Zum Holocaust-Gedenktag: Beklemmende Briefe von Tätern und Opfern

Garching - Im Geheimen, Versteckten und Privaten wird das Böse offenbar. In einer szenischen Lesung stellten zwei Künstler in der Stadtbücherei Garching Briefe von KZ-Opfern und ihren Folterern vor, von Frontsoldaten und Daheimgebliebenen, Menschen in Heilanstalten und ihren Ärzten: „Täterbriefe - Opferbriefe".

Mit den aus Archiven und privaten Beständen stammenden Briefen aus den Jahren 1939 bis 1945 haben Schauspielerin Simone Schatz und Autor Robert Domes einen Schatz gehoben. Laut VHS-Leiter Lothar Stetz war der Abend eine Premiere, die erste Aufführung dieses szenischen Schaupiels, in dem Schatz und Domes abwechselnd lasen, hin und wieder unterbrochen von nervtötendem Tonträgerrauschen.

Ein namenloser finstrer Abgrund tut sich in den Briefen auf, unfassbare Grausamkeit und das Fehlen jeglichen Mitgefühls, wenn Hinz und Kunz darüber plaudern, wie viele Juden sie an diesem Tag abgefertigt hatten. Entsetzliche Zahlen, stolz als Tagwerk dargestellt.

Auszüge: Das an die Schwester gerichtete Weihnachtspaket ist ungeöffnet aus der Heilanstalt retour gekommen. Der Bruder sorgt sich mit „deutschem Gruß“. Die Klinikleitung antwortet, berichtet von „planwirtschaftlichen Räumungsmaßnahmen“, in deren Folge die junge Frau verlegt worden sei. Wo die Schwester gelandet ist, weiß niemand.

Im KZ Dachau hat einer 2000 Häftlinge in Windeseile „behandelt“. Mittags besichtigt er mit Kollegen Schloss Berg, labt sich hernach an Beefsteak und Kalbsleber. Ein anderer berichtet seinem „lieben Putheli“ „erhebliche Todeskandidaten“ in Rekordzeit abgefertigt zu haben. Aus Rußland berichtet ein Soldat seiner Mutter, wie sie Russen wie Hasen abschossen. „Sie rannten durcheinander, schrien. Keiner kam davon.“ Unterschrift „Herzbusserl für immer Dein Bub“.

„Wir haben es nicht gewusst“, beginnen und enden Schatz und Domes ihren Vortrag, steigern sich zu „mancher hat es geahnt, aber wirklich wissen konnte es keiner“ und „wer etwas wusste, wollte nichts wissen“ zu „Was bloß wollt Ihr von uns!“ an

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