Gelassen und freundlich: Mit seiner Art hat Pfarrer Nobs die Herzen der Gläubigen gewonnen. foto: marcus schlaf

„Ich will wieder Seelsorger sein“

Landkreis - Dieses Pensum haut selbst den größten Idealisten um: Gottesdienste in vier Pfarreien, Berge von Verwaltungsaufgaben und die Verantwortung für 10 000 Gläubige. Pfarrer Christoph Nobs, Leiter des Pfarrverbands „Vier Brunnen“, möchte nicht länger Manager sein, sondern wieder rein als Seelsorger arbeiten. Deshalb verlässt er Ottobrunn und verabschiedet sich im Sommer von seinem Einsatzort.

„Die Gemeinde soll die Möglichkeit haben, sich zu erneuern“, begründet der 50-Jährige seinen Entschluss. Alle zehn bis 15 Jahre sei es angebracht, seinen Standort zu wechseln. „Jetzt ist ein günstiger Zeitpunkt.“ Vor allem, weil der Geistliche eine Auszeit braucht. „Ich stoße an die Grenzen meiner Kräfte.“ Zuständig für vier Pfarreien, war er oft sieben Tage die Woche im Einsatz. „Nur in letzter Zeit habe ich die freien Montage eingehalten.“

Als Pfarrer Nobs im Jahr 2000 aus Kolumbien zurückkehrte, war er froh, in ruhigeres Fahrwasser zu kommen. So habe ihm die Tätigkeit im Kreis München viel Freude bereitet. Doch in seinen zwölf Ottobrunner Jahren habe sich die Arbeitslast erheblich erhöht. Bis 2009 betreute er St. Magdalena (Ottobrunn) und St. Stephanus (Hohenbrunn), doch mit Zusammenlegung dieser Pfarreien mit St. Ulrich (Grasbrunn) und St. Stephan (Putzbrunn) sei die Nähe zum Pfarrer verloren gegangen. „Manche Gläubige empfinden das als Liebesentzug.“ Nobs empfindet es als belastend.

Seine Zukunft möchte er weitgehend frei von Bürokratie gestalten. „Ich möchte nah bei den Leuten sein und wieder Seelsorge betreiben“, sagt er. „Ich will versuchen, auf originelle Weise die Kirche der Zukunft zu verkörpern.“ Eine Auffassung, die für ihn als Kirchenkritiker und Mitglied des „Münchner Kreises“ eine große Rolle spielt. Denn Nobs bedauert: „Die Katholische Kirche ist in vielen Dingen seit 250 Jahren im Rückstand, vor allem was Denkmodelle bezüglich des Glaubens betrifft.“ Die Kirchen-Strukturen mit all ihren Hierarchien stammten noch aus der Feudalzeit. Angeeckt ist er mit solchen Äußerungen schon öfter, doch er ist zuversichtlich: „Mit dem Glauben geht es weiter. Die Kirche wird sich in den nächsten 30 Jahren verändern.“ Das müsse sie auch, weil die Pfarrer langsam ausgehen.

Wohin es Christoph Nobs zieht, steht noch nicht fest. Dem Ordinariat hat er seinen Wechselwunsch mitgeteilt, im Frühjahr rechnet er mit Vorschlägen. Einziger Anspruch: kein Pfarrverband mehr, lieber eine ganz normale Seelsorgestelle. „Gerne auch eine Pfarrei mit starkem sozialem Schwerpunkt - ein Gebiet mit einfach Leuten, prekären Verhältnissen, es darf auch das Hasenbergl sein.“

Sein Entschluss löste im Pfarrverband Bedauern aus. „Betroffenheit ist da“, weiß Nobs. „Viele sind traurig, manche fühlen sich vor den Kopf gestoßen.“ Das Pfarrfest in den Sommerferien wird sein Abschiedsfest. Dann will er sich erst einmal erholen. „Ich nehme mir eine Sabbatzeit von mindestens drei Monaten.“ Für die Zukunft wünscht er sich: „Lebensfreude und Spaß daran, etwas mit Menschen zu machen.“

coe

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