Immer freundlich, bitte: Traudl Schmidramsl (r.) erklärt den Auszubildenden Larissa Prieler, Janine Schmid und Melanie Gamböck (v.l.) ihr Aufgabengebiet. Fotos: Gerald Förtsch

Hotel- und Gaststättengewerbe klagt über Azubi-Mangel

Ismaning - Jede vierte Lehrstelle in Oberbayern kann nicht besetzt werden. Besonders dramatisch ist der Bewerbermangel in der Hotellerie und bei Köchen - auch im Landkreis München.

Am Ende ihrer Lehrstellensuche hat Larissa Prieler (15) die freie Auswahl. „Ich hätte auch eine Stelle in Unterföhring annehmen können“, sagt sie. „Doch weil mein Bruder bereits in dem Betrieb arbeitet, habe ich mich für hier entschieden.“ Hier, das ist der Hotel-Gasthof Neuwirt in Ismaning, wo die 15-Jährige aus Unterföhring eine Ausbildung zur Hotelfachfrau begonnen hat. Auch ihre beiden Azubi-Kolleginnen aus dem Landkreis Dachau konnten unter mehreren Angeboten wählen.

„Früher haben wir uns die Auszubildenden ausgesucht - heute ist das umgekehrt“, sagt Traudl Schmidramsl, Chefin im Neuwirt. „Inzwischen müssen wir um die Lehrlinge kämpfen.“ Heißt bei Traudl Schmidramsl: Regelmäßig wirbt sie beim Berufsinformationstag der Ismaninger Mittelschule um Lehrlinge; sogar einen Tag der offenen Tür für potenzielle Bewerber hat sie im Neuwirt schon veranstaltet. Trotzdem spüre sie seit Jahren den Nachwuchsmangel; im Hotel, vor allem aber auch im Restaurant. „Dieses Jahr habe ich keinen Koch-Lehrling gefunden.“

Damit ist die Ismaningerin beileibe nicht allein. So ist die Zahl der abgeschlossene Lehrlingsverträge laut dem Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Oberbayern bereits 2013 um sechs Prozent zurückgegangen. Neuere Zahlen sollen Ende des Jahres vorliegen. „Dabei hat unser Gewerbe in den vergangenen fünf Jahren zwölf Prozent mehr Mitarbeiter eingestellt“, sagt Dehoga-Geschäftsführerin Susanne Droux. „Die Tourismusbranche boomt, der Bedarf an Auszubildenden ist riesig.“ Immerhin: Bei den neu abgeschlossenen Verträgen gab es ein Plus von rund drei Prozent. „Hier in Oberbayern ist die Situation noch gut“, sagt Droux. „In anderen Regionen Deutschlands sieht es da ganz anders aus.“

Eine Grund für den Bewerbermangel ist der demographische Wandel. Dazu kommt die Tatsache, dass immer mehr Jugendliche Abitur machen und studieren. „Früher hatten wir auch Lehrlinge mit Mittlerer Reife“, sagt Traudl Schmidramsl. „Heute kommen fast alle von der Mittelschule.“ Zudem sie über „schwarze Schafe“ in der Branche, die Auszubildende ausbeuten. „Die haben den Ruf unseres Berufsstandes kaputtgemacht.“ Und dann sind da noch die Arbeitszeiten - Stichwort Wochenenddienst und Schichtarbeit. „Das ist das erste, worauf Freunde mich ansprechen, wenn ich von meiner Ausbildung erzähle“, sagt Larissa Prieler.

Traudl Schmidramsl will das naturgemäß nicht so stehen lassen: „Im Hotelgewerbe arbeitet man ganz normal acht Stunden am Tag“, betont sie. „Der Beruf ist vielfältig, abwechslungsreich, und es gibt erstklassige Aufstiegschancen.“ Bestes Beispiel sei ihre Enkelin Lisa Schmidramsl: Sie hat nach der Mittleren Reife eine Ausbildung in einem Münchner Hotel absolviert, arbeitet nun im Neuwirt und plant danach eine Weiterbildung zur Hotelbetriebswirtin. Gemeinsam mit Bruder Maximilian soll sie den Neuwirt einmal übernehmen, sagt Traudl Schmidramsl. „Ich bin sehr glücklich, dass wir die beiden überreden konnten, diesen Weg einzuschlagen.“ ps

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