+
Der "Spatenstich des Anstoßes" mit Rektorin Ute Landthaler und Vorgänger Karl Spreng (3.v.r.) sowie den vier Schulverbands-Bürgermeistern (v.l.) Thomas Loderer (Ottobrunn), Günter Heyland (Neubiberg), Stefan Straßmair (Hohenbrunn-Riemerlimng) und Edwin Klostermeier (Putzbrunn); Kritiker monieren, nicht eingeladen gewesen zu sein.

Reaktion auf Kritik am Spatenstich für Carl-Steinmeier-Schule

"An Lächerlichkeit kaum zu überbieten"

  • schließen

Wie öffentlichkeitswirksam muss ein Bauprojekt begonnen werden? An dieser Frage scheiden sich die Geister in Hohenbrunn-Riemerling, wo im eher „kleinen Kreis“ der Spatenstich zum Neubau der Carl-Steinmeier-Mittelschule erfolgt war. Kritiker sehen darin einen „Affront“ und bemängeln „null Transparenz“ – die Entscheidungsträger indes verteidigen sich mit klaren Worten.

21 Millionen Euro lassen die Gemeinde Hohenbrunn und ihre Schulverbandspartner es sich kosten, bis 2018 zwischen Georg-Kerschensteiner- und Georginenstraße die Schule auf den bisherigen Sportfreiflächen zu bauen. Ein großes Projekt mit emotionaler Vorgeschichte (Anwohnerproteste, Bürgerentscheid im September 2014), keine Frage. Aber deshalb auch eins, das zum Bauauftakt übermäßig zelebriert werden muss? 

Dass es am vergangenen Freitag „nur“ einen 15-minütigen Pressetermin zum symbolischen Spatenstich mit den Bürgermeistern der vier Schulverbandsgemeinden (Hohenbrunn, Ottobrunn, Neubiberg und Putzbrunn) gegeben hatte (wir berichteten), empört die Grünen und das Bürgerforum. Weil, wie es in Pressemitteilungen heißt, „zum Festakt mit geladenen Gästen“ weder Anwohner noch Gemeinderatsmitglieder eingeladen worden seien. „Null Transparenz“ moniert Pauline Miller vom Bürgerforum, einen „Affront gegen den Gemeinderat“ witterte Grünen-Sprecherin Martina Kreder-Strugalla, man sei „nur als Zaungäste geduldet“ worden.

Viel Aufregung also. Aber: Um was eigentlich? 

Der Bürgermeister von Hohenbrunn, Stefan Straßmair (CSU), spricht von einer „Nichtigkeit“, von „Frechheit“, empfindet die Vorwürfe als „bodenlos“. Ein „Festakt“, gar mit „geladenen Gästen“ (und ausgesperrter Rest-Öffentlichkeit), wie vom Bürgerforum behauptet? Straßmair schnaubt verächtlich: „Ja geht’s noch? Aber echt jetzt.“ Sein Ärger: unüberhörbar.

Gefeiert wird "selbstverständlich" beim Richtfest

All die Kritiker, sagt Straßmair, hätten den Spatenstich „falsch interpretiert“. Es sei bewusst ein kleiner Pressetermin mit Bürgermeistern und Bauleitung gewesen, „wie es sich gehört und überall üblich ist“. Nicht mehr, nicht weniger. Die konkludent geäußerte Forderung, man hätte den Spatenstich doch zum „Festakt“ erheben können, kontert Straßmair: „Für eine Riesenparty mit über 100 Leuten – so viele hätten wir einladen müssen – hätte es wenig Verständnis gegeben.“ Es werde „selbstverständlich gefeiert“, aber erst bei Grundsteinlegung oder Richtfest, „wenn wir den Bürgern schon etwas zeigen können“. Aber nicht jetzt, bei einem rein symbolischen Akt. 

"Was denen stinkt, ist, dass sie vom Pressetermin nicht vorab erfahren haben."

