschny: Ja, das stimmt. Auch wenn es natürlich für uns ein besonderes Arbeiten ist. Ich finde, es ist das Traurigste, was es gibt, wenn jemand an Weihnachten alleine ist. Dass wir durch unser Angebot jemandem einen Ruck geben können, vor die Tür zu gehen und mit anderen Menschen zusammenzukommen – das ist das unsere Motivation.

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