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Ideenwettbewerb: Modernes Wohnen ohne Hochhaus

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Haar - Professor Wolfgang Herrmann, Präsident der TU München, wünscht sich gerne „spinnerte Ideen". Denn sie brauchen Studenten, um neue Wege zu erkunden und die Welt zu verändern. Bei dem studentischen Ideenwettbewerb für das Grundstück an der Münchner Straße (B 304) in Haar waren unter den 19 Entwürfen viele futuristische und auch „spinnerte". Aller aber zeigten, wie sich junge Menschen ein schönes Leben in Haar vorstellen.

Ursprünglich hatte ein Münchner Investor geplant, auf dem Grundstück ein Gebäude zu errichten, das schnell als „Hochhaus“ im Ort bekannt wurde . Doch die Pläne von Investor Rolf Rossius fanden wenig Anklang. Es kam zum Bürgerentscheid. Allerdings konnten weder die Befürworter des Projekts noch die Gegner das notwendige Quorum erreichen. Die Entscheidung ging zurück an den Gemeinderat, der sich letztlich für einen Ideenwettbewerb unter Studenten aussprach (wir berichteten). Die Ergebnisse daraus wurden jetzt öffentlich vorgestellt.

Zahlreiche Haarer waren ins Bürgerhaus gekommen, ließen sich von den Studenten die Ideen erläutern und letztlich beteiligten sich 82 Interessierte an der Abstimmung über die Entwürfe. Die besten drei Varianten des von Investor Rolf Rossius mit 10 000 Euro dotierten Wettbewerbs werden nun von einem Fachgremium weiter betrachtet. Aus den Ideen sollen sich Aspekte herauskristallisieren, die dann die Architekten des Investors aufnehmen wollen. Mit 19 der 82 Stimmen gewannen Tian Zheng Chen und Anna Latoszek den Wettbewerb. Sie setzten sich vor allem mit dem modernen Wohnen auseinander und kreierten einen abgestuften Geschossbau, dessen Dachflächen begrünt und begehbar sind. Die Skizze zeigt etwa einen puttenden Golfer auf dem Dach des Hauses.

Auch die weiteren Entwürfe, die bei den Abstimmenden mehrheitlich gut angekommen waren, setzen sich mit neuen Formen des Wohnens auseinander. Die Studenten hatten viele Ideen, wie - etwa dank neuer Treffpunkte, Passagen und Plätze - Menschen direkt vor der eigenen Haustür urban flanieren können.

Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) zeigte sich überrascht, dass die jungen Leute kaum und nur begrenzt in die Höhe bauen wollen. Wichtiger war ihnen die Lebensqualität. Ein Teil der Entwürfe setzte sich sogar mit der Begrenzung durch die vierspurige B 304 auseinander. Yvonne Cosentino löste diese Schwierigkeit mit einem Tunnel. Der Durchgangsverkehr an der wichtigen Münchner Ausfallstraße würde Haar dann im Untergrund passieren und oberirdisch wäre eine normale Gemeinde-Hauptstraße möglich. „Das ältere und das neuere Haar könnte ohne die Münchner Straße in seiner heutigen Form zusammen geführt werden“, sagte die Studentin.

Bürgermeisterin Müller lobte vor allem „dieses sehr seltene Ereignis, dass die Bürger miteinbezogen werden, bevor es die ersten belastbaren Pläne gibt.“ Sie betonte, dass dieses Projekt keinen Plan bringen soll für die direkte Umsetzung, sondern „es soll uns Visionen liefern, wie die Zukunft sein könnte“. Investor Rolf Rossius ist von den 19 Arbeiten begeistert und sagte, dass „jede einzelne prämiert werden sollte“. Den Haarer Bürgern rief er versöhnliche Worte zu: „Ich wollte keinen Streit und nicht, dass sich die Bürger wegen unserem Projekt in die Haare bekommen.“ Den gewagten Schritt mit der Auslobung eines studentischen Wettbewerbs würde er anderen Investoren mit großen Zielen sofort empfehlen.

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