"Ich kämpfe für das, was ich will": Boxen soll Hauptschüler fördern

- VON RAFAEL SALA Taufkirchen - Dennis Lis sitzt erschöpft auf einem Stuhl. Seine Wangen sind gerötet, Schweißperlen laufen ihm übers Gesicht. Er wickelt die grünen Schutzbänder von seinen Händen, neben ihm auf dem Boden liegen seine Boxhandschuhe. Soeben hat sich der Neuntklässler der Taufkirchener Hauptschule mit einem Mitschüler im Sparring der "Work und Box Company" einen fünfminütigen Kampf geliefert.<BR>

<P>"Ich kämpfe für das, was ich will": Unter diesem Motto ist gestern ein von der Hauptschule initiiertes Projekt zur beruflichen Förderung von Schulabgängern zu Ende gegangen. "Es ist auf dem heutigen Arbeitsmarkt nicht einfach für unsere Hauptschüler, einen geeigneten Arbeitsplatz zu finden", weiß Wolfgang Hildebrandt von der Jugendsozialarbeit der Taufkirchner Hauptschule. Deswegen hat der Pädagoge in Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendring München Land und dem "Arbeitskreis Jugend" erstmals eigene Projekttage zu diesem Thema ins Leben gerufen.<P>Der Schauplatz ist allerdings recht ungewöhnlich: Nicht in den Hallen des Arbeitsamtes, sondern am Sparring der Taufkirchner "Work und Box Company" haben sich die männlichen Im kontrollierten Kampf auf Arbeitswelt vorbereiten Schüler, die im Sommer ihren Quali machen, versammelt. Auf 25 Quadratmetern Fläche sollen sie sich drei Tage lang "durchs Leben boxen", wie Trainer Werner Makella schildert. Trainiert wurde die ganze Woche jeweils bis weit in den Nachmittag hinein. Die Jungs sollen fit für die harte Arbeitswelt gemacht werden: nicht durchs Verbale, sondern in der unmittelbaren körperlichen, reaktionsschnellen Auseinandersetzung.<P>Was nach "Hau-Drauf-Methode" klingt, ist Makella zufolge das Ergebnis eines höchst effizienten pädagogischen Konzepts: Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um das Bestehen in der Gesellschaft. Denn weil gerade Hauptschüler Probleme hätten, im gnadenlosen Wettbewerb ihren Platz auf dem Arbeitsmarkt zu finden, müsse man sie im kontrollierten Kampf darauf vorbereiten. Nichts biete sich da besser an als das Boxen. "Es geht um Kontakte und Kontaktbelastungen. Es geht um physische und psychische Belastung - beim Boxen wie in der Arbeitswelt."<P>Diese Methode machte Schlagzeilen. Sie fand sogar einen so großen Anklang, dass die "Work und Box Company" kürzlich von der Bundesagentur für Arbeit mit einem mit 50 000 Euro dotieren Förderpreis ausgezeichnet wurde (wir berichteten). Auch das Landratsamt begrüßt das Konzept. "Boxen fördert den Gemeinschaftssinn. Die Jugendlichen lernen, mit ihren Aggressionen kontrolliert umzugehen und Verbote einzuhalten", schildert der Jugendbeauftragte der Behörde, Thomas Krug. Dennis Lis jedenfalls hat es Spaß gemacht. "Auch wenn ich manchmal ganz schön Bammel hatte", wie er schmunzelnd gesteht.<P>

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