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Unverhofft zum Deutschen Meister: Dieser Hohenbrunner ist ein echter Überflieger

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Von: Helena Grillenberger

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Stolz auf die Urkunde: Axel Dwyer ist Deutscher Meister im UItraleichtfliegen.
Stolz auf die Urkunde: Axel Dwyer ist Deutscher Meister im UItraleichtfliegen. © Privat

Axel Dwyer aus Hohenbrunn gewinnt im Ultraleichtfliegen unverhofft den Titel zum Deutschen Meister. Die Leidenschaft fürs Fliegen kam mit einer ganz besonderen Reise.

Hohenbrunn – Als Axel Dwyer 2009 mit seiner UL-Ausbildung – also der Ultraleichtfliegen-Ausbildung – begann, hätte er nicht damit gerechnet, sich 13 Jahre später für die Weltmeisterschaft in dieser Sportart zu qualifizieren. Geschweige denn, dass er dort den sechsten Platz belegen würde.

Flug über die irische Küste veränderte alles

2008 war der 52-jährige Rechtsanwalt aus Hohenbrunn mit einer Cessna die irische Küste entlang geflogen. Damals noch als Gast. Sein Pilot: der damals jüngste Lizenzinhaber Irlands. „Ein großartiges Erlebnis“, schwärmt Dwyer noch heute. Ein Jahr später begann der dreifache Vater seine UL-Ausbildung. An Wettkämpfe dachte er damals noch nicht: Als er den Schein endlich in der Tasche hatte, charterte er ein UL-Flugzeug und genoss einfach das Fliegen und gelegentliche Abstecher ins Ausland, unter anderem nach Frankreich und Italien.

Als Dwyer dann später auch die Lizenzen für viersitzige Flugzeuge und die TMG-Berechtigung für Motorsegler machte, trat er der Erdinger Luftsportvereinigung Albatros bei. Trotz der neuen Möglichkeiten blieb das UL-Fliegen seine größte Leidenschaft. Aus diesem Grund nahm der 52-Jährige 2020 auch erstmals an einer Meisterschaft teil, damals in Mühldorf.

Aus Spaß wurde Erfolg

„Das war noch reiner Spaß und ohne jede Vorbereitung“, erzählt er. Trotzdem gelang es ihm, den dritten Platz zu belegen. Als dann 2021 die nächste deutsche UL-Meisterschaft angekündigt wurde, war der Anspruch, den der Hobbyflieger an sich hatte, schon ein anderer. So nutzte Dwyer im vergangenen Jahr seine privaten Flüge, um zu üben. Und auch, um die für die Meisterschaft erforderlichen Distanzen abzuschätzen. Denn bei der deutschen Meisterschaft geht es einerseits darum, Punktlandungen sowie Starts über Hindernisse hinweg zu meistern. Andererseits stehen auch diverse Navigationsaufgaben im Wettbewerbsprogramm.

Sie funktionieren so, dass man zunächst eine Textaufgabe bekommt, aus welcher man eine Strecke errechnen und den Kursverlauf in die Karte einzeichnen muss. Die Strecken sind in der Regel zwischen 150 und 200 Kilometer lang. Anschließend müssen diese Strecken ohne Navigationsgeräte, also allein anhand von Kartenmaterial, abgeflogen werden.

Unsichtbare Tore

Der Streckenverlauf ist dabei mit virtuellen, also unsichtbaren Toren versehen. Je mehr man von diesen trifft, desto mehr Punkte gibt es. Außerdem gibt es Zusatzvorgaben wie die Einhaltung einer bestimmten Geschwindigkeit über Grund oder den Durchflug von Toren zu bestimmten Zeiten. So wurde die eigens für die Meisterschaft eingebrachte Eieruhr zu einem der wichtigsten Instrumente im Flugzeug, erzählt Dwyer schmunzelnd.

Mit 34 weiteren Teilnehmern ging der Hobbypilot dann im Mai auf dem Flugplatz Rheine, in der Nähe von Münster, an den Start. Die vorangegangenen Trainingstage hatte Dwyer verpasst. Zwar kannte er die Karte und hatte sich eine Strategie zurecht gelegt, aber er konnte sich erst am ersten Wettkampftag mit den mannschaftlichen Gegebenheiten und Orientierungspunkten vor Ort vertraut machen.

Auch der Wind stellte den Juristen vor ein Problem: Mit etwa 20 bis 30 Knoten wurde sein Flugzeug während des Fluges erheblich versetzt – für die Orientierung in ohnehin unbekanntem Gebiet eine Herausforderung. Beinahe wäre Dwyer bereits bei der ersten Aufgabe aus der Karte herausgetragen worden. Kurz vor der holländischen Grenze erkannte er aber, dass er nach Westen abgetrieben worden war. Im Suchkurs schaffte er gerade noch die Kurve, um sich wieder in den Kurs einzufädeln.

Medaille „Pechvogel des Tages“

Das kleine Abenteuer brachte ihm die Medaille „Pechvogel des Tages“ ein. Und dennoch: Trotz seiner Schwierigkeiten hatte Dwyer die Navigationsaufgabe sogar gewonnen, wie er am nächsten Tag erfuhr. Diesen Vorsprung hielt er bis zum Ende – und gewann den Titel des Deutschen Meisters im Ultraleichtfliegen.

Dieser qualifizierte ihn zur Teilnahme an der Weltmeisterschaft, die vor kurzem in Hosin (Tschechien) ausgetragen worden ist. Zunächst lief dort alles gut für den 52-Jährigen. Eine Zeit lang lag er sogar auf dem vierten Platz. Dann dachte er sich aber: „Entweder einer der drei vorderen Plätze oder keiner.“ Dwyer und setzte alles auf eine Karte, doch das Glück war nicht auf seiner Seite: Er beendete die Meisterschaft auf Platz sechs.

„Ich habe da mehr zum Spaß mitgemacht“, erklärt Dwyer. Mit den neugewonnenen Erfahrungen überlegt er jetzt, an der Europameisterschaft im kommenden Jahr teilzunehmen. Qualifiziert hat er sich dafür bereits. „Und bei der nächsten Deutschen Meisterschaft im Mai 2023 bin ich auf jeden Fall wieder dabei.“

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