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Die Beine plagen ihn: Max Mannheimer mit Bürgermeisterin Gabriele Müller und Peter Paul Gantzer.

Empfang daheim in Haar

Holocaust-Überlebender Max Mannheimer feiert seinen 96.

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Haar – Es war kein runder Geburtstag, den Max Mannheimer gefeiert hat. Dennoch gaben sich zu seinem 96. Freunde, Nachbarn und politische Weggefährten die Türklinke in die Hand, um „ihrem Max“ zu gratulieren.  Mannheimer ist als Holocaust-Überlebender einer der letzten Zeitzeugen. Er hat Generationen von Schülern über das Grauen des NS-Regimes aufgeklärt; nicht als Ankläger; als Mahner und Warner.

Mit dichtem weißen Haar und dunklem grauen Anzug empfing Max Mannheimer gut gelaunt seine Gäste. Der Landtagsabgeordnete Peter Paul Gantzer, der viele Jahre mit seiner Frau in unmittelbarer Nachbarschaft gewohnt hat, machte Mannheimer in der Geburtstagseinladung ein paar Jahre jünger und hatte zum 90. Geburtstag geladen. „Die sechs Jährchen mehr sieht man ihm aber gar nicht an“, sagte Gantzer schmunzelnd.

Seit 70 Jahren in der SPD

Gantzer brachte ein besonderes Geschenk mit. Das Buch „Die Sozialdemokratie – ihr Ende und ihr Glück“ aus dem Jahr 1916. „Das Alter des Buches packst Du locker, Max!“, scherzte Gantzer. Zum Gratulieren kam auch Natascha Kohnen, Generalsekretärin der bayerischen SPD, Bela Bach, Vorsitzende der Kreis-SPD, und Bürgermeisterin Gabriele Müller, ebenfalls SPD, als Vertreterin der Gemeinde Haar.

Mannheimer trat bereits unmittelbar nach Kriegsende in die Partei ein und ist deren langjährigstes Mitglied. Erst im Dezember vergangenen Jahres wurde er für 70 Jahre Parteizugehörigkeit geehrt (wir berichteten). „Der Max steht wie kein anderer für Demokratie und gegen Rechtsextremismus“, hatte ihn damals der SPD-Ortsvorsitzende Peter König geehrt.

Ehrenoffizier bei den Fernmeldern

Mit 96 Jahren ist Mannheimer ohne jegliche mentale Alterserscheinung. Er erzählt Anekdoten bis ins letzte Detail. „Wisst Ihr eigentlich, dass ich Ehrenoffizier der 4. Kompanie des Fernmelderegiments 220 bin?“, fragte er in die Gästerunde. Nach einem Vortrag vor der Kompanie in Donauwörth hatte ihm der dortige Major die Ehrenwürde der Kompanie angetragen. Als eine Abordnung der Bundeswehr-Universität Neubiberg sich neulich bei ihm angekündigt hatte, „da wollte ich dann schon, dass die in Uniform kommen. Schließlich bin ich ja Ehrenoffizier!“, sagte Mannheimer. „Ich inmitten zweier Soldaten, das ist doch interessant.“

Einer der letzten Zeitzeugen

Mittlerweile ist Max Mannheimer als Überlebender des Holocaust einer der wenigen noch lebenden Zeitzeugen. „Es gibt nicht mehr viele, die darüber berichten können“, sagt er. Nur er und sein Bruder Edgar überlebten, seine ganze Familie wurde im Konzentrationslager Auschwitz getötet. Bekannt geworden ist Max Mannheimer durch Vorträge über seine Erlebnisse in den Konzentrationslagern Auschwitz, Warschau und Dachau, mit denen er Jugendliche wie Erwachsene über die Schrecken des Dritten Reiches aufklärt. Mannheimer ist ein wichtiger Teil der deutschen Geschichte, ein ständig Mahnender vor extremen Strömungen. „Aufmerksam beobachte ich den Zulauf zu Pegida und AfD. Eine Demokratie kann vieles ertragen, aber die Geschichte darf sich keinesfalls wiederholen!“, warnt er. 

Im nächsten Jahr sollen alle wieder kommen

Seine Erinnerungen verarbeitet er in Aufsätzen, Büchern und der Malerei. In seinem Bücherregal stehen jüdische Literatur, Bildbände und politische Bücher, an den Wänden hängt eine Vielzahl seiner Werke. Einige seien ganz profan im Keller entstanden. „Den schiefen Wänden der Neuen Heimat sei dank, ist die Farbe während des Trocknens so schön ineinander verlaufen,“ scherzt Mannheimer. An Skilaufen und Fußball, was er früher immer gerne gemacht hat, kann er sich noch gut erinnern. Jetzt plagten ihn halt die Beine und auch die Ohren. „Aber dafür gibt es hervorragende Technik.“ Natürlich hatte auch Mannheimer einen Wunsch an seine Gäste: „Ich möchte, dass ihr alle im nächsten Jahr wieder kommt!"

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