„Was denen stinkt“, weiß Straßmair, „ist, dass sie vom Pressetermin nicht vorab erfahren hatten.“ Daraus werde er Lehren ziehen, auch über derlei künftig informieren. „Aber dann“, ergänzt der Bürgermeister und Chef des Schulverbands, „werde ich wohl lernen müssen, das Gras wachsen zu hören.“ 

Weniger diplomatisch geht sein Stellvertreter im Schulverband, der Ottobrunner Bürgermeister Thomas Loderer (CSU), mit den Kritikern um. „Mit Verlaub, dies ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten“, geißelt Loderer die Vorwürfe. „Die Kritik kommt von Leuten, denen der Neubau ein Dorn im Auge ist und die sich nicht damit abfinden wollen, dass sie den Bürgerentscheid verloren haben und die das demokratische Ergebnis nicht respektieren.“ Seriös sei dieses „ständige Genörgele“ aber nicht, sondern „egoistisch gedacht“. Denn, so Loderer: „Wir haben klare Beschlüsse gefasst, die jetzt umgesetzt werden; es gilt, der Schule etwas Gutes zu tun. Oder sollen wir festhalten an einem alten, lausigen Gebäude?“

Nein, spätestens seit dem Bürgerentscheid am 21. September 2014 war allen die Entwicklung klar. Der Spatenstich jetzt sei lediglich „ein kleiner Termin“ gewesen, „der Startschuss“. Aber, betont Loderer, „ein Spatenstich ist doch kein Bürgerfest“. Nicht mal ein Glas Sekt habe es gegeben – bloß ein Foto, fertig. 

Dazu, dass es doch schließlich auch um Informationen zu Baustelle und deren Sicherung sowie zur Zeitachse gehe, sagt Loderer: „Natürlich ist das für die Anwohner 

nicht angenehm. Aber sollen wir deshalb plötzlich keine Schule bauen? Es werden so viele Lastwagen fahren, wie es nötig ist, um die Baugrube auszuheben. Außerdem haben die Arbeiten schon eineinhalb Wochen vor dem Spatenstich begonnen.“ Wegen Bedenken in puncto Verkehrssicherheit im Baustellenbereich und in den engen Wohngebietsstraßen rät Loderer zu mehr Gelassenheit: „Da sind Profis am Werk! Aber wenn es konkrete Probleme gibt, können wir gern darüber reden.“ 

Was das gemeinsame Feiern und einen Austausch im Sinne der von Kritikern geforderten „Transparenz“ angeht, so verweist Loderer auf Grundsteinlegung und Richtfest sowie den publizierten Bauzeitenplan. „Ansonsten aber“, ergänzt er mit Nachdruck, „habe ich keinerlei Interesse daran, Leute zu überzeugen, die ich sowieso nicht überzeugen kann und die immer das Haar in der Suppe suchen werden.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Drei Lastwagen verunglücken auf A99 - Fahrer hat Riesenglück
Drei Lastwagen fahren auf der A99 bei Vaterstetten zusammen, ein Rettungshubschrauber und eine Fahrerkabine lassen zunächst nichts Gutes erahnen. Doch es geht anders …
Drei Lastwagen verunglücken auf A99 - Fahrer hat Riesenglück
84-jährige Radlerin bei Unfall schwer verletzt
Eine 84-jährige Radfahrerin ist auf der Mittenheimer Straße in Oberschleißheim ohne Fremdeinwirkung gestürzt und hat sich dabei schwer verletzt.
84-jährige Radlerin bei Unfall schwer verletzt
Jetzt beschlossen: Föhringer Ring wird vierspurig
Der Föhringer Ring soll leistungsfähiger werden: Der Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung hat sich für den Ausbau ausgesprochen. Jetzt muss nur noch die …
Jetzt beschlossen: Föhringer Ring wird vierspurig
Kinderbetreuung: Eltern müssen mehr zahlen
Die Gemeinde Grasbrunn muss draufzahlen, wenn es um die Verpflegung der Kinder in den Betreuungseinrichtungen geht. Deshalb steigen ab September die Gebühren.
Kinderbetreuung: Eltern müssen mehr zahlen

Kommentare